Geister, Teddys, Joseph Beuys: So schön kritzeln die Leser - DER SPIEGEL
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Geister, Teddys, Joseph Beuys So schön kritzeln die Leser

Die Kollegen schütteln den Kopf, der Chef schimpft - Kritzelkünstler haben es im Büro oft nicht leicht. Dabei hilft das Zeichnen beim Konzentrieren und sieht im besten Fall auch noch schön aus. So wie die Kritzelbilder der SPIEGEL-ONLINE-Leser.
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Tom Näke ist chemisch-technischer Assistent. Das Kritzelbild entstand während seiner Ausbildung im Unterricht. Näke hat mehrere Wochen daran gemalt - wenn ihm langweilig war oder er keine Lust hatte, mit seinen Sitznachbarn zu reden. Er zählt zu den Kritzelkünstlern, die ihre Nebenbei-Kunstwerke an die SPIEGEL-ONLINE-Redaktion schickten. 

Foto: Tom Näke
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Roman Jonsson ist Werbetexter - und begeisterter Meeting-Kritzler. "In meinem Job kritzele ich oft. Obwohl...eigentlich immer", schreibt er. "Meistens fängt es so an, dass ich ein Wort aufschreibe, das mich gerade beschäftigt. Dann male ich an einzelnen Buchstaben herum. Irgendwann brechen dann alle Dämme, und es kommen Figuren hinzu." Was die Figuren auf dem Blatt treiben, hänge von seiner Tageslaune ab. Bei diesem Bild ist zumindest der Elch auf dem Trampolin gut drauf...

Foto: Jonsson
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Daniel Jennwein ist freiberuflicher Grafikdesigner und Illustrator. Das Bild kritzelte er während eines Telefonats.

Foto: Daniel Jennewein
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Krankenpfleger Kai Heinrich hat einen ganzen Schuhkarton voll kleiner bemalter Zettel. Diese Kritzelei ist allerdings gar nicht von ihm, sondern von einem Arzt. "Er telefonierte im Büro der Intensivstation und kratzte unbewusst, aber energisch, mit dem Bleistift dieses Bildchen", erzählt Heinrich. In der Kritzelei erkannte er das Kreuz in der Mitte: Es sieht aus wie jenes, das Ärzte im Todesfall neben die Uhrzeit in die Patientenakte eintragen. Tatsächlich hatte der Arzt wenige Minuten vorher einen Patienten nach vier misslungenen Wiederbelebungsversuchen verloren. Heinrich nahm das Kritzelbild an sich - und verwahrt es seitdem im Schuhkarton.

Foto: Kai Heinrich
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Nager nach der Arbeit: Dieses possierliche Tierchen hat Achim Küchler nach Feierabend gekritzelt - bei einem Elternabend.

Foto: Achim Küchler
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Blümchen für zwischendurch: Anja Geinitz arbeitet in einer Zulassungsstelle. "Sobald ich nur eine Minute Leerlauf habe, fange ich an zu kritzeln", sagt sie. Die Blumenranke habe sie in fünf Minuten gezeichnet, "zwischen zwei Kunden".

Foto: Anja Geinitz
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Kritzelnd zum Doktortitel: Dirk Aporius promoviert an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg zum Thema "Telemedizinische Schlaganfallakutversorgung in ländlichen Regionen". Die Kritzelei entstand während eines Einführungskurses in das grafische Programmiersystem LabView, das für viele Forschungsarbeiten genutzt wird. "Ich glaube, es sagt nicht viel über mich aus - außer, dass ich in diesem Moment akut gelangweilt war und meine Stärken nicht im Bereich der bildlichen Darstellung von Wesen und Sachen liegen", schreibt er.

Foto: Dirk Aporius
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Kugelschreiber auf Pappe: Kim-Sophie Haas ist Studentin. Sie kritzelt in Seminaren oder Vorlesungen, am liebsten auf die Rückseite von Blöcken oder Ordnerinnenseiten.

Foto: Kim-Sophie Haas
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Dieser Kritzler möchte lieber anonym bleiben. Er verrät nur so viel: Das Bild entstand während einer dreistündigen Besprechung.

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Rettungsring aus Strichen: Jan Gabriel, Verkaufsleiter in Paris, ist seit seiner Schulzeit begeisterter Kritzler. "Meine Aufmerksamkeitsspanne ist sehr kurz", sagt er. "Das Kritzeln ist wie ein Rettungsring - die Zeit vergeht schneller, und ich bin, wahrscheinlich oder hoffentlich, aufmerksamer. Oder halt nicht!"

Foto: Jan Gabriel
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Auch dieser Kritzler möchte seinen Namen nicht nennen. "Meine Kritzelei stieß schon mehrmals auf Unverständnis, wird aber inzwischen geduldet", schreibt er dazu. Seine Meeting-Kritzeleien fotografiert er mit seinem Handy und bearbeitet sie dann mit der Photoshop-App: "Natürlich während des Meetings, sonst zählt es nicht."

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Horst Junker kennt sich mit Kunstwerken aus: Er ist von Beruf Kurator. Dieses Bild hat er während eines Vortrags gekritzelt.

Foto: Horst Junker
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Kritzelkunst in drei Schritten: Ingo Schandeler unterrichtet an der Universität Luxemburg. Er kritzelt bei Vorträgen, scannt die Bilder zu Hause und bearbeitet sie dann am Computer. Dieses Kritzelkunstwerk entstand während eines Vortrags über Joseph Beuys, gehalten von seinem Meisterschüler Johannes Stüttgen. Schandeler hat in das Bild ein Foto von Stüttgen eingefügt.

Foto: Ingo Schandeler
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Maral Mihankhah ist Grafikerin und Webdesignerin. Die Leidenschaft fürs Kritzeln habe sie wohl von ihrer Mutter geerbt, sagt sie: "Ich habe schon immer nebenbei gezeichnet, in der Schule, beim Telefonieren, bei Meetings - wie meine Mama." Mihankhah zeichnet sehr gern morgens in der S-Bahn: "Ich habe das Gefühl, die Gedanken unbewusst aufs Papier zu bringen und sie damit loszuwerden. Danach fühle ich mich leichter."

Foto: Maral Mihankhah
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Nina Cording arbeitet freiberuflich als Flash-Programmiererin und kritzelt regelmäßig bei der Arbeit. "In unserer Branche wird das auch durchaus toleriert", schreibt sie. "Nur den ein oder anderen BWLer oder Nicht-Kreativen befremdet das manchmal."

Foto: Nina Cording
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Wenn Konfirmanden gedankenverloren im Unterricht zeichnen, bekommen sie oft Ärger. Bei Pastor Friedhelm Feldkamp nicht. Er hat dafür viel Verständnis, denn er zeichnet in der Petruskirchengemeinde in Barsinghausen bei Hannover nebenher, zum Beispiel bei Sitzungen des Kirchenkreises, Besprechungen mit Gemeindemitgliedern, Konfirmandenfreizeiten. Weitere Bilder des zeichnenden Pastors und anderer Konferenzkritzler finden Sie hier. mehr...

Foto: Friedhelm Feldkamp
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?