Champions League: Analyse Achtelfinale zwischen Dortmund und Turin - DER SPIEGEL
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kicker.tv

Dortmunds 1:2 in Turin Ein schmerzhafter Abend

Drei Fehler, drei Tore, viele Tritte: Die Partie zwischen Juventus Turin und Borussia Dortmund war von Beginn an turbulent. Besonders der BVB musste leiden. Alles Wichtige zum Achtelfinal-Hinspiel.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Ausgangslage: 2012, 2013 und 2014 hieß der Meister in Italien Juventus Turin, und auch in dieser Saison kann Juve den Titel kaum noch verspielen. Dortmund hingegen arbeitet sich gerade erst aus einer schweren Formkrise heraus. In diesem Achtelfinal-Hinspiel fehlte beim BVB zudem Neven Subotic (Magen-Darm-Erkrankung), dafür war Mats Hummels wieder dabei.

Das Ergebnis: 1:2 (1:2) aus Sicht der Dortmunder.

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Champions-League-Achtelfinale: Ausrutscher, Fouls und Schnuller-Jubel

Foto: Marco Luzzani/ Getty Images

Die erste Hälfte: "Magst du lieber die Schüsse auf die linke oder auf die rechte Seite?", hat Marco Reus jüngst in einem Werbeclip des gemeinsamen Schuhsponsors Gianluigi Buffon gefragt. Er habe keine Schwächen, sagt der Turiner Keeper. So musste Reus sich in der 18. Minute von seinem Instinkt leiten lassen, als er frei vor Buffon auftauchte. Reus schoss nach links, der Torhüter sprang nach rechts - 1:1. Zuvor hatte Dortmunds Torwart Roman Weidenfeller beim 0:1 schlecht ausgesehen, später Hummels beim 1:2. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause.

Die zweite Hälfte: War aus Dortmunder Sicht nicht viel besser als die erste. Juventus sah sich in aller Ruhe an, was der BVB so zustande brachte. Das war nicht allzu viel, besonders Ciro Immobile gelang im Angriff wenig. Turin hingegen war bei seinen Angriffen immer wieder gefährlich und stürzte die Borussia-Abwehr ins Chaos. Tore aber fielen nicht mehr.

Während Reus (vorn) jubelte, blieb der ausgerutschte Chiellini liegen

Während Reus (vorn) jubelte, blieb der ausgerutschte Chiellini liegen

Foto: GIORGIO PEROTTINO/ REUTERS

Die Fehler des Spiels: Weidenfeller, Giorgio Chiellini, Hummels - jedem der drei Tore ging ein individueller Lapsus voraus. Erst konnte der BVB-Keeper eine Mischung aus Schuss und Pass von Alvaro Morata nicht festhalten (Tevez staubte ab, 1:0), dann rutschte Chiellini als letzter Mann aus (Reus reagierte am schnellsten, 1:1) und Hummels stand falsch (Morata schob ein, 2:1).

BVB-Trainer Klopp beschwerte sich beim Assistenten über die Fouls der Turiner

BVB-Trainer Klopp beschwerte sich beim Assistenten über die Fouls der Turiner

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Großzügigkeiten des Spiels: Juve-Trainer Massimiliano Allegri hatte angekündigt, sein Team werde ein "intensives, körperliches und technisches Spiel aufziehen". Zumindest die ersten beiden Punkte setzte Turin von Beginn an exzellent um. Und Schiedsrichter Antonio Mateu Lahoz ließ die Spieler gewähren. So kam sowohl Paul Pogba nach einem Foul an Lukasz Piszczek ohne Verwarnung davon wie auch Arturo Vidal nach einem bösen Tritt gegen den Knöchel von Immobile. Erst nach der Pause sah der Chilene für eine heftige Grätsche gegen Reus Gelb.

Die Kopie des Spiels: Pressing, Ballgewinn, ganz schnelles Umschalten und dann der Tor-Abschluss - man kennt diese Überfallangriffe von Dortmund-Spielen. In Turin aber setzte Juventus auf die Taktik, die dem BVB in der jüngeren Vergangenheit so viel Erfolg gebracht hatte. Die Borussia hatte mehr Ballbesitz als der Gastgeber, konnte damit aber wenig anfangen.

Taktgeber Pirlo musste schon vor der Pause verletzt ausgewechselt werden

Taktgeber Pirlo musste schon vor der Pause verletzt ausgewechselt werden

Foto: Lars Baron/ Bongarts/Getty Images

Ausfälle des Spiels: Schon vor der Pause mussten beide Mannschaften verletzungsbedingt wechseln. Erst lädierte sich Piszczek das Sprunggelenk, nach der Pause blieb Sokratis mit muskulären Problemen in der Kabine. In der Quantität weniger, in der Qualität aber noch schlimmer erwischte es Juventus. Der ohnehin seltenst sprintende Andrea Pirlo ging mit selbst für seine Verhältnisse schleppendem Schritt Richtung Turiner Bank. Nach kurzer Behandlung war klar, dass der Mann, den sie "Metronom" nennen, nicht würde weitermachen können.

Juve-Angreifer Tevez jubelte nach seinem 1:0 mit einem Schnuller

Juve-Angreifer Tevez jubelte nach seinem 1:0 mit einem Schnuller

Foto: Alessandro Di Marco/ dpa

Geschmackssache des Spiels: Carlos Tevez hatte kaum den Ball zum 1:0 ins Dortmunder Tor geschoben, da griff sich der Argentinier auch schon beherzt in die Hose. Tevez förderte einen Schnuller zu Tage den er sich in den Mund steckte und mit seinen Teamkollegen jubelte. Geschmacklich dürfte das Erlebnis wenig empfehlenswert sein, Fußballshorts haben keine Hosentaschen.

Streithähne des Spiels: Das waren Matthias Ginter und Weidenfeller. Nach den Ausfällen von Piszczek und Sokratis hatte die BVB-Abwehr große Probleme mit der Abstimmung. Einmal zögerte Weidenfeller bei einem langen Ball, ehe er dann doch aus seinem Tor lief - und Ginter über den Haufen rannte. Der schimpfte heftig, Weidenfeller giftete zurück. Kurz vor Schluss gerieten beide erneut aneinander, als Ginter Roberto Pereyra nicht aufhalten konnte. Diesmal stürmte der Keeper wutentbrannt auf seinen Vordermann zu. Solche Streitereien sind sicher das Letzte, was Trainer Klopp sich derzeit wünscht.

Fazit des Spiels: Weidenfeller sagte nach dem Abpfiff, er könne mit dem Ergebnis "sehr gut leben". Tatsächlich ist eine knappe Niederlage in Turin keine schlimme Ausgangslage für das Rückspiel in Dortmund. "Ein Ergebnis zu holen in Turin, bei dem du mit einem 1:0 zu Hause weiter bist - was willst Du in der Champions League mehr", sagte Jürgen Klopp. Pessimistischer sollten den BVB da schon eher die schweren Abstimmungsfehler in der - zugegeben durchgewechselten - Abwehr stimmen.