US-Luftfahrt Kampf der Vielflieger
St. Louis - Die Konsolidierung in der US-Luftfahrt gewinnt rasant an Tempo. Am Mittwoch beantragte Trans World Airlines (TWA) Gläubigerschutz und stimmte dem Übernahmeangebot von American Airlines zu. United Airlines (UAL) und US Airways hatten schon vor einigen Monate eine Fusion angekündigt, ringen aber noch mit Kartellwächtern um deren Zustimmung. Gelänge auch dieser Zusammenschluss, dann würden United und American mehr als die Hälfte des US-Luftverkehrs kontrollieren.
Die US-Kartellbehörden befüchten jedoch, dass die beiden Konglomerate den Markt der Inlandsflüge unter sich aufteilen können. So beeilten sich die beiden Riesen, jeden Eindruck einer Monopolisierung zu zerstreuen. Man habe sich geeinigt, dass American auf Hauptverbindungen, auf denen United und US Airways bislang die einzigen Konkurrenten waren, ebenfalls Flüge anbietet. Damit will United das US-Justizministerium beruhigen. Außerdem umfasse die Vereinbarung eine Verpflichtung von United und American, 20 Jahre lang gleichzeitig die Shuttle-Flüge zwischen den Flüghäfen New York LaGuardia, Washington Reagan National und Boston Logan anzubieten.
American Airlines will den Großteil der Vermögenswerte von der finanziell angeschlagenen TWA für 500 Millionen Dollar kaufen und rund 200 Millionen Dollar für sofortige Schuldentilgung zur Verfügung stellen, hieß es. TWA war die einzige große Airline in den USA, die 1999 einen Verlust eingeflogen hatte. In den ersten drei Quartalen 2000 wies das Unternehmen, das rund 20.000 Mitarbeiter beschäftigt, einen Verlust von 115,1 Millionen Dollar aus. TWA hat seit 1998 keine Gewinn mehr erzielt. In den vergangenen neun Jahren hat der Carrier bereits zwei Mal Gläubigerschutz beantragt, war mehrfach bereit, sich übernehmen zu lassen, fand aber keinen Käufer.
Als Hürde könnte sich noch die formale Auktion der insolventen TWA erweisen, die rechtlich vorgeschrieben ist und vom Insolvenzgericht abgehalten wird. Ein Gegengebot gilt unter Beobachtern allerdings als unwahrscheinlich. Nicht ausgeschlossen werden auch Proteste von Gläubigern, die sich von der Zerschlagung von TWA einen höheren Ertrag versprechen.
Wenig Gegenwehr ist dagegen von den Angestellten der TWA zu erwarten, die sich von der Ankündigung überzeugen ließen, American erhalte die Arbeitsplätze.
Analysten sehen in der Konsolidierung auch Vorteile für europäische Fluggesellschaften. So könnten letztere nun von ihren US-Partnern verstärkt Zugang zum US-Markt erhalten. United Airlines gehört wie die Deutsche Lufthansa zur Star Alliance.