
© Leonhard Pill/Zsolnay
Marko Dinićs Debütroman: Geisel der Nostalgie
Der Schriftsteller Marko Dinić zeichnet in seinem Debütroman „Die guten Tage“ ein düsteres Porträt Serbiens nach den Balkankriegen.
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Ein Euroliner-Bus fräst sich durch das nächtliche Europa, über Salzburg, Wien, durch Ungarn weiter in Richtung Osten, Endstation Niš, Serbien. „Gastarbeiterexpress“ heißt in Österreich die preiswerte Verbindung nach Ex-Jugoslawien. Im Bus sitzt ein junger Mann auf dem Weg zurück – ja, wohin? In die Heimat? Das ist für ihn ein vergifteter Begriff. Denn der Ich-Erzähler von Marko Dinićs Debütroman „Die guten Tage“ ist vor Jahren von Belgrad aus aufgebrochen, um in Wien neu anzufangen, weit genug weg von all dem, was seine bisherige Existenz bestimmt hat. Weg von diesem klebrigen Gemisch aus Selbsthass und Aggression und Opferhaltung und Nationalismus, das nach Titos Tod den Staat Jugoslawien zunächst hat erodieren und schließlich in einer Art und Weise implodieren lassen, die niemand sich in Europa zu Beginn der neunziger Jahre hatte vorstellen können.
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