Lexikon der Freundschafts-Typen Miteinander feiern, weinen, schlafen
Mancher Freund eignet sich besonders gut für harte Partys, aber Geld leiht man ihm besser nicht. Wieder andere lästern sicher auch über dich - aber das tun sie ja bei allen, und dann ist es auch nur halb so schlimm. Manche bleiben stets gefährlich, einige sind schwer zu fassen - aber wenn sie erst mal da sind, will man sie gar nicht mehr loslassen.
Das Jugendmagazin "Spiesser" zeigt, welche Freundes-Typen es gibt, und erklärt, auf welche man sich in welcher Lage blind verlassen sollte - und auf welche besser nicht. Klicken Sie auf Bilder oder Überschriften zum Weiterlesen.
Die beste Freundin - Nächtelanges Reden über das andere Geschlecht
Beste Freunde: Die wichtigste Qualität ist entwaffnende Ehrlichkeit
Foto: Frank GrätzMit einem besten Freund ist es wie in einer guten Ehe. Er ist da, wenn man eine Schulter zum Ausweinen braucht und weiß genau, wie er uns aufheitern kann. Vor einem besten Freund hat man keine Geheimnisse und selbst nach einem heftigen Streit verträgt man sich schnell wieder. Meine beste Freundin Lisa und ich haben uns in der fünften Klasse kennengelernt und gehen seit sechs Jahren durch dick und dünn. Ein Leben ohne die andere können wir uns kaum vorstellen. Zusammen diskutieren wir über alles und jeden und sind meistens einer Meinung.
Hat eine von uns abends keine Lust auszugehen, so bleiben wir gemeinsam zu Hause und machen uns einen gepflegten Mädelsabend. Mit Eiscreme und Taschentüchern bewaffnet gucken wir alte Schnulzen und lackieren uns gegenseitig die Nägel. Bis tief in die Nacht liegen wir nebeneinander und erinnern uns an alte Zeiten. Als wir mir zum Beispiel mal die Haare orange gefärbt und versucht haben, einen Junghexenklub in der Schule zu gründen. Noch am Morgen tut uns der Bauch vor Lachen weh, vielleicht auch von zu viel Eiscreme.
Ein wichtiges Thema: das andere Geschlecht. Wir vergeben Punkte für die hübschesten Kandidaten und wägen jedes Detail genau ab. Eine Qualität, die meistens nur der beste Freund besitzt: entwaffnende Ehrlichkeit. Natürlich führt das auch mal zu Streit. Wenn wir uns immerzu sehen, dann gehen wir uns irgendwann auauf die Nerven. Ohne einander gehts aber auch nicht. Auch wenn die Tage, in denen wir im Partnerlook zu sehen waren, schon lange vorbei sind, werden wir immer noch oft verwechselt. "Wow, ihr seht euch ja ähnlich! Seid ihr Schwestern?" Sogar meine eigene Oma hat uns schon verwechselt, dabei sind wir nicht einmal verwandt.
Meine beste Freundin braucht mich nur anzusehen, die Augen zu verdrehen und ich weiß, was sie denkt. Vielleicht sind wir doch so etwas wie Schwestern. Seelenschwestern natürlich.
Autorin: Wibke Schumacher für das Jugendmagazin "Spiesser"
Die Partyfreundin - Außerhalb der Disco tanzen wir unterschiedlich
Verbotener Satz unter Partyfreunden: Mir ist heute nicht nach Leuten.
Foto: Frank GrätzDie Partyfreundin kam vermutlich schon im Glitzertop und mit Freigetränken auf die Welt. "Hey, im Keller Klub gibts heute bis Mitternacht Freibier, ich hol dich um zehn ab!" Die Partyfreundin duldet folgende Antworten nicht: "Mir ist heute nicht nach Leuten...", oder "Ich hab morgen Schule!" Alle anderen Erklärungen und Ausreden zählen auch nicht. Und da es dank ihrer guten Laune meist doch lustig wird, stehen wir um Punkt zehn frisch frisiert und gepudert vor unserem Haus. Es gibt Kussi-Bussis zur Begrüßung und alles, was seit der letzten Party passiert ist, tauschen wir im Schnelldurchlauf aus. Ab jetzt geht es nur noch um Party, Jungs und Feindinnen. Das Niveau steigt an diesem Abend nicht mehr, dafür der Alkoholpegel.
Die Partyfreundin sagt nie nein zu einem Drink, verwickelt ihre Sponsoren in Gespräche, lacht laut und ein wenig affektiert und stellt uns allen neuen Bekannten als eine "gute Freundin" vor. Später tanzen wir in der anonymen Masse und sind dabei tatsächlich glücklich.
Dabei tanzen wir außerhalb des Discolichts einen unterschiedlichen Rhythmus. In der Schule oder im Handballtraining reden wir nicht viel miteinander. Wir sind unserer Partyfreundin tagsüber zu nörgelig, zu streberhaft. Und sie ist uns zu laut, zu anstrengend. Wir tauschen Tratsch und Schminkutensilien aus, nicht aber unsere Gefühle und Sorgen. Weil wir nicht solche Freundinnen sind. Wir sind Freitag-Samstag-Abend-Freundinnen, manchmal auch Mittwoch.
