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Hertha BSC zeigt sich trotzig: Die Berliner bezwingen Greuther Fürth mit 2:1
Die Berliner finden schwer ins Spiel und müssen sich gegen viele Widerstände behaupten. Am Ende feiern sie den ersten Heimsieg seit zwei Monaten.
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Michael Cuisance machte noch das Beste aus der Situation. Nachdem er aus aussichtsreicher Position den Abschluss mit seinem schwachen rechten Fuß verpasst hatte, drehte der Franzose noch eine Extrarunde, wand sich um seinen Gegenspieler und traf dann überlegt ins lange Eck. Das Olympiastadion jubelte.
Eine knappe halbe Stunde war zwischen Hertha BSC und Greuther Fürth vorüber, als Cuisance den ersten Torschuss für sein Team abgab und das vermeintliche 1:0 für Hertha erzielte. Doch der Treffer zählte nicht. Der Mittelfeldspieler des Berliner Fußball-Bundesligisten hatte zuvor – und das recht deutlich sogar – im Abseits gestanden.
Das Olympiastadion hatte zu früh gejubelt – und lange sah es so aus, als würde es keinen weiteren Grund zur Freude mehr geben. Die Berliner brachten gegen den Tabellenvorletzten wenig zustande, mussten zudem eine gute Stunde in Unterzahl spielen. Am Ende aber feierten sie einen etwas glücklichen 2:1 (0:0)-Erfolg und damit den ersten Heimsieg nach zwei Monaten.
Was die Jungs an Leidenschaft, Intensität und taktischer Disziplin gezeigt haben, war großartig.
Herthas Trainer Stefan Leitl
„Fußball ist manchmal nicht erklärbar“, sagte Herthas Trainer Stefan Leitl. „Was die Jungs an Leidenschaft, Intensität und taktischer Disziplin gezeigt haben, war großartig.“
Seine Mannschaft wehrte sich mit Kräften und verteidigte den knappen Vorsprung mit Mann und Maus. Toni Leistner, zehn Minuten vor Schluss eingewechselt, warf seinen Körper nach dem Anschlusstreffer der Fürther in jeden Schuss – so wie man es von ihm kennt. Dafür wurde er nach seinem letzten Heimspiel für Hertha von den Fans ausgiebig gefeiert.
Unter der Woche hatte der 35 Jahre alte Innenverteidiger erfahren, dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Gemeinsam mit Tim Hoffmann, Jeremy Dudziak, John Anthony Brooks und Diego Demme wurde er bereits 35 Minuten vor dem Anpfiff offiziell verabschiedet – allerdings nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Olympiastadion war zu diesem Zeitpunkt erst spärlich gefüllt.
Die große Würdigung erfuhr Leistner dann nach dem Schlusspfiff. Unter großem Jubel verkündete er über das Stadionmikrofon: „Berlin ist blau-weiß.“ Es war eine Anspielung auf seine Vergangenheit als Spieler des Lokalrivalen 1. FC Union, die Leistner zu Beginn bei Hertha einige Anfeindungen eingebracht hat. „Wenn man so empfangen wird bei einem Verein und so geht, kann man nicht so viel falsch gemacht haben“, sagte er nun.
Dass die Stimmung nach diesem Spiel so gelöst sein würde, war lange nicht absehbar. Vor 44.621 Zuschauern tat sich Hertha zunächst schwerer als erhofft. Trainer Leitl hatte seine Mannschaft nach der Niederlage in Magdeburg auf vier Positionen verändert. Julian Eitschberger, Niklas Kolbe sowie die zuletzt gesperrten Kennet Eichhorn und Paul Seguin rückten neu ins Team. Etwas überraschend saß Mittelstürmer Luca Schuler nur auf der Bank. Seinen Platz im zentralen Angriff nahm Marten Winkler ein.
Offensiv waren die Berliner zunächst komplett harmlos. Drei Minuten nach seinem Abseitstreffer brachte Cuisance tatsächlich einen Schuss aufs Fürther Tor – den ersten und letzten vor der Pause. Der Abstiegskandidat war nicht nur die fußballerisch gefälligere, sondern auch die gefährlichere Mannschaft.
Doch Fürth nutzte seine Gelegenheiten nicht. „Die Chancenverwertung war desaströs“, sagte Trainer Heiko Vogel. 27:8 lautete am Ende die Torschussbilanz – zugunsten der Gäste.
Spätestens nach einer halben Stunde schien alles für die Fürther zu laufen. Bei einem Konter der Gäste brachte Josip Brekalo seinen Gegenspieler Felix Klaus zu Fall. Weil der Kroate damit eine klare Torchance verhinderte, sah er von Schiedsrichter Michael Bacher die Rote Karte. Im elften Zweitligaeinsatz für die Berliner war es bereits die zweite.
Der Fintenkönig aus Brandenburg
Nach der Pause hatten die Berliner Glück, dass die Fürther weiterhin viel zu nachlässig mit ihren Chancen umgingen. Während Hertha gleich die erste Gelegenheit zur Führung nutzte. Bei einem Konter bediente Fabian Reese den mitgelaufenen Kennet Eichhorn, der unbehelligt auf das Tor zulief, mit einer Finte seinen letzten Gegenspieler ins Leere laufen ließ und zum 1:0 traf.
„Das hat er sehr cool gemacht“, sagte Herthas Sportdirektor Benjamin Weber. Von Vorbereiter Reese wurde Eichhorn gar zum „Fintenkönig aus Brandenburg“ geadelt, und Trainer Leitl sagte: „Ein unfassbares Tor.“ Es war das erste für den 16-Jährigen, der damit nun auch der jüngste Torschütze in der Geschichte der Zweiten Liga ist. „Welche Superlative wollen wir für den Jungen noch finden?“, fragte Leitl. „Er hat eine großartige Karriere vor sich. Ich hoffe, noch ein Jahr bei uns.“
Nach Herthas Führungstreffer blieb den akut abstiegsgefährdeten Fürthern noch genügend Zeit, doch die Berliner verteidigten den Vorsprung leidenschaftlich und schienen kurz vor Schluss endgültig alles klar zu machen, als Cuisance mit einem Schuss von der Strafraumgrenze in den Winkel das 2:0 erzielte.
Noel Futkeu aber machte es mit seinem 18. Saisontor zum 1:2 noch einmal spannend. Der Abstiegskandidat stürmte in den letzten Minuten mit dem Mute der Verzweiflung. Doch an Tjark Ernst im Tor und Toni Leistner davor kamen die Fürther an diesem Sonntag nicht mehr vorbei.
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