Marc im Uni-Wahlkampf: Moneten, Master oder Marx - DER SPIEGEL
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Marc im Uni-Wahlkampf Moneten, Master oder Marx

Keine Wahl ohne Kampf: Geschichtsstudent Marc Röhlig ist vom Vorgeplänkel der jüngsten Uni-Wahl genervt, denn das war altbacken und inhaltslos. Er sagt: Mit der Generation BA stirbt das Hochschulengagement aus.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wahlkampf an der Uni: Jede freie Wand wird mit bunten Plakaten beklebt, witzige und dämliche Slogans wechseln sich ab. Es gilt, den Senat zu besetzen – und darum, zu zeigen, dass die Studenten ihre Rechte auch nutzen. Als Besonderheit kandidiert hier in Freiburg neben den üblichen Parteien auch ein Bündnis unabhängiger Fachschaften; eher linkslastig als überparteilich und ständiger Stachel im Rektorenfleisch.

Doch was eigentlich richtig und wichtig ist, ist der Mehrheit der Studenten egal. Warum wählen, wenn sich die Kandidaten doch nur wie in einer großen Zirkusrevue präsentieren? Das Umweltreferat des Bündnisses unabhängige Fachschaften sperrt die Straße vor der Mensa, ruft die "Autofreie Uni" aus und verteilt selbst bemalte T-Shirts. Okay. Die Jungs und Mädels vom RCDS werben in königsblau mit "Exzellente Bildung braucht exzellentes Essen" oder ihrer Anti-Che-Kampagne. Aha. Die Jusos, in sozialistenrot, wollen "den Bachelor mastern" und die Linken kommen mit Marx, immer wieder Marx. Soso.

Wie kommt es, dass mich das alles kalt lässt? Warum geht keine Sau zur Wahl? Warum wissen viele nicht einmal, was für eine Wahl stattfindet? Sind an so einer Uni nicht jede Menge kluger und engagierter Köpfe?

Für einen Senatssitz gibt's keine ECTS-Credits

Die Zeiten, in denen Studenten Politik mit Pflastersteinen machten und die Staatsmacht mit Wasserwerfern antwortete, sind lange vorbei. Und damit scheint auch der Wille zur Teilnahme erloschen. Zwar liest jeder Zeitung und interessiert sich für Politik – aber an der Hochschule aktiv werden? Das wirkt irgendwie old school. Die Generation BA hat andere Vorstellungen von Bildung. Und mit Zeitmangel hat das nichts zu tun. Praktika und Sprachkenntnisse werden im Lebenslauf wichtiger als Engagement. Und je kürzer die Verweildauer an einer Hochschule wird, umso unwichtiger scheint eine tatsächliche Identifizierung mit ihr. Was will ich im Senat? Ich muss doch ECTS-Punkte sammeln! Wieso soll ich mit anderen die Notwendigkeit von Elite-Essen in der Mensa diskutieren, wenn ich gleichzeitig meine workload schaffen muss? Es scheint, als sterbe der Campus durch seine eigenen Renovierung ab.

Und überhaupt: Wer schon im zweiten Semester an seinen Berufsweg denken muss, mag sich nicht länger mit ideologischen Grundsatzfragen aufhalten. In den Köpfen der heutigen Uni-Generation steht Money statt Marx.

Das PR-Referat "bedruckt gern viel buntes Papier"

Die Haltung des Bündnisses unabhängiger Fachschaften, in dem diesmal jede Menge Linkspartei-Mitglieder angetreten sind, reizt heute viele nicht mehr. Auch der unabhängige Asta scheint oberflächlich betrachtet eine prima Idee, doch steckt in seinem tiefsten Inneren noch der 68er-Geist. Das PR-Referat beschreibt seine Arbeit so: "Das Referat für PR, Propaganda und Agitprop hat Spaß, bedruckt gern viel buntes Papier." Nett. Im Referat für Hochschulpolitik suchen die eifrigen Studenten Gründe, die anerkannte Bertelsmann Stiftung als "Drahtzieher" von Studiengebühren zu entlarven. Toll. Und im Referat für Ideologiekritik wird liebend gerne Marx rezipiert: "Was ist Kapitalismus und was ist das Kritikable an ihm?"

Dieser angestaubte Traum von gleich-gleichen Glücksmenschen lockt heute die Wenigsten hinter der Hörsaalbank hervor. Die Frage, wie mit Studiengebühren umzugehen ist, brennt zum Beispiel mehr als das ewige Abschaffungsmantra. Und von der Bertelsmann Stiftung will man wissen, wie exzellent die eigene Uni ist – und nicht, ob die Stiftung einem vermeintlichen kapitalistischen Konglomerat angehört.

Soll Student nun wählen gehen oder überlässt er die letzten Ideologen ihrem Schicksal? Natürlich geht man wählen – die Kreuze machen dauert fünf Minuten und das kann sich selbst ein BA-Student von seiner raren Zeit abzwacken. Und wenn man sich beim besten Willen für keine Seite entscheiden kann? Mein Kumpel André hat für sich eine todsichere Methode gefunden: Da sich derzeit jeder Kandidat mit großem Porträt in den Unifluren präsentiert, wählt André einfach nach Aussehen. Je hübscher, je Kreuzchen.

Am Ende liegt die Wahlbeteiligung bei knapp 14 Prozent. Anscheinend ist Politik wirklich nicht mehr attraktiv.

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