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Gespräch mit Hans-Joachim Stuck

Beim Edelweiß-Bergpreis im September konnten wir mit Hans-Joachim Stuck kurz im Fahrerlager sprechen. Es ging über vor allem um Bergrennen, seine Zeit mit Derek Bell und was er am Rennsport heute ändern würde

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Porsche
Lesezeit: 7 Min.
Von
  • Christian Lorenz
Inhaltsverzeichnis

An den Edelweiß-Bergpreis am Rossfeld in Berchtesgaden am 25. September 2016 erinnern wir uns mit großer Freude zurück. Wir feierten die Bergpreise, die bis in die 70er Jahre hochkarätigen Motorsport boten, bei bestem Alpenwetter mit einer Vielzahl an traumhaften Klassikern, die enthusiastisch den Berg hochgetrieben wurden. Unter anderem von Stars wie Walter Röhrl und Hans-Joachim Stuck. Stuck pfeilte Europas schönste Hochalpenstraße mit einem ebenso raren wie wertvollen Porsche 356 B 2000 GS-GT Coupé „Dreikantschaber” hinauf. Im Fahrerlager konnten wir kurz mit ihm sprechen.

Christian Lorenz: Wir sind hier am Internationalen Edelweiss-Bergpreis am Rossfeld. Wie gefällt Ihnen die Veranstaltung?

Gespräch mit Hans-Joachim Stuck (8 Bilder)

Porsche 356 B 2000 GS Carrera GT bei der Targa Florio 1963

Der Porsche 356 B 2000 GS Carrera GT mit Alu-Leichtbau-Karosserie und dem auf 155 PS auffrisierten 2-Liter-Königswellen-Vierzylinder aus dem Top-356 Carrera GS belegte 1963 den dritten Gesamtrang bei der Targa Florio. Wegen seiner „untersetzten“ Form wurde er von den Porsche-Technikern „Dreikantschaber“ getauft. Der Rennwagen wurde nicht nur auf Rundstreckenrennen in Europa und den USA, sondern auch bei der GT-Bergmeisterschaft eingesetzt. Da passte es gut, dass ihn Hans-Joachim Stuck beim Edelweiss-Bergpreis am 24./25. September 2016 am Rossfeld in Berchtesgaden fuhr.
(Bild: Porsche)

Hans-Joachim Stuck: Super! Denn am Berg darfst Du Dir überhaupt keinen Fehler erlauben. Da machst Du nur einmal kurz was falsch und das kannst Du dann nie mehr kompensieren. Dann ist es vorbei.

Ja und Ihr Vater, unvergessen, hat doch hier in Berchtesgaden ganz große Erfolge gefeiert.

Ja, klar. Logisch!

Eigentlich sollten Sie ja mit dem 700er BMW von Ihrem Vater hier oben fahren. Den haben Sie ja noch, gell?

Ja, stimmt. Aber so ein Klassiker von Porsche wie der seltene Dreikantschaber ist ja auch nicht so schlecht, oder?

Nein, wirklich nicht. Uns wundert, dass Sie zum ersten Mal hier sind. Sie als Bayer, der die bayerischen Berge liebt, müssen doch eigentlich hierher.

Ja, stimmt schon. Aber es war immer irgendwas los. Aber jetzt freu mich wirklich, dass es mal geklappt hat. Ich genieße das. Das ist wirklich geil hier.

Herr Stuck, Sie sind ja quasi in der Eifel aufgewachsen?

Naa, ich bin Bayer und Tiroler. Ich komme aus den Bergen.

Christian Lorenz: Nein, ich meine, Sie haben schon von ganz frühen Kindesbeinen an mit Ihrem Vater den Nürburgring quasi internalisiert.

Hans-Joachim Stuck: Ach so, ja. Das stimmt. Mit neun Jahren hab ich zum ersten Mal selbst am Steuer eine Runde auf der Nordschleife gedreht. Viele können das nicht von sich behaupten.

Wir waren dieses Jahr auf dem Nürburgring, um jemanden zu treffen, den Sie, glaub ich, ganz gut kennen: Derek Bell.

Den Derek? Echt? Das ist ja super. Was hat der da gemacht?

Der war für Porsche auf dem diesjährigen Oldtimer Grand Prix.

Hat er was über mich erzählt? Wahrscheinlich nur Schlechtes, oder?

Nein,nein im Gegenteil! Er hat gesagt, dass Sie und Jackie Ickx seine beiden beeindruckendsten Teamkollegen waren. Und das, obwohl Sie so unterschiedliche Charaktere waren. Ich meine, Sie sind ja so ein Gaudibursch. Und er ist so reserviert.

So ein Schmarrn! Der Derek ist doch auch ein richtiger Gaudibursch!

