Vorstellung: BMW 7er 2019
Nach drei Jahren überarbeitet BMW sein Topmodell, die 7er-Reihe. Teilweise wächst die Leistung beträchtlich, die Niere in jedem Fall auch, was nicht jedermann als einen ästhetischen Gewinn ansehen dürfte
(Bild: BMW)
Begleitschreiben zu Autoneuheiten haben oftmals einen sehr eigenen Blick auf die wirklich erwähnenswerten Dinge. Im Falle des pragmatischen Opel Zafira versuchten die Verfasser, die Aufmerksamkeit auf die „frech herausgestellten Radhäuser“ zu lenken. Ohne diesen Hinweis wäre die Gefahr wohl groß gewesen, dieses Highlight zu übersehen. Die BMW-Autoren verkündet nicht ohne Stolz, die Niere an der Front um 40 Prozent vergrößert zu haben. Doch schien angesichts der bisherigen Ausmaße eine weitere Ausdehnung nicht zwingend erforderlich. Dabei hat sich BMW durchaus um relevante Dinge gekümmert.
Asiatische Vorlieben
Ob die große Limousine dabei optisch gewonnen hat, ist sicher eine Frage des Geschmacks. Mir scheint die Gestaltung wieder einen Schritt hin zu asiatischen Vorlieben gemacht zu haben. Besonders heftig ist der Eingriff an der Front: Eine größere Niere, kleinere Scheinwerfer, etwas Chrom und ein paar neue Kanten in der Haube lassen den Wagen prägnanter, aber meiner Ansicht auch weniger elegant erscheinen. Hinten wurden die Leuchten etwas flacher. Eine dreiteilige Chromblende stellt zwischen beiden Endrohre rechts und links eine optische Verbindung her.
Vorstellung: BMW 7er 2019 (25 Bilder)

Innen übernimmt der überarbeitete 7er teilweise Elemente jener Gestaltung, die mit dem 2018 vorgestellten 8er erstmals gezeigt wurde. Dazu gehört ein neues Kombiinstrument mit Halbkreisen für Tempo und Drehzahl. Traditionalisten und Fans alter BMW-Markenwerte werden sich mehrheitlich vermutlich mit Schaudern abwenden, doch dadurch lässt sich BMW vom Weg in die Zukunft nicht abbringen.
Zu dieser Zukunft gehört auch das aktuelle Infotainmentsystem "Operating System 7.0". Es ist schon aus anderen Modellen bekannt und bietet nicht nur noch mehr Funktionen, sondern vor allem eine stark ausgebaute Sprachsteuerung. Dies scheint ein vernünftiger Weg zu sein, die komplexer werdenden Systeme überhaupt noch bedienen zu können. Zumal die Sprachsteuerungen immer verständiger werden. In Konkurrenz dazu steht die Gestensteuerung, die uns in 520d Touring (Test) und M550d (Test) nicht überzeugt hat, um es einmal sehr freundlich zu auszudrücken. Bis diese das Gehampel vor dem Bildschirm richtig interpretiert hat, ist meistens ein schnellerer Weg gefunden – beispielsweise über die nahezu frei belegbaren Favoritentasten, an denen BMW dankenswerterweise festhält.
Leiser
Ohne Zuzahlung gibt es eine bessere Geräuschdämmung, zumindest teilweise. Alle 7er bekommen Veränderungen an B-Säulen, hinteren Radhäusern und Gurtaustritten im Fond. Hinzu kommt dickeres Glas für die hinteren Scheiben an Seiten und Heck. Diese Komfortverglasung wird bei einigen Modellen serienmäßig sein, bei einigen Aufpreis kosten.
Größeren Handlungsbedarf gab es bei den Motoren. BMW hatte im Frühjahr 2018 alle Benziner vorübergehend aus dem 7er-Programm genommen. Grund dafür waren die strengeren Grenzwerte für den Feinstaubausstoß, die im Rahmen der Abgasnorm Euro 6c für Benzin-Direkteinspritzer eingeführt wurden. Erst jetzt bekommen die 7er-Benziner einen Partikelfilter. Bei die Dieselmotoren bleibt es bei der Kombination aus Speicher- und SCR-Kat. Zum Verkaufsstart wird das Motorenprogramm wie folgt aussehen:
Benziner
750i / 750Li V8 530 PS
M760Li xDrive V12 585 PS
Dieselmotoren
730d R6 265 PS
740d R6 320 PS
750d R6 400 PS
Plug-in-Hybrid
745e R6 394 PS Systemleistung
Der V12 leistet damit 25 PS weniger als bisher, bietet aber mit 850 immerhin 50 Nm mehr Drehmoment. Die Eckdaten lauten: 3,8 Sekunden im Standardsprint, bis zu 305 km/h Höchstgeschwindigkeit und 12,4 Liter im WLTP.
Mehr tut sich beim Plug-in-Hybrid im 745e, der deutlich kräftiger wird als bisher. Der E-Motor bleibt unverändert, er leistet weiter 83 kW. Der Benziner ist künftig kein Vier-, sondern ein Sechszylinder mit 210 statt 190 kW. Die Systemleistung steigt damit von 240 kW (326 PS) auf 290 kW (394 PS). Weil die Frage immer mal wieder auftaucht: Die Systemleistung ist nicht zwangsläufig die Addition der Spitzenleistung beider Motoren, weil diese oftmals bei unterschiedlichen Drehzahlen anfällt. Die elektrische Reichweite liegt je nach Ausführung im Zyklus zwischen 50 und 58 km. Bisher waren es 45 bis 48 km, der Fortschritt ist also denkbar gering. Die Brutto-Kapazität der Batterie steigt von 9,2 auf 12 kWh.
Zwei Fragen aus der Distanz
Betrachtet man den 745e aus einer gewissen Distanz, bleiben mindestens zwei Fragen übrig. Ein Anstieg der Systemleistung um 50 kW verbessert die Fahrleistungen kaum: Auf Tempo 100 beschleunigt die Limousine mit nun 5,2 gerade einmal 0,2 Sekunden schneller als bisher. Ein um knapp 100 kg gestiegenes Leergewicht dürfte daran seinen Anteil haben. Ist das ein Fortschritt, der schwerer wiegt als ein Feigenblatt?
Losgelöst davon stellt sich zudem auch hier die Systemfrage. Ein Plug-in-Hybrid spart vor allem, wenn er im Kurzstreckenbetrieb, also innerhalb seiner elektrischen Reichweite, auch tatsächlich elektrisch betrieben wird. Vermutlich ist genau dieses Szenario für eine schwere Luxuslimousine aber die absolute Ausnahme. Wie bei der ähnlich konzipierten Konkurrenz stellt sich die Frage, ob die Hybrid-Zyste, abgesehen von einem guten Gefühl, in der Gesamtbilanz etwas bringt. Die Antwort dürfte leichtfallen.
Starker V8
Stärker als der Hybrid legt der neue V8-Benziner zu. Gegenüber seinem mit 330 kW (450 PS) gewiss nicht schwächlichen Vorgänger steigt die Spitzenleistung um 60 kW auf nun 390 kW (530 PS). Anders ausgedrückt: Weniger als 530 PS gibt es im 7er zumindest vorerst nur, wer einen Hybrid oder einen Diesel kauft. Wir vermuten, dass sich bis Ende des Jahres dieser Umstand mit einem 730i und/oder 740i noch ändern wird. (mfz)