Fernverkehr Bahn streicht erstmal nur 13 Millionen Zugkilometer
Berlin - Die Deutsche Bahn habe über die Streichungen im Fernverkehr nach dem Fahrplanwechsel in diesem Jahr noch nicht entschieden, sagte ein Bahn-Sprecher am Donnerstag. Entgegen einem Bericht der "Bild"-Zeitung gebe es keine Vorlage für den Aufsichtsrat der Bahn-Holding, dass bis zum Jahr 2005 rund 32,6 Millionen Zugkilometer im Fernverkehr gestrichen werden sollen. Die Bahn könne auch gar nicht darüber entscheiden, ohne mit den Verkehrsministern der Länder beraten zu haben.
Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen, Albert Schmidt, der auch im Bahn-Aufsichtsrat sitzt, betonte, es könne sich bei dem Szenario allenfalls um "Planspiele" einer Arbeitsgruppe handeln, die keinerlei Verbindlichkeit hätten. Schmidt forderte, den Fernverkehr nicht einzuschränken, sondern auszuweiten.
Bahnchef Hartmut Mehdorn machte allerdings noch einmal deutlich, dass die Bahn in Zukunft nur noch die Züge bereitstellen werde, die sich rechnen. Durch schwach ausgelastete Interregio-Verbindungen entstünden der Bahn derzeit jährlich rund 300 Millionen Mark Verlust.
Darum werden bereits in diesem Jahr zum Fahrplanwechsel am 10. Juni 13 Millionen der rund 170 Millionen Zugkilometer aus dem Fernverkehr gestrichen - vor allem durch die Einstellung von Interregios. Dafür sollen 4,5 Millionen Zugkilometer im Nahverkehr hinzukommen, so dass für den Kunden unter dem Strich 8,5 Millionen Zugkilometer weniger gefahren werden.
Der Grund für die Streichungen seien allerdings nicht sinkende Fahrgastzahlen, betonte der Bahn-Sprecher. Die "Bild"-Zeitung hatte berichtet, die Bahn rechne mit einem Rückgang um rund 7,3 Millionen Passagiere bis zum Jahr 2005. Der Sprecher verwies darauf, dass im vergangenen Jahr die Personenkilometer im Fernverkehr um 2,1 Prozent auf 74,4 Milliarden gestiegen seien.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisierte die Streichungen. "Statt endlich für die Sache aktiv zu werden, schieben sich Bahn, Bund und Länder gegenseitig den Schwarzen Peter zu, wer für die Aufrechterhaltung von Verbindungen abseits der Ballungsräume zuständig sei."
Da die Interregios zum Fernverkehr zählen, fällt ihr Betrieb in das Budget der Bahn. Den Nahverkehr bezahlen dagegen die Bundesländer aus einem eigenen Budget. Auch das Gleisnetz will die Bahntochter DB Netz teilweise stilllegen.