Ja, der schon. Ich meine, den Jackie Ickx. Der ist doch ganz anders.

Ach der Jackie! Ja, der ist anders.

Ja, der Derek Bell hat gesagt, mit dem redet man privat gar nichts. Aber das muss man auch nicht.

Nein, muss man nicht. Man fährt zusammen und damit hat sich´s. Das passt schon, kein Problem.

Der Derek Bell hat gesagt, Sie waren zusammen mit Ickx sein Lieblingsteamkollege.

Ja, der Derek war mein allerliebster Teamkollege. Der Derek hat mir damals meinen ersten Sieg auf dem Hockenheimring geschenkt, damals in der Formel 2 …

Christian Lorenz: Ihnen, dem späteren „König von Hockenheim“?

Hans-Joachim Stuck: Ja, das war ich damals noch lange nicht. Da war ich ein Greenhorn. Und da hat mich der Derek zum Sieg geführt. Damals war es so, dass du dich im Windschatten an deinen Vordermann heransaugen konntest. Warst du da mal dran, war der chancenlos, da bist du dann einfach an ihm vorbeigezogen. Darum hast du das natürlich verhindert, dass sich da einer ansaugt. Da hast du schon Mittel und Wege gefunden. Du bist Schlangenlinien gefahren. Hast gebremst und unvermittelt wieder Gas gegeben. Irgendwas hast du gemacht, damit keiner den Windschatten ausnützt. Denn du hast gewusst, dann ist der vorbei. Der Derek hat gar nichts dergleichen gemacht. Im Gegenteil, der hat mich von Anfang bis Ende in seinem Windschatten gezogen und ohne jede Gegenwehr in der letzten Runde überholen und siegen lassen. Ich hab gewonnen und er ist Zweiter geworden.

Das ist schon eine wahnsinnig faire Geste von einem Sportler, oder?

Das ist der Hammer!

Der Derek Bell hat auch erzählt, dass er zuerst etwas nervös war, als Sie zu ihm zu Porsche kamen. Wörtlich hat er gesagt: „Sein Ruf war nicht der beste, alle vier Räder auf der Straße zu halten. Ich hatte Angst, dass er dauernd Unfälle bauen würde.“

Ja, das stimmt (Er lacht.) Wir waren halt wilde Hunde. Du wolltest halt oft schneller fahren, als es das Auto konnte. Und dann warst du halt auch mal neben der Strecke, ganz klar.

Ja, irgendwie musst du dich ja an das Limit herantasten und dann bist du halt auch mal drüber ...

Total logisch, oder?

Originalton Derek Bell: „Die haben den Strietzel mit mir zusammengesteckt, damit ich ihm beibringe, beim Rennfahren auch das Hirn einzuschalten.“

(Lacht laut auf.) Ja, das war schon so. Das kann ich gar nicht bestreiten.

„Aber dann“, hat Derek Bell erzählt, „am Schluss hatten wir perfekte Rennen zusammen. Einfach perfekt! Besser geht’s nicht.“

Oh ja. Das war eine wunderbare Zeit damals.

Christian Lorenz: Ja, und Sie hätten noch viel mehr Rennen gewinnen können, hat Derek Bell erzählt, wenn Sie nicht so viel für Porsche hätten testen müssen.

Hans-Joachim Stuck: Ja, richtig. Wir mussten damals so viele Dinge mit dem Doppelkupplungsgetriebe PDK ausprobieren. Das hat uns schon viele Siege gekostet.

PDK? 1986?

Ja, ja, ja. Bis es im Straßenwagen kam hat´s da natürlich noch eine Zeit gedauert.

Für Bell war ja der Porsche 962C das absolute Lieblingsauto seiner Karriere. Für Sie auch?

Absolut! Ganz klar, nur der 962C. Da muss ich kein bissl überlegen. Das war vom Paket her besser als alles, was es vorher oder nachher gab. Wir waren damals mit dem 962C eine halbe Sekunde schneller als die damalige Formel 1! Da musste alles zusammenpassen.

Ja und in der Gruppe C musste ja sogar auch der Spritverbrauch passen.

Sehen Sie, das finde ich heute an der Formel 1 und den Tourenwagen so schade. Die sollten doch mit diesen Einheitsformeln und technischen Regularien aufhören. Die sollen doch sagen, ein Auto darf soundsoviel Leistung haben, soundsoviel verbrauchen und von mir aus soundsoviel Mindestgewicht haben. Fertig, aus. Dann kann einer z. B. einen Vierzylinder-Turbo machen, der andere nen 8-, 10- oder 12-Zylinder-Sauger, der nächste einen Vollhybrid und wieder ein anderer einen Hochleistungsdiesel. Das wär's doch, oder? Das wär doch wieder geiler Motorsport, oder? (chlo)