Galapagos: Ölpest-Notstand im Paradies - DER SPIEGEL
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Galapagos Ölpest-Notstand im Paradies

Fast 800.000 Liter Diesel treiben auf die Galapagos-Inseln zu und drohen das einzigartige Naturschutzgebiet nachhaltig zu zerstören. 40 seltene Blaufußtölpel mussten bereits evakuiert werden.
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Quito - Ecuadors Präsident Gustavo Noboa hat angesichts der sich anbahnenden Ölpest auf den Galapagos-Inseln den Notstand über das Naturreservat ausgerufen. "Wir werden alle zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um eine Katastrophe zu verhindern", versprach Regierungssprecher Alfredo Negrete nach einer Krisensitzung des Kabinetts.

Unter dem Notstandsregime werden Finanzmittel für die Bekämpfung der Ölpest frei. Zuvor hatten die ersten kleineren Ölteppiche die Küsten der Inseln Santa Cruz und Santa Fe erreicht. Helfer hätten bisher 33 ölverschmierte Vögel und elf Seelöwen behandelt, hieß es. Weitere 40 Blaufußtölpel, eine nur auf den Inseln im Pazifik vorkommende Vogelart, seien evakuiert worden.

Das Tankschiff "Jessica" war bereits am Dienstag vergangener Woche vor der Insel San Cristobal auf eine Sandbank gelaufen. Bisher seien fast 800.000 Liter Treibstoff aus dem altersschwachen Schiff ausgetreten, berichteten die Behörden. Rund 227.000 Liter Öl wurden über das Wochenende aus dem Tanker abgepumpt. Eine Spezialeinheit der US-Küstenwacht pumpte am Montag weitere rund 38.000 Liter Diesel ab, so dass sich nur noch etwa 37.000 Liter in dem Schiff befinden. US-Experten warnten unterdessen, das Tankschiff könne jederzeit auseinander brechen oder sinken.

Rodolfo Rendon, Umweltminister Ecuadors, zu dem die Inseln im Pazifik gehören, bat erneut um internationale Hilfe. "Es wird gesagt, die Inseln gehörten der ganzen Welt. Mal sehen, ob das stimmt." Die einzigartige Flora und Fauna der Pazifik-Inseln sei ernsthaft in Gefahr, warnte Rendon. Der Unfall werde dauerhafte Schäden nach sich ziehen.

Vor Ort wurde jedoch kritisiert, die Regierung habe mit der Anforderung ausländischer Hilfe zu lange gewartet. Offenbar sei die Gefahr, die vom havarierten Schiff ausgeht, unterschätzt worden. Außerdem habe die Regierung die Kosten ausländischer Hilfe gescheut, kritisierten lokale Medien.

Die Strömung treibt den Ölteppich nach Süden, so dass dieser binnen Tagen die Insel Espanola erreichen könnte, auf der sich große Kolonien von Seelöwen und anderen Meerestieren befinden. Als viel gefährlicher werteten Experten vor Ort aber den Umstand, dass Teile des Ölteppichs inzwischen auch nach Westen driften, wo sich die Mehrzahl der Inseln befindet.

Carlos Valle von der Naturschutzorganisation WWF in Ecuador sagte, die am stärksten bedrohten Tiere seien Blaufußtölpel, Fregattvögel und andere Seevögel. Dagegen seien die vom Aussterben bedrohten Galapagos-Pinguine noch nicht gefährdet, da sie im äußersten Westen der Inselgruppe lebten. Auch die berühmten Riesenschildkröten seien zunächst nicht in Gefahr. Sie leben im Hochland und kommen nur zum Ablegen ihrer Eier in küstennahe Regionen.

Die Galapagos-Inseln etwa 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors wurden 1535 von den Spaniern entdeckt und 1832 von Ecuador in Besitz genommen. Wegen der langen Abgeschiedenheit haben sich dort zahlreiche einzigartige Tierarten entwickelt. Darwin studierte die Tier- und Pflanzenwelt 1835 und erhielt dabei wesentliche Anregungen für seine Abstammungslehre.