Was kostet die Welt?: Amsterdam, charmant und chaotisch - DER SPIEGEL
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Was kostet die Welt? Amsterdam, charmant und chaotisch

Automaten-Essen, Plüschkinos, Flatrate-Pinkeln: In der niederländischen Hauptstadt gibt es seltsame Dinge und geschäftstüchtige Menschen. Erasmusstudentin Anne Huschka weiß: In Amsterdam kann man gut klarkommen - darf aber nie "Danke, ich komm schon klar" sagen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Rund um einen Damm im niederländischen Fluss Amstel entstand im 12. Jahrhundert eine Siedlung. Der Untergrund war sumpfig, doch die Menschen wussten sich zu helfen: Sie befestigten den Boden mit unzähligen Pfählen und bauten Häuser und Straßen. Heute ist vom Sumpf nichts mehr zu spüren. Nur der Name der Stadt erinnert noch an den Damm in der Amstel: Amsterdam.

Über 735.000 Einwohner leben in der niederländischen Hauptstadt, im Großraum rund 2,5 Millionen. Bei den Mietpreisen landet Amsterdam hinter London, Paris und Rom auf dem vierten Platz, so eine Studie von ECA International. Zum Glück sind die sonstigen Lebenshaltungskosten nicht so hoch.

Eten: Frietjes, Frikandel & Co.

Eine Rindfleischkrokette gibt es manchmal schon für 60 Cent. Das bedeutet nicht, dass Amsterdam ein billiges Pflaster ist, sondern lässt Rückschlüsse auf die niederländische Esskultur zu. Es gibt Frittiertes aus dem Automaten und Flatrate-Essen ("So viel du magst für 8,50 Euro pro Stunde!"). Das ist mehr originell als lecker.

Auch das Mensaessen (ab 5 Euro) schmeckt eben wie Mensaessen. Zu empfehlen ist dagegen die indonesische Küche - für 10 bis 15 Euro die schönere Art, satt zu werden.

Hutjes et Paleisen

Der Traum von der gemütlichen Wohnung im Kaufmannshaus mit Blick auf die Gracht zerplatzt beim Blick auf die Mieten. "Huisjesmelker" nennt der Volksmund die Halsabschneider der Immobilienbranche. Eine kleine Einzimmerwohnung kostet mindestens 450 Euro. Dazu kommt noch die Provision, denn die Wohnungen werden meistens über Makler vermittelt.

Wer niedrige Ansprüche und viel Glück hat, kommt im Studentenwohnheim Uilenstede unter. Dort leben etwa 3000 Menschen. Ein Zimmer kostet um die 250 Euro, die Küche teilt man sich mit 13 Flurnachbarn.

Fiets

Auf ein "Pssst! Fietsje kopen?" aus zwielichtiger Quelle sollte man sich besser nicht einlassen. Finger weg von Fahrrädern, die auf der Straße angeboten werden! Auch wenn der Preis noch so verlockend klingt - wer ein geklautes Rad kauft, macht sich strafbar. Natürlich kostet ein rechtschaffenes Fahrrad dann mehr als ein Schuss Heroin. Ein gutes Gebrauchtrad ("tweedehandfiets") bekommt man aber schon für 75 Euro. Ein gutes Schloss kostet fast genauso viel.

Vorsicht: Die Polizei sieht manch geliebten Drahtesel als "Wrack". Das erkennt man an den signalfarbenen Aufklebern "Fiets wordt verwijdert" (Fahrrad wird entfernt) - eine ernst gemeinte Drohung.

Cultuur und Uitgaan

Boot, bus en trein

Erasmusstudenten bekommen in der Regel kein Studententicket für Bus und Bahn. Sie zahlen für eine Monatskarte 35,80 Euro. Wer auch die Umgebung von Amsterdam sehen möchte, ist mit der "Voordeelurenkaart" gut bedient. Die niederländische Bahncard kostet 55 Euro und ist ein Jahr lang gültig. Nach der morgendlichen Rush-Hour ab neun Uhr gibt es 40 Prozent Rabatt auf alle Fahrkarten.

