9/11-Memorial: Die Ruinen kehren zurück - DER SPIEGEL
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9/11-Memorial Die Ruinen kehren zurück

Spektakuläres Zeichen des Gedenkens: Zwei kolossale Fassadensäulen des alten World Trade Centers kommen an ihren alten Platz zurück. Die gespenstische Silhouette wird der Blickfang des geplanten 9/11-Museums, soll Stärke und Standhaftigkeit demonstrieren - und Hoffnung geben.
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Ortstermin am Schauplatz des Terrors. Tief unten in der Grube von Ground Zero, zwischen dröhnenden Presslufthämmern und gigantischen Baukränen, rohem Beton und tiefen Schlammpfützen, erinnert wenig an jenen Tag vor fast sieben Jahren.

Alles wirkt wie eine normale Großbaustelle: hektisch, laut, nur eben 30 Meter unterhalb der Straße. Arbeiter brüllen. Trucks wälzen sich durchs organisierte Chaos, aus dem mit langer Verspätung nun endlich der Freedom Tower und das neue World Trade Center wachsen.

Von weit oben lugen Touristen durch den Zaun, wie Spielzeugfiguren. Der Blick geht über die Stützwände der wasserdichten "Wanne", die das Areal vor den Fluten des Hudson Rivers schützt und in der bereits die halbfertigen Fundamente der neuen Wolkenkratzer ruhen. Überall Gerüste, Schilder, Rohre, bunte Container. In der Mitte der Baugrube - unweit der Stelle, an der im April der Papst zum Gebet kniete - liegen Dutzende Stahlträger gestapelt.

Diese Stahlträger sind die ersten sichtbaren Bestandteile der Gedenkstätte, die hier jetzt entsteht: als begehbares Mahnmal an den Horror des 11. Septembers 2001. Das markanteste Design-Merkmal waren bisher die zwei Reflektionsteiche mit Wasserfällen, in den "Fußabdrücken" der früheren Twin Towers.

Nun ist aber, wenn zunächst auch nur auf Papier und im Computer, ein weiterer, markanterer Blickfang hinzugekommen: zwei kolossale Fassadensäulen des alten World Trade Centers. Sie gehören zu den letzten noch verbliebenen Ruinen von damals und sollen das Atrium der Gedenkstätte flankieren.

Diese tonnenschweren Stahlsäulen stammen von der Nordfassade des Nordturmes und münden nach oben in die bekannten WTC-Spitzbögen. Sie würden einen "sofortigen visuellen Bezug" zu den Twin Towers herstellen - so erklärt es die Architekturfirma Snøhetta bei der Vorstellung des Entwurfs für den Museumspavillon. "Sie werden Stärke, Standhaftigkeit, Stabilität, Überleben und Hoffnung vermitteln."

Gespenstische Silhouette

"Dieser Ort ist Geschichte", sagte Snøhetta-Direktor Craig Dykers, als er das Modell dazu präsentierte, bei einem Frühstücksempfang 52 Etagen über Ground Zero, im ersten dort neugebauten Skyscraper namens 7 World Trade Center. "Er kann neues Leben erhalten."

Der dreistöckige, 80 Millionen Dollar teure Museumsbau, der als Pforte zu dem Open-Air-Memorial und seiner unterirdischen Ausstellungsfläche dienen soll, war seit 2004 immer wieder umgestaltet worden. Am Ende setzte sich nun die Einsicht durch, dass die beste Reverenz an die Stätte das Original ist - also ein echter Teil der ursprünglichen WTC-Architektur des Japaners Minoru Yamasaki.

Die gespenstische Silhouette der Säulen verblieb nach 9/11 monatelang an Ground Zero, als vielfotografiertes Symbol der Zerstörung. Seit Abschluss der Räumarbeiten werden die Ruinen in einem Flugzeughangar am John-F.-Kennedy-Flughafen gelagert.

Auch die Fassade des hellen Pavillons soll ans World Trade Center erinnern, mit Paneelen aus Aluminium oder, so es das Budget erlaubt, rostfreiem Stahl. Die Eingangshalle führt über eine Originaltreppe aus der einstigen WTC-Einkaufspassage - die "Survivor Stairs", über die sich viele Menschen retteten - hinab zur Gedenkstätte, 20 Meter unter der Erde. Dort können die jährlich erwarteten zwei Millionen Besucher auch Teile der erhaltenen Betonwand bestaunen, die die Fundamente der Türme damals umgeben hatte. Ein separater, privater Ruheraum ist für die Familien der Opfer gedacht.

Hinter dem Terminplan

Der Außenbereich des Memorials soll bis zum zehnten Jahrestag von 9/11 im Jahr 2011 eröffnen, der Pavillon selbst 2012 fertig sein. Vieles an diesem Zeitplan ist jedoch noch unklar. Die New Yorker Hafenbehörde Port Authority (PA), die das Gelände besitzt, hatte erst kürzlich zugegeben, dass sie mit den Bauvorhaben an Ground Zero um rund ein Jahr und mehrere Milliarden Dollar hinter dem Terminplan hinterher hinkt. Bis Ende September will sie nun neue Daten vorlegen.

Das Memorial finanziert sich weitgehend aus Spenden. Gedenkstättenchef Joe Daniels sagte, das erste Kapitalziel von 350 Millionen Dollar sei erreicht, durch mehr als 80.000 Einzelspenden. 400 junge Eichen, die das Areal als eine Art Memorial-Wald begrünen sollen, warten bereits in New Jersey darauf, umgepflanzt zu werden.

Die zuständige Entwicklungsgesellschaft LMDC versuchte gestern, Kritik an der Verzögerung der Bauarbeiten abzuwiegeln. Ground Zero habe sich als planerische "Herausforderung" erwiesen, sagte der LMDC-Vorsitzender Avi Schick. Doch dürfe das nicht vom bisherigen Fortschritt ablenken.

"Der Wiederaufbau von Lower Manhattan", sagte Janno Lieber, der Präsident der Baufirma World Trade Center Properties, "ist eine der beachtlichsten Episoden in der Geschichte dieser Stadt."