Sieglinde Geisel: Stiller Luxus im Weltall
Sieglinde Geisels wunderbares Buch über den Lärm und die Sehnsucht nach seiner Abwesenheit.
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Die Dame war so reich, dass sie unsichtbar blieb. Es stellte sich nur eine Telefonverbindung nach Südamerika her, wo sie gerade weilte. Ich sollte einen Text schreiben über ihre kunstvoll ausgestattete Zweit- oder Drittwohnung in der westdeutschen Provinz, durch die ich von Angestellten in ihrer Abwesenheit geführt worden war. Die Dame war zuvorkommend, sie gab bereitwillig Auskunft. Charmant stellte sie die Illusion her, man unterhalte sich von gleich zu gleich, indem sie das Gespräch auf das Thema Kinder lenkte. Mit Kindern machten alle Eltern dieser Welt ähnliche Erfahrungen, der Normalbürger wie die Vielfachmillionärin. Das Gespräch gehorchte einer feinen Dramaturgie. Der Stolz auf die aus allen Weltregionen zusammengetragenen Kostbarkeiten war nicht zu überhören. Gleichzeitig achtete die Dame darauf, keineswegs entrückt zu wirken. „Ach“, sagte sie schließlich, die Sachen seien eigentlich „nicht so wichtig“. Das schönste an der Wohnung sei ohnehin „ihre Stille“, die Ruhe, die von der sie umgebenden Landschaft ausgehe. Denn: „Freie Zeit und Stille“ – das sei der wahre Luxus. Die Stille als Ausdruck von Exklusivität und Gleichheit. Wie raffiniert!
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