Das angesagteste Fortbewegungsmittel ist das Boot. Ob wackelige Nussschale oder historischer Kutter - wer motorisiert durch den Grachtengürtel schippert, ist König. Seeluft schnuppern kann man sogar ganz umsonst: einfach von der Ruyterkade aus mit der Fähre über den Fluss IJ fahren.

Cultuur

Besitzer der "museumkaart" (20 bis 35 Euro) bekommen in den meisten Museen in den Niederlanden freien Eintritt. Komplett umsonst ist der Gang durch die Schuttersgalerie zwischen Kalverstraat und Begijnhof. Dort hängen Portraits aus dem 17. Jahrhundert. Mittwochs um 12.30 Uhr spielen Orchestermusiker zum halbstündigen "Lunchkonzert" im Concertgebouw auf. Diese öffentliche Generalprobe vor dem Abendkonzert ist ebenfalls gratis.

Bioscoop & Uitgaan

Warum viele Niederländer so gut Englisch sprechen? Vielleicht, weil die meisten Kino-Filme in englischer Original-Fassung gezeigt werden. Für eine Vorstellung zahlt man in den kleineren Programmkinos etwa 4 Euro.

Der Eintritt ins Tuschinski, ein ganz besonderes Kino mit Dämmer-Licht und Plüscheinrichtung, kostet 6,50 Euro (mit Studentenausweis). Nur das Champagnerarrangement im Love Seat schlägt mit 39 Euro zu Buche.

Nach Arbeit, Uni oder Sport treffen sich in Amsterdam viele zur abendlichen Trinkrunde, "Borrel" genannt. Das Bier gibt es ab 1,25 Euro. In welchen Clubs und Diskotheken was los ist, steht in der "Uitkrant". Das kostenlose Stadtmagazin liegt in vielen Kneipen und Museen aus.

Beim Weggehen sollte man nicht nur die Getränke- und Eintrittspreise einrechnen, sondern auch den Gang zur Toilette. Er kostet etwa 50 Cent. Oft kann man "plasbandje" (Pinkelbändchen) kaufen - der "Flatrate"-Klobesuch kostet etwa fünf Euro.

Männer haben es leicht: In den Straßen Amsterdams stehen viele grüne Notdurft-Häuschen. Von Donnerstag bis Sonntag werden zusätzlich mobile Pissoirs aufgestellt. Die Benutzung empfiehlt sich, denn wer beim "Wildplassen" (unerlaubten Urinieren) erwischt wird, ist um 75 Euro ärmer.

"God, wat ben ik zat!" - Niederländisch für Anfänger

  • "Mag ik op de foto?" – "Kann ich aufs Foto?" (Wer mit einer Kamera auf einem Konzert oder Festival auftaucht, sollte sich nicht wundern, wenn er dauernd so angesprochen wird. Niederländer sind verrückt danach, in irgendwelchen Fotoforen aufzutauchen. Die Erklärung, man sei rein privat unterwegs, nützt da gar nichts)
  • "Chippen of pinnen?" – "Chippen oder pinnen?" (Die meisten Niederländer bezahlen bargeldlos. Kleine Beträge begleichen sie mit der Geldkarte, größere mit ec-Karte und Geheimzahl)
  • "Spaar je zegels?" – "Sammelst Du Bonusmarken?" (Jeder Supermarkt hat sein eigenes Sparsystem, und der Niederländer wird nicht müde, für Bratpfannen, Eintrittskarten oder Deoroller zu sammeln.)
  • "Bedankt, ik kom klaar"/"Kom jij klaar?" - "Danke, ich komm' schon klaar!"/"Kommst Du klar?" (möglichst vermeiden, Verwechslungsgefahr! "Klaar komen" bedeutet im Niederländischen "seinen Orgasmus haben")
  • "Ik moet even geld uit de muur halen" – "Ich muss eben Geld aus der Wand holen" (also: Ich muss noch schnell Geld am Automaten ziehen)
  • "God, wat ben ik zat!" – "Oh Gott, bin ich betrunken"!
  • "Dank je, ik ben vol." – "Vielen Dank, ich bin satt."
  • "Snap je dat?" – "Alles verstanden?"