Meinung: Ich bin die letzte Mohikanerin
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Meinung: Ich bin die letzte Mohikanerin

Wozu brauchen wir noch Musikkritik, wenn sowieso alles Kultur ist? Weil das professionelle Nachdenken über Beethoven & Co. nicht nur den Geist und die Sinne bereichert, sondern die Welt verbessert. Gedanken zum Abschied.

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Nicht Joachim Kaiser, der viel geliebte und bewunderte Münchner Kritikerpapst, ist der „letzte Mohikaner“, ich bin es, definitiv. Ich bin – zusammen mit ein paar ebenfalls sanft ergrauenden Mitstreitern – die letzte Mohikanerin, und dass es diesen Indianerstamm nie gegeben hat (außer in James Fenimore Coopers Roman), macht die Sache nicht besser. Vor ein paar Jahren schrieb Kaiser seine Autobiografie und nannte sie tatsächlich „Ich bin der letzte Mohikaner“: Ein prall-kluges, anrührendes Buch über ein reiches Leben, nicht frei von Eitelkeiten, wie es sich für einen Großkritiker gehört. Seitenlange Rezensionen über den späten Beethoven finden sich ebenso darin wie die Anekdote, dass er, J. K., wenn er im Konzert, im Theater oder in der Oper saß und ausnahmsweise einmal nicht darüber zu schreiben hatte, gleich in der ersten Pause zur Klofrau rannte, um wenigstens ihr zu sagen, wie er’s fand. Ausdrucksnotdurft könnte man das nennen.

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