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„Diese Silbermedaille fühlt sich beschissener an“: Die deutschen Handballer sehnen schon jetzt die Revanche herbei
Silber schmerzt, doch es zeigt den Fortschritt: Das DHB-Team ist gereift, hungrig und bereit für mehr. Beim nächsten Turnier könnte es schon als Titelfavorit gelten – sagt zumindest die Konkurrenz.
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Silber reicht nicht mehr. Als die deutschen Handballer am Sonntagabend nach dem 27:34 gegen Dänemark in der Arena in Herning ihre Medaillen umgehängt bekamen, überwog nicht Stolz, sondern Enttäuschung. Und genau darin liegt die wichtigste Erkenntnis dieser Europameisterschaft: Deutschland ist den übermächtigen Dänen näher gekommen. Noch vor anderthalb Jahren schien Gold außer Reichweite. Heute ist die Erwartung eine andere.
„Diese Silbermedaille fühlt sich auf jeden Fall beschissener an als die bei Olympia“, sagt Marko Grgic offen. „Gerade im Moment natürlich. Irgendwann wird man mit Stolz zurückblicken, aber jetzt ist es einfach nur sehr enttäuschend.“ 2024 in Lille hatte Deutschland das Olympiafinale noch klar verloren (26:39), das Ergebnis damals relativierte vieles. Dieses Mal war lange das Gefühl da, dass mehr möglich gewesen wäre.
Bis rund zehn Minuten vor Schluss hielt Deutschland Anschluss. Dann kippte das Spiel – durch ein paar vergebene Chancen, kleine Fehler, Entscheidungen, die Grgic fassungslos zurückließen. „Ich verstehe das alles nicht. Es stinkt bis zum Himmel“, sagt er über Zeitstrafen und die Rote Karte gegen Jannik Kohlbacher. „Daran hat es nicht zu hundert Prozent gelegen. Klar, wir waren an Kleinigkeiten selber schuld.“ Genau diese Kleinigkeiten sind es, die im Weltklassehandball über Gold oder Silber entscheiden.
Stolz soll den Schmerz ablösen
Und doch ist dieses Finale ein weiterer Schritt nach vorn. Nils Lichtlein, Spielmacher der Füchse Berlin, bringt es auf den Punkt: „Noch ist der Schmerz tief, aber in Zukunft werden wir sehr stolz darauf sein können.“ Das Turnier habe gezeigt, „dass wir ein super Team haben. Das macht Lust auf mehr.“
Das macht mir ein bisschen Angst, dass sie nächstes Jahr den Heimvorteil haben. Die deutsche Mannschaft ist jetzt unser größter Gegner.
Mathias Gidsel, dänischer Nationalspieler und Welthandballer
Diese Lust speist sich aus einer Entwicklung, die auch die Konkurrenz wahrnimmt. Mathias Gidsel, Welthandballer und Leistungsträger der Dänen, sagt: „Das macht mir ein bisschen Angst, dass sie nächstes Jahr den Heimvorteil haben. Ich glaube, jetzt ist die deutsche Mannschaft unser größter Gegner.“ Respekt auf höchstem Niveau.
Auch Lukas Zerbe sieht den Abstand schrumpfen. „Wir können eigentlich jeden schlagen. Wir hätten auch die Dänen schlagen können“, findet er. Kurz nach dem Finale überwiege zwar die Enttäuschung, „weil wir eigentlich eine andere Farbe der Medaille haben wollten“. Doch das werde sich ändern. „Wenn man das Turnier Revue passieren lässt, war das überragend. Das war eine Mannschaftsleistung.“
Das deutsche Team lebt von seiner Breite – und von seinem Zusammenhalt. David Späth trug bei der Siegerehrung demonstrativ das Trikot von Justus Fischer, der das Finale wegen eines Infekts verpasst hatte. „Ohne ihn wären wir nicht hier, wo wir jetzt sind“, erklärt Späth. „Das war ein Symbol dafür, dass er immer bei uns ist.“ Späth selbst braucht Zeit, um das Silber einzuordnen. „Jetzt wird es langsam besser“, sagte er eine Stunde nach dem Spiel. „Aber wir wollten dieses Finale um jeden Preis gewinnen.“ Genau das müsse Motivation sein, „den Abstand zu Dänemark immer kleiner zu machen“.
Teammanager Benjamin Chatton sieht in der Enttäuschung einen Nährboden für die Zukunft. „Die Jungs haben wirklich daran geglaubt, dass sie etwas erreichen können. Das ist etwas Gutes“, sagt er. „Daraus kann man lernen, und das wird uns hoffentlich bei der Heim-WM mit den Fans im Rücken helfen, noch einen Schritt weiterzugehen.“ Noch vor zwei Wochen sei diese DHB-Auswahl der „Sargträger des deutschen Handballs“ gewesen, jetzt werde sie gefeiert. „So ist das im Sport.“
Trainer Gislason freut sich über die Entwicklung
Bundestrainer Alfred Gislason blickt ohnehin weniger auf das Ergebnis als auf den Prozess. „Die Entwicklung der Mannschaft freut mich noch mehr als die Silbermedaille“, sagt er. Deutschland sei eingespielter, stabiler, selbstbewusster geworden. „Die Jungs wollten dieses Spiel gewinnen. Und sie waren sehr nah dran.“

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Auch Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen spricht von einer „sehr jungen, sehr talentierten Mannschaft“, mit der man in den kommenden Jahren rechnen müsse. „Irgendwann werden sie anfangen, Finals zu gewinnen“, glaubt er. „Ich hoffe natürlich nicht gegen uns, aber es wird kommen.“
Die Entwicklung der Deutschen Mannschaft ist auch auch über die Hallen hinaus wahrgenommen worden. Das EM-Endspiel verfolgten im ZDF 12,822 Millionen Zuschauer, der Marktanteil lag bei 50,8 Prozent – besonders hoch war er in der jungen Zielgruppe. Handball hat in diesen Wochen ein Publikum erreicht, das sonst nicht selbstverständlich einschaltet.
Zwar endet die EM ohne Titel, aber mit einer klaren Perspektive. Renars Uscins spricht von einer Mannschaft, „die ganz lange zusammenspielen kann“. Grgic hofft, „dass das Jahr schnell vorbeigeht, damit wir ganz schnell bei der Heim-WM sind“. Dann, bei der WM 2027 in Deutschland, mit vollen Hallen, Rückenwind – und einer Mannschaft, die noch längst nicht am Ende ihrer Entwicklung ist.
Silber fühlt sich gerade schlecht an. Und genau das ist vielleicht das beste Zeichen.
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