Die Partyfreundin ist keine Anlaufstelle bei Liebeskummer, Zukunftsängsten und Elternproblemen. Eine Partyfreundin ist keine Person, auf die wir in jeder Lebenslage zählen können. Aber bei jeder Party.
Autor: Bettina Schneider für das Jugendmagazin "Spiesser"
Der Zweckfreund - Spott und Undank
Nützliche Bekanntschaften: Spontaneinsätze, selbst an Heiligabend
Foto: Frank GrätzKrchchkrchchch. Oh Schreck: Die Festplatte im Computer rattert ungesund, Rauchschwaden ziehen aus dem Gehäuse. Katastrophe! Auftritt: Zweckfreund. Egal wie desaströs meine Computerprobleme sind, der Zweckfreund rauscht auf Zuruf samt Werkzeug herbei. Drei Handgriffe später schnurrt das PC-Kätzchen wieder. Der Zweckfreund als solcher ist sich für nichts zu schade. Lampe nach dem Umzug anschließen oder den Wäscheständer reparieren - alles keine Herausforderungen für ihn.
Tobias, so heißt das Wunderkind, ist ein Allroundtalent. Gegen ein paar warme Worte erledigt er alles, was mit Technik zu tun hat. Nur wenn es mal nicht um Technik geht, haben Tobias und ich uns nicht viel zu sagen. Er wäre der Letzte, den ich anrufen würde, wenn wir abends durch die Clubs der Stadt ziehen. Denn unter einem netten Abend stellt sich Tobias vor, jede noch so zwanglose WG-Party mit Rettungsweste und Walkie-Talkie zu überwachen.
Einen Nachteil hat das Schicksal als praktisches Genie: Tobias erntet für seine Begabung nichts als Spott und Undankbarkeit. Mitschüler nennen ihn einen Nerd. Aber das ist er nicht! Unter den fetthaarigen World-of-Warcraft-Leichen, die praktisch im Internet leben, ist er nicht zu finden - wäre ja auch reine Zeitverschwendung für "Tobias-ich-komm-sofort-vorbei." Einmal jährlich bringe ich Tobias verschämt eine Packung selbst verbrannter Weihnachtskekse vorbei. Ich weiß genau, dass ich als Freund nie so nützlich für ihn sein werde wie er für mich. Wie sollte ich auch - wenn man an die Sache mit meinem DVD-Player und den gesperrten Scheiben aus den USA denkt. "Könntest du… ?" Natürlich konnte er. Sofort. An Heiligabend um 18 Uhr.
Autor: Theo Müller für das Jugendmagazin "Spiesser"
Der Netzwerkfreund - Ich will dich klicken
Freundschaften im Netz: Wir kennen sie nicht wirklich
Foto: Frank GrätzDer Netzwerkfreund ist unübersehbar. Durch Kommentare, "gefällt mir"-Klicks, Anstupser und Chatnachrichten macht er unweigerlich auf sich aufmerksam. Ein leises Piepsen des Chats begrüßt mich zwei Sekunden nachdem ich das soziale Netzwerk betreten habe. "Hey meine Süße! Wie war dein Tag?" Neben der Nachricht prangt ein grinsender Teenagerkopf mit einem Luftballon. Martin bemerkt meine virtuelle Anwesenheit sofort, immer, als hätte er vor dem Laptop auf mich gewartet. Ich antworte nur knapp. Keine Lust auf niemanden. Schule stresst, Schwester meckert, Welt nervt. Erst checke ich, was es Neues gibt. Ich wurde verlinkt, auf einem Foto von Samstagabend. Einen Kommentar dazu gibt es auch schon: "Da war wohl jemand feiern? Hoffe du hattest Spaß!", und wieder ein Luftballonfoto daneben.
Piep. "Alles klar bei dir? Willst du darüber reden?" Unwillkürlich muss ich lächeln. Er merkt, dass es mir nicht gut geht. Ich schreibe ihm von meinem Tag, so ausführlich, wie ich es nicht mal meiner besten Freundin erzähle. Das macht einen Netzwerkfreund aus. Vor ihm können wir offen reden und um Rat bitten, denn er hört uns zu, ohne die Personen zu kennen, über die wir sprechen. Er versteht es, uns auf andere Gedanken zu bringen. Eine neue Meldung. Während ich über die Zickereien meiner Schwester klage, hat mir Martin einen Link auf die Pinnwand gepostet: "Junk of the Heart" von den Kooks. Langsam wandert seine gute Laune zu mir rüber, von Bildschirm zu Bildschirm. Ich bedanke mich mit einem Herz und einem Smiley.
Den Netzwerkfreund kennen wir so gut, und doch kennen wir ihn nicht wirklich. Außer hochgeladener Schnappschüsse können wir nicht viel von ihm sehen. Ob ich ihn auf der Straße erkennen würde?
