Minentaucher: Ruhige Hände, klarer Kopf, gute Ausdauer - DER SPIEGEL
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Minentaucher: Ruhige Hände, klarer Kopf, gute Ausdauer

Foto: Christian Charisius/ dpa

Minentaucher Ruhige Hände, klarer Kopf, gute Ausdauer

Bei der Marine ist es ein anstrengender und explosiver Job: Minentaucher beseitigen und entschärfen Sprengkörper. Gerade trainieren sie beim weltgrößten Manöver "Sandy Beach" nahe Eckernförde. Dass es kaum Nachwuchs gibt, liegt an der harten Ausbildung und schlechten Bezahlung.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ein bisschen sieht Brian Schlüter wie ein Astronaut aus, wenn er in seinem überdimensionierten Schutzanzug über die stillgelegte Hafenanlage in Olpenitz bei Kappeln an der Ostsee tapst. Die dicken Protektoren aus Kunststoff machen jeden Schritt zum Kraftakt, und wenn er nicht ab und zu sein Lüftungssystem anknipsen würde, beschlüge vor lauter Anstrengung die Scheibe seines Helms.

Schlüter, 31, läuft so schwer beladen durch die Gegend, weil er Minentaucher ist. Zusammen mit 150 Kollegen aus neun Ländern nimmt er gerade am Manöver "Sandy Beach" teil. Während der dreiwöchigen Übung vertiefen die Minentaucher in der Gegend um den Marine-Stützpunkt Eckernförde ihr Handwerk.

Kampfmittelbeseitigung heißt ihre Kernaufgabe in der Militärsprache: Sie suchen zum Beispiel Munition aus Kriegen, Land- oder Wasserminen, aber auch improvisierte Sprengsätze von Terroristen, und entschärfen sie. Weil dabei auch mal etwas schief gehen kann, trägt Schlüter den schweren Anzug zum Schutz vor Explosionen.

50 Meter tauchen ist eine der Anforderungen

Die Minentaucher sind eine Art Lebensversicherung für ihre Kameraden. Sie kontrollieren Gebiete im Wasser und an Land auf Sprengkörper und bahnen so nachrückenden Truppen den Weg. Sie brauchen ruhige Hände, einen klaren Kopf und gute Ausdauer - Fähigkeiten, die während einer vierjährigen Ausbildung geschult werden. Die Hürden auf dem Weg zum Minentaucher sind hoch. Viele scheitern unterwegs, wenn sie ohne Hilfsmittel unter anderem zwei Minuten am Stück unter Wasser bleiben oder 50 Meter tauchen müssen.

Auch deshalb plagt sich die Minentaucher-Kompanie in Eckernförde seit Jahren mit Nachwuchsproblemen herum. Mario Fink, Dienstgrad Kapitänleutnant, ist seit zwei Jahren Chef der Kompanie. "Es gibt ein Mentalitätsproblem in der heutigen Generation, die Jungen sind bequemer geworden als noch vor zehn Jahren", sagt der kleine Mann mit dem stechenden Blick.

Er will nicht genau sagen, wie viele Leute seiner Kompanie fehlen, spricht von einer "zweistelligen Prozentzahl" und einer "äußerst angespannten Situation". Den Auftrag könne er aber weiterhin erfüllen, versichert Fink. Dazu gehört zum Beispiel, Minentaucher nach Afghanistan oder zur Operation Atalanta, der Piratenbekämpfung im Golf von Aden, zu schicken.

Wenig Geld nach langer, harter Ausbildung

Brian Schlüter ist seit 2004 bei den Minentauchern. Er sieht nicht etwa die hohen Anforderungen als Hauptgrund für die Nachwuchssorgen seiner Kompanie. Es fehle eindeutig an finanziellen Anreizen, die harte und lange Ausbildung auf sich zu nehmen, sagt Schlüter.

Minentaucher erhalten, wie alle Soldaten, ihren Sold je nach Dienstgrad. Hinzu kommen können verschiedene Zulagen - schon seit Jahren kämpfen Minentaucher für eine höhere Erschwerniszulage, vor allem wegen der Risiken, die mit ihrem Beruf verbunden sind. Dazu gab es bereits eine Petition an den Bundestag, und die Zulagen-Erhöhung taucht auch immer wieder in den Jahresberichten des Wehrbeauftragten auf. Nur getan hat sich auf dem Konto der Taucher bisher: nichts.

"Es fehlt uns halt an einer politischen Lobby, wir sind zu wenig bekannt", sagt Brian Schlüter. Er mache seine Arbeit trotzdem gern, sei stolz darauf. Aber die mangelnde finanzielle Anerkennung wurmt ihn. "Allein gelassen" fühle er sich, so Schlüter.

Auch Kapitänleutnant Fink weiß, dass seine Männer zu wenig verdienen und es so noch schwieriger ist, den Wettbewerb um die besten Leute gegen andere Bundeswehr-Teile oder auch gegen die Feuerwehr und die Polizei zu gewinnen. Den einen oder anderen Bewerber mehr würde ein besserer Sold schon locken, sagt Fink. "Und wir sind auf einem guten Weg, die Erhöhung zu erhalten. Ich rechne noch dieses Jahr damit."

Dominic Wirth, dapd/jol