Börsenschluss: Dax fällt unter 6000 Punkte - DER SPIEGEL
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Börsenschluss Dax fällt unter 6000 Punkte

Deutliche Kursverluste bei den Technologiewerten haben die Aktienmärkte ins Minus gedrückt. Am Neuen Markt herrschte Endzeitstimmung. Der Euro markierte ein Acht-Monats-Tief.
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Frankfurt am Main – Der Dax hat sich bis zum Börsenschluss nicht aus der Verlustzone befreien können und ging mit 5999 Punkten aus dem Handel, ein Minus von 0,3 Prozent. Damit konnte der Blue-Chip-Index die psychologisch wichtige 6000-Punkte-Marke nicht mehr knacken. Die Talfahrt am Neuen Markt setzte sich ungebrochen fort. Der Nemax 50 rutschte um 5,2 Prozent auf 1282 Zähler. Mit einem leichten Minus von 0,2 Prozent behaupteten sich die Nebenwerte im M-Dax bei 4786 Punkten.

Ähnlich das Bild an der Wall Street: Der Dow Jones notierte zum Börsenschluss in Deutschland mit 0,7 Prozent im Minus bei 10.496 Punkten. Die Nasdaq verlor zwei Prozent auf 2099 Zähler.

Die Aktienmärkte in Frankfurt und New York wurden von einer Reihe von Gewinnwarnungen belastet. Vor allem die Hiobsbotschaften des britischen Telekomzulieferers Marconi und des niederländischen Chipausrüsters ASML lasteten schwer auf den Indizes. "Wenn Nachrichten kommen, sind sie negativ, und das drückt den Markt." Die Konjunkturdaten hätten angesichts der zahlreichen Unternehmensnachrichten kaum Einfluss auf das Geschäft gehabt, sagten Händler an der Wall Street. Der Markt warte auf die Arbeitsmarktdaten am Freitag, um weitere Details über die konjunkturelle Lage in den USA zu erhalten.

Gegen den Abwärtstrend bei den Technologiewerten legte in Frankfurt die Deutsche Telekom zu. Nach einem schwachen Handelsauftakt drehte die T-Aktie ins Plus und schloss 0,3 Prozent stärker bei 27,07 Euro. Die Titel des Tochterunternehmens T-Online waren zunächst im Plus gestartet, fielen zuletzt allerdings um 3,5 Prozent auf 8,96 Euro zurück. Der Internetprovider setzt auf dem Weg zur Profitabilität anscheinend bald auf "nackte Tatsachen". Chef Thomas Holtrop prüft die Aufnahme von erotischen Inhalten. Unterdessen gräbt Telekom-Chef Ron Sommer, zugleich T-Online Aufsichtsratschef, dem Internetprovider Kunden ab. Nachdem T-Online neue Angebote für Geschäftskunden angekündigt hat, zieht nun die Telekom-Sparte T-Com mit einen schnellen Internetzugang nach.

Die Allianz-Aktie legte einen Schlussspurt auf das Parkett und verteuerte sich um 2,3 Prozent auf 340,10 Euro, nachdem Finanzminister Hans Eichel seine Pläne zur Steuerreform bekräftigt hatte.

Wie schon am Vortag führten die Aktien von Henkel die Dax-Gewinnerliste an. Die Papiere kletterten um 3,4 Prozent auf 73,50 Euro. Am Mittwoch legte die Aktie bereits 3,4 Prozent zu. Umschichtungen von Degussa- in Henkel-Aktien hätten den Düsseldorfern Auftrieb gegeben, hieß es. Hierbei habe es sich um einen Großkunden gehandelt. Darüber hinaus verwiesen Händler auf die positiven Meldungen vom Vortag. Die geplante Expansion des Konsumgüter- und Chemiekonzerns in den USA und in Asien wirke sich nach wie vor beflügelnd auf den Kurs aus, sagte Klaus Tropschuh von der GZ Bank.

Ebenfalls gut im Rennen präsentierten sich die Versorgertitel: Die Aktien von RWE (plus 0,4 Prozent auf 47,10 Euro) und Eon (plus 2,1 Prozent auf 62,25 Euro) profitierten von Umschichtungen aus dem Technologiebereich in defensive Aktien, sagte ein Händler. RWE bekam zusätzlichen Auftrieb dank positiver Analysteneinschätzungen von der Credit Suisse First Boston und Morgan Stanley.

Die Technologiewerte waren nach den Gewinnwarnungen von Marconi und ASML stark unter Druck geraten und führten geschlossen die Verliererliste an. Die Aktien von Infineon (minus 2,6 Prozent auf 26,80 Euro), Epcos (minus 7,7 Prozent auf 57,51 Euro), Siemens (minus 4,8 Prozent auf 67,94 Euro) und SAP (minus drei Prozent auf 150,41 Euro) lasteten schwer auf dem Dax.

