Traumstart "Odyssey" ist unterwegs zum Mars
Cape Canaveral - Die amerikanische Raumsonde "2001 Mars Odyssey" hat sich am Wochenende nach einem Bilderbuchstart einer Delta-II-Rakete auf den langen Weg zum Roten Planeten gemacht. Der Auftakt der über sechs Monate langen und 460 Millionen Kilometer weiten Reise verlief "absolut atemberaubend perfekt", wie ein Nasa-Vertreter jubelte. Die Trägerrakete mit ihrer wertvollen Fracht war am Samstag wie geplant im 17.02 MESZ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida gestartet.
Während des Starts hatte in Cape Canaveral nervöse Anspannung geherrscht. "Mein Herz ist mir in die Hose gerutscht", bekannte Jim Garvin von der Nasa-Projektleitung. "Viele von uns haben sicher seit Tagen vor Aufregung kaum geschlafen." Jubel brandete auf, als eine Außerkamera lieferte.
Interaktive Grafik: Die Module der "Odyssey"-Sonde
Doch alle Beteiligten wissen, dass der schwierigste Teil noch kommt. "Absolut fantastisch", nannte Ed Weiler, der wissenschaftliche Direktor der Nasa, den Start, fügte aber sogleich hinzu: "Das war nur der erste Schritt." Nach zwei gescheiterten Mars-Missionen in Folge braucht die Nasa diesmal einen Erfolg, um ihren ramponierten Ruf wiederherzustellen.
Feuerball: Die Delta-II-Rakete verlässt die Startrampe 17A
Foto: Nasa
Sekunden nach dem Start: Die Rakete pflügt durch den strahlend blauen Himmel
Foto: AP
Attraktion: Der Ort Jetty Park südlich von Cape Canaveral ist ein bevorzugter Platz, um Raketenstarts live zu erleben
Foto: DPA
Benannt wurde die Sonde "Mars Odyssey" nach dem legendären Roman "2001: A Space Odyssey" von Arthur C. Clarke. Aber eine Odyssee, eine Irrfahrt, soll es auf keinen Fall werden. Die Nasa-Ingenieure haben nach dem kläglichen Scheitern der letzten beiden Marsmissionen alle Tests mehrfach ausgeführt. Millionen Dollar wurden dafür zusätzlich bereit gestellt. "Darüber hinaus weiß ich nicht, was wir noch tun könnten", so Weiler. "Diese Mission muss erfolgreich sein, keine Frage."
Eine halbe Stunde nach dem Start verließ die "Odyssey" wie geplant die Umlaufbahn der Erde. 23 Minuten später wurde von Teleskopen im australischen Canberra die ersten Signale der Sonde aufgefangen. Sie zeigten, so die Nasa-Verantwortlichen, dass an Bord des Orbiters alles seinen gewohnten Gang gehe.
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Nach Berechnungen der US-Weltraumbehörde wird das rund 700 Kilogramm schwere Raumfahrzeug in der Größe eines Kleinwagens um den 24. Oktober in eine Mars-Umlaufbahn einschwenken. Weitere 76 Tage dauert es dann, bis die Sonde den geplanten kreisförmigen Orbit rund 400 Kilometer über der Marsoberfläche erreicht hat. Danach können Forschungen beginnen, die rund zweieinhalb Jahre dauern sollen. Eine Landung ist nicht geplant.
Hauptziel des rund 650 Millionen Mark teuren Einsatzes ist die Suche nach den Grundlagen für Leben, wie der Geologe Phil Christensen der University of Arizona erklärte. Die Sonde werde deshalb auf dem Mars unter anderem nach Wasser Ausschau halten. Außerdem sollen neue Bilder bei der Suche nach einem geeigneten Landeplatz für künftige Raumfahrzeuge dienen.
Christensen hofft, auf dem Mars heiße Quellen zu entdecken, die als Landepunkte ideal wären. Mit Infrarotkameras wollen die Forscher nach warmen Stellen auf der dunklen und kalten Seite des Planeten suchen. Die Instrumente an Bord sollen den Mars nach silikathaltigen Steinen absuchen und Mineralien im Boden identifizieren. Außerdem soll die Strahlung gemessen werden, um zukünftige bemannte Missionen besser zu schützen.
Auch die beiden letzten Marsmissionen der Nasa hatten einen glänzenden Start. Doch dann verschwand der 125 Millionen Dollar teure "Mars Climate Orbiter" im All - aufgrund eines Einheiten-Fehlers bei der Programmierung des Bordcomputers. Nur zehn Wochen später riss der Kontakt zur 165 Millionen Dollar teuren Raumsonde "Mars Polar Lander" ab. Vermutlich wurde beim Landeanflug ein Triebwerk zu früh abgeschaltet.
Ein weiterer Misserfolg würde höchstwahrscheinlich das Ende des Marsprogramms der Nasa bedeuten. Klappt dagegen alles, könnte die Weltraumbehörde im Jahr 2003 im kurzen Abstand zwei Landeroboter zum Roten Planeten schicken, die gleichzeitig über dessen Oberfläche rollen. Frühestens im Jahr 2011 sollen dann Bodenproben vom Mars auf die Erde zurückgebracht werden.