Autor: Anita Edenhofer für das Jugendmagazin "Spiesser"
Der Sandkastenfreund - Wir haben uns aus den Augen verloren
Lange Tradition: Wer sich aus dem Sandkasten kennt, muss nicht ewig zusammenhalten
Foto: Frank GrätzIrgendwo zwischen Lego-Bautürmen und Spielzeugautos fing alles an. Wir konnten noch nicht einmal ganze Sätze formulieren, und trotzdem gab es sie schon: die Sandkastenfreundschaft. Mein Sandkastenfreund Kilian gehört zu meinem Leben, seit ich denken kann. Unsere Freundschaft begann schon in der Krabbelgruppe, als ich zu heulen anfing, weil Kilian mir mein Spielzeug wegnahm. Behaupten unsere Mütter. Was haben wir nicht alles gemeinsam erlebt: Unerlaubtes Fußballspielen im Kinderzimmer, bis die Glasvase zerbrach. Klingelstreiche bei den nervigen Nachbarn.
Er war dabei, als ich als kleines Kind vom Hund gebissen wurde. Und er war es, der mir half, dieses Erlebnis zu verarbeiten. Dafür wählte ich Kilian beim Fußballspielen immer zuerst in meine Mannschaft, obwohl er der Schlechteste von allen war.
Aber auch solch eine Freundschaft kann auf eine harte Probe gestellt werden. Wir waren zwölf Jahre alt, als Kilian mir von seiner ersten Freundin berichtete. Mich traf damals der Schlag. Der pure Neid kochte in mir hoch. Wir waren bis zu diesem Zeitpunkt unzertrennlich, ich ging bei ihm ein und aus, und wir mussten gemeinsam nachsitzen, wenn wir uns im Unterricht mal daneben benommen hatten. Und dann das - eine Freundin! Ich fühlte mich plötzlich wie ein Freund zweiter Klasse. Aber alles halb so wild, sie war nicht die Liebe seines Lebens.
Doch mit zunehmendem Alter gingen unsere Interessen und Lebenswege auseinander. Seit das Studium angefangen hat, haben wir uns völlig aus den Augen verloren. Ich bin mir aber sicher, dass wir den Kontakt wieder aufnehmen werden, weil wir uns einfach schon so lange kennen. Dann läuft unsere Kindheit und Jugend wie im Zeitraffer an mir vorbei, als wäre es erst gestern gewesen. Ohne einen echten Sandkastenfreund wäre die Zeit nur halb so schön gewesen.
Autor: Christopher Käfer für das Jugendmagazin "Spiesser"
Der Freund mit Extras - Alles kann, nichts muss
Keine feste Beziehung, aber Sex: Macht mein Outfit mich dick?
Foto: Frank GrätzIch wache mit pochenden Kopfschmerzen auf. Das Zimmer ist mir vertraut. Es riecht nach Tobi. Und nach Sex. Wir waren zusammen feiern, sind gemeinsam nach Hause gegangen und haben miteinander geschlafen. Nicht zum ersten Mal und vermutlich auch nicht zum letzten Mal. Freundschaft mit Extras - würde unser Verhältnis wohl am besten beschreiben. Filme wie "Freundschaft Plus" haben dieses Phänomen aufgegriffen. Aber was ist das überhaupt? Ist es eine Affäre oder doch die Liebe zwischen zwei Menschen, die sich nicht eingestehen wollen, dass sie ein bisschen mehr füreinander empfinden? Nun, es ist eine Mischung.
Ich bin die Erste, die er anruft, um zu erzählen, wie sein Date gelaufen ist. Bevor ich abends ausgehe, skype ich mit ihm und er sagt mir, ob mein Outfit mich dick macht. Doch wenn Tobi meine Hand ganz beiläufig berührt oder mich ein bisschen länger als sonst anschaut, dann weiß ich, dass wir für heute Nacht ein bisschen mehr als Freunde sind. Es gibt aber auch Zeiten, da habe ich gar keine Lust, ihm körperlich nah zu sein. Das ist okay, denn wir sind dem anderen zu nichts verpflichtet. Ich habe schon daran gedacht, wie es wäre, wenn Tobi nicht nur ein Freund, sondern mein Freund wäre. Wir verstehen uns gut und müssen uns nicht verstellen, um dem anderen zu gefallen.
Das Problem: Wir wissen zu viel voneinander, um uns noch attraktiv finden zu können. Ich weiß, dass er Spiderman-Boxershorts trägt und auf dem Klo gerne Comics liest, und er weiß, dass ich beim ersten Date "Bauch-weg-Strumpfhosen" trage und bei Disney-Filmen heule. Tobi ist ein guter Kumpel, deswegen stört es mich nicht, dass das Bad unter Wasser steht, wenn er duschen geht. Doch wäre Tobi mein fester Freund, würde ich ihn vermutlich hassen - darauf will ich es nicht ankommen lassen. Freundschaft mit Extras, das bedeutet eine entspannte und schöne Zeit miteinander zu haben. Und zwar ohne den ganzen Beziehungsstress.
Autor: Sophia Alt für das Jugendmagazin "Spiesser"