Die Aktie der Commerzbank rutschte im späten Handel deutlich nach unten und gab bis zum Schluss 1,9 Prozent auf 28,35 Euro nach. Am Nachmittag hatte Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller eingeräumt, dass das Wertpapiergeschäft wie in der gesamten Branche im zweiten Quartal "schlechter gelaufen" sei. Eine Kompensation sei nur bedingt möglich. Für die zweite Jahreshälfte erwarte er aber ein lebhafteres Geschäft mit Unternehmensanleihen. Das Firmenkundengeschäft sei zudem großartig gelaufen, betonte Müller.

Resignation am Neuen Markt

Am Neuen Markt wurde der Rekordtiefstand des Nemax All Share nur noch mit einem Achselzucken hingenommen. "Das geht weiter bis unter 1000 Punkte", befürchtete ein Händler. "Eigentlich weiß keiner so recht, wie es weitergehen soll", sagte hingegen ein anderer. "Solange laufend böse Überraschungen passieren, sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels."

Zum größten Kursgewinner am Neuen Markt entwickelte sich Curasan. Ein von dem Biomedizin-Unternehmen entwickeltes Knochenaufbaumaterial wurde uneingeschränkt für die Behandlung des gesamten Skelettsystems zugelassen. Bisher kam das Produkt vorwiegend in der chirurgischen Zahnheilkunde zum Einsatz. Die Aktie legte 49 Prozent auf 7,30 Euro zu. "Das Papier war zwar unterbewertet, aber das ist mir doch ein bisschen zu viel des Guten", sagte ein Händler.

Nicht verwunderlich, dass auch die Aktien der ehemals als "Qualitätstitel" eingestuften Unternehmen unter die Räder kamen. So verloren die Aixtron-Aktien 13,4 Prozent auf ein Jahrestief von 22,95 Euro und schlossen damit an die Talfahrt der vergangenen Handelstage an. "Für den Kursverfall ist immer noch die Studie des Bankhauses Julius Bär verantwortlich", sagte ein Händler. In dieser sei Aixtron in der letzten Woche auf "Verkaufen" herabgestuft worden, nachdem einige Aixtron-Kunden Gewinnwarnungen herausgegeben hatten. "Seit Tagen sehen wir hier größere Verkäufe."

Die Titel von Lambda Physik gingen als größter Verlierer im Nemax 50 aus dem Handel. Die Anteilsscheine des Unternehmens gaben 20,4 Prozent auf 40,20 Euro ab. "Da will jemand unbedingt aus der Aktie raus", begründete ein Händler den Kurssturz. Fundamental seien keine Gründe für einen Verkauf sichtbar. Der Umsatz sei gegenüber den Vortagen in dem schwachen Marktumfeld sehr hoch.

Pixelnet gab am Morgen eine Zusammenarbeit mit dem Internetriesen Amazon bekannt. Wie das Unternehmen mitteilte, wurde dies in einer Absichtserklärung formuliert. Künftig sollen die Internet-basierten fotografischen Dienstleistungen von Pixelnet in die Portale von Amazon.de eingebunden werden. Die Börse honorierte die Ankündigung mit einem Kursaufschlag für die Pixelnet-Aktie in Höhe von 7,6 Prozent auf 4,68 Euro.

Zocker trieben die Papiere von Kabel New Media erst deutlich ins Plus, am Ende verlor das Papier jedoch 1,5 Prozent auf 0,66 Euro. Das Unternehmen hatte in dieser Woche einen Insolvenzantrag gestellt. Das Zockerpapier von Letsbuyit.com brach dagegen um weitere 19,1 Prozent auf magere 0,17 Euro ein. Nach Angaben von Händlern wird das Unternehmen voraussichtlich in ein bis zwei Tagen Konkurs .

Der angeschlagene Altenheimbetreiber Refugium wird mit Wirkung zum 1. August 2001 den Neuen Markt in Richtung Geregelter Markt verlassen. Der Wechsel war von Marktbeobachtern erwartet worden. Die Aktie legte fünf Prozent auf 0,63 Euro zu.

Euro fällt auf Acht-Monats-Tief

Der Euro hat am Donnerstag im Anschluss an die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Leitzinsen in der Euro-Zone mit 4,5 Prozent unverändert zu lassen, seine Verluste zum Dollar ausgeweitet. Die Gemeinschaftswährung fiel bis zum Frankfurter Börsenschluss auf ein Acht-Monatstief bei Kursen um 0,8358 Dollar. Zu der Schwäche des Euro trug Händlern zufolge jedoch auch ein überraschend kräftiger Anstieg des Indizes der US-Einkaufsmanager (NAPM) für das Nicht-Verarbeitende Gewerbe im Juni bei.

Einige Händler schlossen nicht aus, dass der Euro nun auf neue Tiefstände unterhalb seines im vergangenen Oktober erreichten Rekordtiefs von 0,8225 Dollar fallen könnte. Bereits am Vormittag hatte der Anstieg der deutschen Arbeitslosenzahl den Euro belastet.