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Schicksalstag für Berlins Wissenschaft: Können die Unis erneut den Exzellenztitel erringen?
Am Mittwoch entscheidet sich, welche der bisherigen Exzellenzunis weiter gefördert werden. Dann geht es auch für die Berlin University Alliance um alles. Sie hatte einen holprigen Start, verweist jetzt aber auf viele Erfolge.
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Es geht um viel Geld, es geht um viel Prestige – und es geht um die Frage, ob die Berliner Unis nach all dem Kürzungselend endlich wieder mit einer positiven Erzählung von sich reden machen können. An diesem Mittwoch wird entschieden, welche Hochschulen in Deutschland ihren Exzellenztitel behalten dürfen. Mit dabei: die drei großen Berliner Universitäten.
Seit sieben Jahren dürfen sich die Freie Universität, die Humboldt-Universität, die Technische Universität und die Charité quasi im Kollektiv als „Exzellenzuni“ bezeichnen. Sie traten damals gemeinsam im Verbund als „Berlin University Alliance“ an: ein Novum in Deutschland, dass sich Hochschulen für den Wettbewerb zusammentun.
Jetzt steht auf dem Prüfstand, ob sie wirklich das erreicht haben, was sie damals versprochen haben – und ob sie eine Vision haben, die über die kommenden sieben Jahre trägt. Eines ist sicher: Würde den Berliner Unis der Titel entrissen, wäre das eine Katastrophe für die Stadt. Nicht nur, weil jährlich Millionen von Euro fehlen würden. Der Imageverlust wäre enorm.
Es geht um viele Millionen Euro
Vor der entscheidenden Sitzung am Mittwoch in Bonn sind aus den Unis allerdings optimistische Töne zu vernehmen. Schon vor kurzem hatte FU-Präsident Günter M. Ziegler, aktuell Sprecher der BUA, erklärt, er habe das Gefühl, die Gutachter konnten überzeugt werden, „dass wir mit der BUA ein sehr lebendiges und erfolgreiches Projekt auf die Beine gestellt haben, das läuft“.
Und auch jetzt sagt Ziegler: „Wir haben die Akteure im Berliner Wissenschaftsraum so zusammengebracht, dass Schwung in die Berliner Wissenschaftslandschaft gekommen ist und wir die Dinge mehr denn je gemeinschaftlich bewegen.“
Als im November besagte Gutachter:innen in die Stadt kamen und zwei Tage lang das Konzept eingehend prüften, soll das dem Vernehmen nach sehr gut verlaufen sein. Unter anderem hielt wohl die Präsidentin der Universität Oxford eine flammende Rede pro Berlin und erklärte, warum die Berlin University Alliance die wichtigste internationale institutionelle Partnerin der britischen Eliteuni sei.
Dabei startete die BUA eher zäh. Das Verhältnis gerade von FU und HU war Jahrzehnte von Konkurrenz und Missgunst geprägt. Das aus den Köpfen zu bekommen, war nicht einfach. Doch von dem anfänglichen Genörgel und Gelästere über die BUA ist inzwischen kaum noch etwas zu hören.
Die große Frage an die BUA lautete zu Beginn: Sind die wirklich gemeinsam unterwegs oder ist das nur ein Zweckbündnis, das Geld abgreifen will?
Aus Zieglers Sicht ist die Frage eindeutig beantwortet: „Heute machen wir die Strategieentwicklung für den Wissenschafts- und Innovationsstandort Berlin gemeinsam. Das war so vor einigen Jahren nicht denkbar. Wir sind wie nie zuvor in der Lage, durch die starke Partnerschaft zwischen FU, HU, TU und Charité eine Zukunftsmission für Berlin zu formulieren. Da hätte man früher gar nicht gewusst, wen man ansprechen sollte.“
Und auch auf einer etwas konkreteren Ebene verweist er auf zahlreiche Erfolge. Einige Beispiele: Für junge Forschende gibt es inzwischen eine gemeinsame Postdoc-Akademie. Das Thema Transfer – Stichwort: Start-up-Metropole Berlin – hat sich die Allianz auf die Fahnen geschrieben. Dass Berlin dafür in letzter Zeit Millionenförderungen einwerben konnte, ist auch ihr Verdienst. Berlin gilt deutschlandweit als eines der führenden Zentren, wenn es um die Qualitätssicherung in der Wissenschaft geht.
Ob Medizin oder Mathematik, Quantenphysik oder Sozialwissenschaften: In vielen Bereichen spielt die Berliner Wissenschaft international mit. Als im vergangenen Jahr in der Exzellenzinitiative „Forschungscluster“ vergeben wurden, sah Berlin allerdings nicht gut aus – ein Rückschlag. Ob das und die Kürzungen des Landes eine Rolle spielen, wird sich am Mittwoch zeigen.
Parallelen zur Zukunftsagenda des Wissenschaftsrats
Als ermutigendes Zeichen wertet man bei der BUA, dass ein jüngst veröffentlichtes Grundsatzpapier des Wissenschaftsrats zur Zukunftsagenda des deutschen Wissenschaftssystems für das Jahr 2040 viele Parallelen zu den Berliner Zielen aufweise. „Das ist kein Zufall, dass beides in dieselbe Richtung geht“, sagt Martin Mann, seit Januar 2026 Geschäftsführer der BUA. „Etwa wenn es darum geht, Innovationsökosysteme zu stärken oder kostenintensive Infrastrukturen standortübergreifend zu betreiben.“
Gerade letzteres mag auf Außenstehende zwar sperrig und auch selbstverständlich klingen: Warum sollten sich Unis nicht gemeinsam teure Hochleistungsgeräte anschaffen und nutzen? Doch in der Praxis gibt es – typisch deutsch – hohe rechtliche und steuerliche Hürden, die das oft verhindern.
Die BUA hat hier ein Modell gefunden, das das möglich macht, ohne jedes Mal alle administrativen Fragen von Neuem klären zu müssen.. Gerade erst haben die BUA-Partnerinnen gemeinsam ein hochmodernes Massenspektrometer angeschafft, das Proteine in bisher unerreichter Geschwindigkeit und Tiefe analysieren kann. Geplant ist zum Beispiel, gemeinsam substanziell in Rechenpower für KI zu investieren, um den Standort Berlin hier konkurrenzfähig zu machen.
Die Widerstandsfähigkeit des Wissenschaftssystems in demokratisch unruhigen Zeiten zu stärken, will die BUA ebenfalls vorantreiben. Sollte sie erneut gefördert werden, will sie ein „Observatory of Academic Freedom“ einrichten. Das soll die Anfechtungen der Wissenschaft weltweit analysieren.
„Wir sind keine Insel“, sagt Ziegler. „Der Druck auf Demokratien wächst weltweit und damit auch auf die Freiheit der Wissenschaft. Wir haben hier einen klaren Auftrag: die Resilienz der demokratischen Gesellschaft zu schützen und zu stärken.“
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