Fiat Punto Evo: Sparen ohne Rücksicht - DER SPIEGEL
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Fiat Punto Evo Sparen ohne Rücksicht

Kürzlich modernisierte Fiat den Kleinwagen Grande Punto. Damit das der Kundschaft auch auffällt, erhielt das Auto nicht nur schräge Bezeichnungen für die Lacke, sondern gleich einen neuen Namen: Punto Evo. Allerdings bleibt bei dem Wagen die Rücksicht auf der Strecke.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?
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Fiat Punto Evo: Frisch frisiert

Was soll man von einem Auto halten, das in den Farbtönen "Rock'n'Roll Blau", "Unplugged Grün", "Progressive Black" oder "Techhouse Grau" angeboten wird? Nun, das Auto kann sich ja nicht wehren gegen die schillernde Phantasie der Marketingleute, und glücklicherweise steht der Name der Farbe ja auch nirgendwo drauf. In "Easy Listening White" jedenfalls - dem hellen Metallic-Farbton unseres Testwagens, sieht der neue Fiat Punto Evo richtig gut aus.

Denn natürlich wurde, wie zu solchen Anlässen üblich, die Karosserieoptik des Autos modernisiert. Die Frontpartie mit der großen Chromspange, den hübsch modellierten Scheinwerfern mit integriertem Tagfahrlicht und dem dunklen Stoßfänger, der an seinen Enden die Blinker umfasst, wirkt jetzt straffer und bulliger; am Heck sitzt nun ebenfalls ein neu gestalteter Heckfänger, und bei Dunkelheit fallen die Rückleuchten auf, die die Form einer Klammer bilden und die Heckscheibe mit Rotlicht einrahmen.

In technischer Hinsicht erhielt der Punto Evo zum einen eine erweiterte Sicherheitsausstattung, die nun bei allen Modellvarianten ab Werk sieben Airbags, ESP und eine Berganfahrhilfe umfasst. Zudem gibt es für den Wagen die neuen 1,4-Liter-Benzinmotoren mit Multiair-Einspritztechnik; das neue System mit einer elektrohydraulischen Steuerung der Einlassventile kommt damit erstmals auch bei Fiat zum Einsatz, nachdem es zunächst im Alfa Romeo Mito debütierte. Uns interessierte jedoch der neue Dieselmotor noch ein bisschen mehr, denn im 1,3-Liter-Vierzylinder-Aggregat debütiert die zweite Generation der sogenannten Multijet-Einspritzung zum Einsatz.

Den 1,3-Liter-Selbstzünder gibt es in zwei Leistungsstufen, mit 75 und 95 PS, die sich konstruktiv vor allem durch die Bauart des Turboladers unterscheiden. Im schwächeren Motor sind die Schaufelräder fest, im stärkeren Aggregat variabel angebracht. In unserem Testauto steckte der etwas potentere Motor, dessen Steckbrief sich recht eindrucksvoll liest. Aus 1,3 Liter Hubraum schöpft die Maschine die schon erwähnten 95 PS, dazu ein maximales Drehmoment von 200 Nm und beschleunigt den Kleinwagen in 11,7 Sekunden auf Tempo 100. Als Spitzengeschwindigkeit sind 178 km/h möglich, der Durchschnittsverbrauch liegt bei 4,2 Liter und der CO2-Ausstoß bei 110 Gramm je Kilometer.

Zum 95-PS-Dieselmotor gibt es eine Start-Stopp-Automatik

Serienmäßig verbaut werden auch ein Rußpartikelfilter sowie eine Start-Stopp-Automatik, die den Motor bei Stillstand und ausgekuppeltem Getriebe abschaltet und beim Treten der Kupplung rasch wieder anwirft. Das spart Sprit im Stadtverkehr - und Autos wie der Punto Evo werden im unrhythmischen Hin und Her zwischen Ampelstopps und Vorfahrt-achten-Schildern ja vornehmlich bewegt. Die neue Einspritzung, die mit Drücken von bis zu 1600 bar den Kraftstoff in die Zylinder injiziert, hilft ebenfalls beim Senken des Verbrauchs. Und sie reduziert die Stickstoff-Emissionen um etwa ein Drittel und sorgt parallel für mehr Leistung und Drehmoment.

Als Fahrer muss man das nicht wissen - wen interessieren schon die Feinheiten des Motorenbaus. Jedoch merkt man rasch, dass der neue Punto Evo mit dem 1,3-Liter-Diesel ein munterer Kleinwagen ist, der vergleichsweise ruhig und vibrationsarm unterwegs ist und an der Tankstelle keine böse Überraschung bereithält.

Am meisten jedoch trifft der neue Namenszusatz Evo auf den Innenraum zu. Vor gar nicht allzu langer Zeit noch waren Fiat-Modelle eher lieblos eingerichtete Autos mit Materialien, um die offensichtlich kein großes Aufheben gemacht wurde. Das ist seit einer Weile völlig anders, und der Punto Evo setzt diese angenehme Entwicklung fort. Das Lenkrad ist prima geformt, das Cockpit mit erkennbarer Verve gestaltet, die Sitze sehen gut aus und bieten ordentlichen Halt und die Oberfläche der Armaturentafel sowie die Schalter und Tasten zur Bedienung von Radio und Klimaanlage wirken fein und ansehnlich. Damit reiht sich der Punto Evo problemlos zwischen Kleinwagen wie VW Polo, Opel Corsa oder Ford Fiesta ein, die inzwischen allesamt sehr überzeugend ausstaffiert sind.

Eingeschränkte Rücksicht und teurer Metallic-Lack

Die alten Fiat-Macken hat der Wagen also abgelegt, dafür krankt er an einer neueren Schwäche der Typen aus Turin, und das ist die Sicht nach hinten. Die ist nämlich ziemlich miserabel, und das bedeutet beispielsweise beim Rechtsabbiegen in der Stadt - mit heranstrampelnden Radfahrern und eiligen Fußgängern - ein stetes Risiko, irgendetwas von schräg hinten Herankommendes zu übersehen.

Fiat versucht, mit dem neuen Punto Evo auch nach dem Boom der Abwrackprämie den monetären Kaufanreiz so groß wie möglich zu machen. So beginnt die Preisliste des runderneuerten Modells bei 11.550 Euro - und damit exakt beim Betrag des bisherigen Grande Punto. Dieser wird übrigens weiter angeboten - unter dem Namen Grande Punto Actual - zum Preis ab 9990 Euro. Die eingangs erwähnten Metallic-Lacke gibt es übrigens nur für den neuen Punto Evo, und sie kosten je 500 Euro Aufpreis.