Nach Chats mit Rammo-Sohn: Setzt sich Ferat Koçak im Innenausschuss für Clankriminalität ein?
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Ein Wahlplakat Koçaks für die Bundestagswahl 2025

© imago/Emmanuele Contini/IMAGO/Emmanuele Contini

Nach Chats mit Rammo-Sohn: Setzt sich Ferat Koçak im Innenausschuss für Clankriminalität ein?

Der Linkenabgeordnete Ferat Koçak schreibt privat mit Clanchef-Sohn Firas Rammo und bittet ihn, eine Rede von sich zu Clankriminalität zu posten. Wie tritt der Bundestagsabgeordnete im Innenausschuss auf?

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Auf offener Bühne setzt sich Ferat Koçak (Die Linke) gegen den Begriff Clankriminalität ein. Im Januar sagte er dazu im Bundestag: „Der Begriff ‚Clankriminalität‘ ist kein klar definierter Straftatbestand. Er ist ein politischer Kampfbegriff mit einer rassistischen Geschichte.“

Ausschnitte dieses Redebeitrags postete zu Wochenbeginn Firas Rammo auf Instagram. Zuvor war dessen Vater, Clanboss Issa Rammo, aus dessen deutsch-arabischer Großfamilie viele Mitglieder kriminell wurden, am Sonntag bei der Wahlparty der Linke Neukölln erschienen. Die Partei erklärte danach, sie hätte keine Verbindungen zu ihm. Daraufhin verbreitete Firas Rammo den Chat vom Februar, in dem Koçak darum bat: „Bruder hilf mir mal, das hier zu verbreiten.“ Also das Video seiner Rede über den Begriff Clankriminalität.

Nun steht Koçak wegen Kontakten zur Rammo-Familie in der Kritik. Wie ist der Abgeordnete sonst aufgetreten? Gibt es Hinweise auf eine Agenda? Im Innenausschuss, in dem Koçak seit Beginn dieser Legislaturperiode Mitglied ist, war man schon vorher vom Engagement des Abgeordneten irritiert.

Alexander Throm, innenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, erinnert sich vor allem an Koçaks Reden: „Von Anfang an hatte er im Plenum immer wieder provozierende Auftritte“, sagte Throm dem Tagesspiegel. „Da sprach er in seinen Reden immer von ,unseren Leuten’.“ Throm habe Koçak danach immer wieder gefragt, wen er damit meine, doch nie eine konkrete Antwort bekommen.

Mehrere Ausschussmitglieder erinnern sich an lange Fragenkataloge, die Koçak in nicht-öffentlichen Sitzungen vorgelesen habe. Diese sollten offenbar weniger dem Erkenntnisgewinn als der Darstellung eines Standpunktes dienen. Das sei unüblich – gerade in nicht-öffentlichen Sitzungen gelte das ungeschriebene Gesetz, dass man sich konstruktiv verhalte, heißt es.

Unerträglich, dass der mit uns im Innenausschuss sitzt.

Siegfried Walch, CSU

Rassismus als Kernthema

Der CSU-Abgeordnete Siegfried Walch bemerkte gegenüber dem Tagesspiegel, dass Kocak im Zusammenhang mit Kriminalfällen im Innenausschuss vor allem auf Rassismus und Stigmatisierung hingewiesen habe. Auch hier sei der Abgeordnete wenig konstruktiv aufgetreten. Walch erinnert es an die AfD.

Koçak ist der erste direkt gewählte Kandidat der Linken in einem westdeutschen Wahlkreis. Wegen Kritik an seinen Kontakten zum Rammo-Sohn kündigte Koçak an, sich vorerst zurückzuziehen. Die Parteispitze der Linken erklärte, sie warte auf weitere Informationen zu den Vorgängen rund um Koçak. Abgeordnete von SPD, Grünen, Union und der AfD forderten Koçaks Rücktritt.

Sicherheitsbedenken

„Unerträglich, dass der mit uns im Innenausschuss sitzt“, sagte Siegfried Walch im Bundestag mit Blick auf Koçak. Dabei meine er besonders dessen Kontakte in die organisierte Kriminalität, sagte Walch dem Tagesspiegel: „Im Innenausschuss hat er Zugang zu ganz speziellem Wissen. Da erstatten das BKA und die Nachrichtendienste detailliert Bericht, auch zu konkreten Fällen.“

Ob tatsächlich sicherheitsrelevante Informationen ans Clanmilieu weitergegeben worden seien, wisse er nicht, fügte Throm hinzu, sprach sich aber dafür aus, Koçak aus Sicherheitsgründen aus dem Innenausschuss abzuziehen. „Da liegt es jetzt an der Linksfraktion, sonst kann das keiner“, sagte Throm.

Koçak im Abgeordnetenhaus und Bundestag

Schon während seiner Zeit im Abgeordnetenhaus in Berlin, vor dem Bundestagsmandat, fiel Koçak mit Anfragen an die Berliner Verwaltung auf. So fragte er im Februar 2022 detaillierte Informationen zu Anti-Clan-Einsätzen bei der Berliner Polizei an. Er fragte nach Ort, Datum, Uhrzeit, eingesetzten Polizeieinheiten und sogar nach deren Waffen. Anfragen wie diese stellte Kocak gleich mehrfach. Im Bundestag stellte er eine Kleine Anfrage zu Clankriminalität.

Abgesehen von seinen Auftritten im Innenausschuss sei Koçak wenig aufgefallen, heißt es in Bundestagsbüros. Ein Grund dafür könnten Koçaks Fehlzeiten sein. Stand September 2026 besuchte Koçak nur 29 von 60 Abstimmungen im Bundestag. Auf eine Frage zu dem Thema auf Abgeordnetenwatch.de begründet Koçak dies mit einem anstrengenden Wahlkampf und persönlichen Schicksalsschlägen. Mehrfach erwähnte er psychische Probleme.

Nach einem rechtsextrem motivierten Brandanschlag auf Koçaks Auto vor dessen Elternhaus wurde der Linken-Politiker im Februar 2018 überregional bekannt. Die Täter setzten den Wagen in der Nacht in Brand. Die Flammen griffen auf den Carport und die Fassade über. Koçak wachte laut Medienberichten auf und begann zu löschen. Ein Feuerwehrmann sagte später, dass eine Gasleitung sehr knapp an den Flammen vorbeiführte. „Seitdem habe ich um die Zeit des Jahres immer schlaflose Nächte“, sagte Koçak in einer Rede im Januar dieses Jahres.

Trotz all der Kritik sehen viele Koçak abseits des Plenums jedoch als freundlichen Menschen, den man eben gelegentlich grüße, wie einen Nachbarn, den man nicht besonders gut kenne. Das bestätigt auch Siegfried Walch: „Das Gefühl, einen Agenten im Ausschuss zu haben, hatten wir nicht. Aber die Nachfragen nach konkretem Ermittlungshandeln erscheinen nun schon auch in einem anderen Licht.“

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