Radarmessung Mars-Wüste verbirgt alte, raue Kruste
Roter Staub und sonst kaum etwas - so zeigen Bilder die Marsoberfläche als Wüstenlandschaft. Darunter verbirgt sich jedoch ein anderer Mars. Mit einem Radargerät an Bord der europäischen Raumsonde "Mars Express" haben Forscher jetzt Echos aufgefangen, die unter anderem auf uralte Krater unter der Oberfläche deuten.
Unter 14 Prozent der Ebenen-Fläche auf der Nordhalbkugel des Mars habe man verborgene Einschlagskrater entdeckt. Ihr Durchmesser liege zwischen 130 und 470 Kilometern, berichtet ein Team italienischer und US-amerikanischer Forscher im Wissenschaftsmagazin "Nature".
"Das ist beinahe so, als hätte man eine Röntgenansicht", sagte Thomas Watters vom National Air and Space Museum in Washington D. C. Die für Laien nur schwer zu interpretierenden Schwarzweißbilder von Radarechos haben sie am Computer so umgerechnet, dass die etwaigen Umrisse der begrabenen Krater sichtbar werden. Auf einem Foto von der Oberfläche des Planeten haben die Forscher die verborgenen Krater als weiße Kreise eingezeichnet. Hier ist leicht zu sehen: Das sind einige.
"Diese Ergebnisse sind ebenso interessant wie beispiellos", sagte Giovanni Picardi, Marsis-Forschungsleiter von der römischen Universität La Sapienza. "Marsis kann uns durch die Analyse des Untergrunds helfen, die Mars-Geologie zu verstehen."
Eines der beständigsten Geheimnisse der Mars-Evolution
Da gibt es vor allem einen Unterschied zur Erde, den Planetenforscher einfach nicht verstehen: Während fast die gesamte Südhalbkugel des Mars eine raue, gebirgige Oberfläche aufweist, ziehen sich über weite Flächen der Nordhalbkugel glattere tiefe Ebenen. Am Jet Propulsion Laboratory der US-Raumfahrtbehörde Nasa im kalifornischen Pasadena spricht man von "einem der beständigsten Geheimnisse der geologischen Evolution des Planeten".
Wissenschaftler nehmen als einfache Faustregel: Je mehr Krater - in Folge von Einschlägen durch kosmisches Bombardement - eine Oberfläche aufweist, desto älter ist sie. Auf der Erde sind die meisten dieser Schäden aus der Frühzeit des Planeten wieder verschwunden. In der südlichen Hemisphäre des Mars sind sie noch klar zu erkennen. Nur: Ist der Norden von Lava überdeckt worden, gab es Plattentektonik oder liegt der halbe Planet unter der Staubschicht, die ein Super-Einschlag aufgewirbelt hat? Um diese Fragen beantworten zu können, ist es entscheidend, das Alter der Planetenkruste zu bestimmen, die da überdeckt worden ist. Da hilft es enorm weiter, wenn die Wissenschaftler nun eine Vorstellung von der Menge und größer bedeckter Einschlagskrater erlangen.
Die Kruste sei alt, schreiben Watters, Picardi und ihre Kollegen: "Auf der Grundlage der Marsis-Daten schließen wir, dass die Kruste unter den nördlichen Ebenen wenigstens so alt ist wie die älteste freiliegende Hochland-Kruste."
Aber auch an der Oberfläche hat der Mars Überraschungen zu bieten: Ebenfalls in "Nature" hatten US-Forscher erst vergangene Woche von jungen Wasserspuren auf dem Nachbarplaneten berichtet.
stx