Physik-Nobelpreis: Deutscher Forscher unter den Geehrten - DER SPIEGEL
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Physik-Nobelpreis Deutscher Forscher unter den Geehrten

Für ihre Schaffung eines neuen Materiezustands, des so genannten Bose-Einstein-Kondensats, teilen sich drei Forscher den diesjährigen Physik-Nobelpreis. Unter den Laureaten ist auch der gebürtige Heidelberger Wolfgang Ketterle.
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Neben Ketterle teilen sich die beiden US-Forscher Eric A. Cornell und Carl E. Wieman die prestigeträchtige Auszeichnung. Wie die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mitteilte, ist es den diesjährigen Preisträgern gelungen, Materie ähnlich wie in einem Laser im Gleichtakt schwingen zu lassen. Die Physiker hätten Atome dazu gebracht, "unisono zu singen" und damit einen neuen Materiezustand, das Bose-Einstein-Kondensat (BEC), entdeckt.

Das Kondensat ist neben fest, flüssig, gasförmig und dem Plasma die fünfte Erscheinungsform von Materie. Es wurde bereits 1924 von Albert Einstein und seinem indischen Kollegen Satyendra Bose vorhergesagt. Die beiden stellten die Theorie auf, dass sich eine Vielzahl von Atomen nahe dem absoluten Nullpunkt wie ein einziges Superteilchen verhalten können. Ein Zustand, den die beiden passenderweise Bose-Einstein-Kondensat nannten. Der Prozess ähnelt dem, der abläuft, wenn Flüssigkeitstropfen aus einem Gas gebildet werden und wird deswegen Kondensation genannt.

Es sollte 70 Jahre dauern bis es den diesjährigen Nobelpreisträgern im Jahr 1995 gelang, den extremen Materienzustand herzustellen. Cornell und Wieman erzeugten ein reines Kondensat aus rund 2000 Rubidiumatomen bei einer Temperatur von 20 Nanokelvin - nur knapp über dem absoluten Nullpunkt.

Unabhängig von Cornells und Wiemans Arbeiten führte Ketterle entsprechende Experimente mit Natriumatomen durch. Ketterles Kondensate enthielten mehr Atome und konnten deswegen dazu verwendet werden, das Phänomen näher zu untersuchen. Ketterle konnte zudem einen Strahl aus kleinen "BEC-Tropfen" erzeugen, die auf Grund der Schwerkraft herunterfielen. Das kann, so die schwedische Akademie, als Ausgangspunkt eines "Laserstrahls" gesehen werden, der aus Materie und nicht aus Licht besteht.

Wolfgang Ketterle wurde 1957 in Heidelberg geboren, lehrt aber bereits seit 1990 in den USA. Er promovierte 1986 an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und am Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching. Mittlerweile arbeitet Ketterle als Professor am renommierten Massachusetts Institute of Technology in Cambridge.

Damit geht im vierten Jahr in Folge ein wissenschaftlicher Nobelpreis an einen gebürtigen Deutschen, der in den USA forscht. Im vergangenen Jahr hatte der in Weimar geborene Herbert Kroemer den Preis erhalten, der ebenfalls in den USA arbeitet. Eric Cornell und Carl Wieman lehren beide an der University of Colorado in Boulder.

Die höchste Auszeichnung für Physiker ist in diesem Jahr mit umgerechnet mehr als zwei Millionen Mark dotiert. Die Nobelpreise werden traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel (1833 bis 1896), überreicht.

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