Neue US-Touristenattraktion Dem Walhai ins Auge sehen
Es hat etwas von einer Kulisse für den Horrorfilm "Der weiße Hai". Sechs Schnorchler ziehen durch das Wasser, knapp unter der Oberfläche schwimmend bestaunen sie die interessanten Fische, die um sie herumwirbeln. Alles ist friedlich, bis ein riesiger Körper aus dem Tiefen Blau auftaucht. Ein Walhai, die größte noch lebende Fischart.
Die Tiere, deren Art mehr als 20 Tonnen Körpergewicht erreichen kann, sind in einem Aquarium in Georgia nicht mehr nur wissenschaftliches Anschauungsobjekt, sondern eine erlebbare Touristenattraktion. Im größten Aquarium der Welt können Besucher seit einigen Tagen täglich abtauchen in die künstlich geschaffene Lebenswelt von Rochen, Hammerhaien und Zackenbarschen. Nach Angaben des Veranstalters ist es das einzige Becken außerhalb Asiens, in dem Walhaie gehalten werden.
Dass man beim Tauchgang oder beim Schnorcheln auf Walhaie trifft, ist fast nicht zu vermeiden: Die riesigen Meeresbewohner scheinen ebenso fasziniert von ihren Gästen zu sein - und schieben immer wieder ihre großen Körper an den Tauchern und Schnorchlern vorbei. Während der "Weiße Hai" sich im Film durch das Verschlingen von Surfern, Tauchern und Badegästen Respekt verschafft hat, gilt der Walhai als für Menschen ungefährlich. Er ernährt sich vorrangig von Plankton, das er aus dem Wasser herausfiltert.
Verständnis für "zahme Giganten"
Seit dem 8. Juni gibt es die Aktion "Swim with Gentle Giants" - "Schwimmen mit zahmen Giganten" - und das Programm ist schon jetzt reichlich ausgebucht. 1500 Anmeldungen gab es nach Auskunft der Organisatoren schon vor dem Start. Sechs Schnorchler und sechs Taucher dürfen sich täglich in das 24 Millionen Liter große Becken begeben. Bevor es ins Wasser geht, gibt es genaue Anweisungen: Keine Tiere anfassen, immer in einer Reihe schwimmen und dem Guide auf den Flossen bleiben. Der Ausflug ist nicht ganz billig: Schnorchler zahlen 120 Euro, Taucher 185 Euro.
Die Initiatoren sehen den Tauchgang im Haifischbecken nicht als Effekthascherei oder besondere Form des Nervenkitzels. Vielmehr wolle man die Möglichkeit bieten, ein besseres Verständnis für die Tierwelt unter Wasser zu fördern, sagt Bruce Carlson, Chef-Wissenschaftler des Aquariums. "Ein Taucherlebnis ist der ultimative Weg, Menschen und Tiere zusammenzubringen", erklärt er.
Experten melden Zweifel an
Allerdings gibt es auch Kritik an dem Projekt. Baumelnde Beine und neugierige Touristen könnten nach Ansicht von Experten die Walhaie und andere Tiere in dem Becken überfordern. "Es besteht die Möglichkeit, dass diese Tiere gestresst werden durch die wachsende Zahl der Menschen in ihrer Umgebung", sagt Lori Marino, Biologe von der Emory Universität. "Nicht nur die physische Gesundheit, auch ihre mentale Verfassung kann beeinträchtigt werden. Und wir wissen nicht, wie stark dieser Stress sich auswirkt und wie die Tiere irgendwann darauf reagieren."
Das Becken ist eines der wenigen künstlichen Aquarien weltweit, in denen überhaupt Walhaie gehalten werden. Es wurde zu wissenschaftlichen Zwecken im Jahr 2005 eröffnet. Unter Wissenschaftlern hat sich die Einrichtung schnell einen Namen gemacht, dank tauchender Wissenschaftler, die viele Stunden unter Wasser mit Ernährungs- und Verhaltensstudien verbracht haben.
Aquariumswissenschaftler Carlson hat für das Touristenprogramm jedenfalls grünes Licht gegeben. Bisher hätten tauchende Menschen keine Auswirkungen auf das Verhalten der Walhaie gehabt. Seit der Gründung des Aquariums im Jahr 2005 seien zwei Wale gestorben.
Eine Skepsis anderer Art hat Krista Massey. Mit einem mulmigen Gefühl betritt sie das Becken. "Hier gibt es schließlich auch Hammerkopfhaie", sagt sie. "Es gibt viele Raubtiere, vor denen man in seinem ganzen Leben Angst hatte - und plötzlich bist du mitten unter ihnen."
Greg Bluestein, AP