Nachspiel der Studenten-Proteste Polizei fahndet nach Angreifern von Prinz Charles
Nachspiel der Studenten-Proteste: Polizei fahndet nach Angreifern von Prinz Charles
Foto: Ian Gavan/ Getty ImagesLondon - Die Studenten waren wütend, die Bilder dramatisch: Krawalle, Übergriffe und eine Attacke auf den britischen Thronfolger. Als das britische Unterhaus Anfang Dezember beschloss, die Studiengebühren drastisch zu erhöhen, protestierten dagegen Tausende Studenten, zum Teil rabiat. Für einige könnte das jetzt ein Nachspiel haben.
Knapp vier Wochen nach dem Angriff protestierender Studenten auf eine Limousine von Prinz Charles und seiner Frau Camilla hat die Londoner Polizei am Dienstag Videoaufzeichnungen von Verdächtigen veröffentlicht. Dabei handelt es sich um zwei Männer und eine Frau, die Scotland Yard nach eigenen Angaben zu dem Vorfall am 9. Dezember vernehmen möchte. Trotz der schlechten Qualität der Aufnahmen von Überwachungskameras zeigten sich die Ermittler überzeugt, die Gesuchten mit Hilfe der Öffentlichkeit identifizieren zu können.
Der Rolls Royce von Charles und Camilla war auf dem Weg zu einer Benefiz-Vorstellung in London mitten in die Proteste von Studenten geraten und angegriffen worden. Das Fenster auf Charles' Seite ging zu Bruch, Camilla wurde offensichtlich mit einem Stock in die Rippen gepiekt - beide blieben aber unverletzt.
Peinliche Panne für Scotland Yard
Auf den Aufzeichnungen ist nun unter anderem eine Frau mit Brille und im schwarzen Mantel zu sehen, wie sie das Rückfenster eines Begleitfahrzeugs zertrümmert. Die Überwachungskameras fingen zudem die Angriffe zweier Männer auf den auffälligen Oldtimer des Thronfolgerpaars ein. Für Scotland Yard war die Sicherheitspanne angesichts der für April geplanten Hochzeit von Charles' Sohn Prinz William ausgesprochen peinlich. Britische Medien hatten berichtet, Polizeichef Paul Stephenson habe deswegen sogar seinen Rücktritt angeboten.
Schon unmittelbar nach dem Angriff auf die Limousine hatte Regierungschef David Cameron die Tat verurteilt: "Schockierend und bedauerlich" nannte er den Vorfall. Er kündigte zudem an, die Angreifer würden zur Verantwortung gezogen und "die volle Kraft des Gesetzes" zu spüren bekommen.
Die Proteste gegen die Studiengebühren-Erhöhung waren insgesamt ziemlich heftig verlaufen. Einige Studenten versuchten vergeblich, den Weihnachtsbaum am Trafalgar Square in Brand zu stecken. Auch vor dem Parlament kam es zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. Kleine Gruppen von Studenten warfen Leuchtbomben, Billardkugeln und Farbbomben auf die Beamten - und rissen Absperrungen nieder.
Die Abgeordneten verabschiedeten die Gebühren-Erhöhung dennoch: Ab September 2012 können die englischen Universitäten nun Studiengebühren von bis zu 9000 Pfund im Jahr verlangen - statt der bisherigen 3000 Pfund. Die Gebühren werden nicht während des Studiums fällig, sondern erst hinterher, wenn Absolventen ein Jahreseinkommen von mindestens 21.000 Pfund haben. Dies gilt für alle EU-Bürger, die in England auf Bachelor studieren. Die Provinzen Schottland, Wales und Nordirland sind nicht betroffen.
Es ist ein radikal neues Modell der Hochschulfinanzierung: Die Regierung kürzt die öffentlichen Zuschüsse für die Lehre um 80 Prozent, und die Studenten sollen das entstehende Loch in den Uni-Budgets füllen.