Spielfrei
Für Familien scheint ein Auto wie der Touran wie die Quadratur des Kreises: Außen gerade noch kompakt, innen riesig, dabei nicht vollkommen überteuert und mit dem kleinen Diesel potenziell sparsam. Bleibt die Fahrfreude bei soviel Vernunft auf der Strecke?
München, 15. April 2016 – Am Anfang eines Autofahrerlebens scheint die Zeit unendlich zu sein. Jene Zeit, in der Sprüche wie „das Leben ist zu kurz für Autos mit Frontantrieb“ ebenso nah sind wie Gedanken an einen „Pampersbomber“ fern. Die Prioritäten ändern sich mitunter ziemlich plötzlich, was nicht nur eine Frage des Alters ist. Mit mehr als einem Kind mitten in einer Großstadt wird das Verhältnis von äußeren Abmessungen und Platzangebot zu einem wichtigen Kriterium. Schließlich wird man froh über jeden Zentimeter sein, für den man abends keine Parklücke suchen muss. Seit dem Ende von Frontlenker-Minibussen wie dem deutlich kürzeren Mitsubishi L300 beantwortet keine Fahrzeuggattung diese Frage so überzeugend wie ein Minivan. Trotz insgesamt rückläufiger Zulassungszahlen ist ein kleiner Van für Familien noch immer erste Wahl. Marktführer ist seit vielen Jahren der VW Touran, obwohl er dieses Vertrauen gerade in den ersten Jahren nicht Qualität und Zuverlässigkeit gerechtfertigt hat. Im vergangenen Jahr wurde er erstmals auf eine neue Plattform gestellt. Damit hat sich VW reichlich Zeit gelassen, schließlich stammt der Kern des ersten Tourans aus dem Jahr 2003. In der automobilen Zeitrechnung ist das unglaublich lange, was vermuten lässt, dass sich eine Menge verändert hat. In unserem Test bestätigte sich diese Annahme aber nur zum Teil.
Keine Herzensangelegenheit
Aus optischen Gründen dürfte wohl kaum jemand einen Touran kaufen. Der Vorgänger war pragmatisch gestaltet, der Neue ist es auch. Die Form ordnet sich komplett der Funktion unter, was zu einem Auto dieser Klasse passt. Dem Wagen den Charme einer leeren Wäscheleine vorzuwerfen, klingt ziemlich ungerecht, eine Herzensangelegenheit wird er aber optisch wohl nie werden. Dabei hat die Kastenform durchaus Vorteile: Da sie nie modisch war, altert sie optisch auch nicht ganz so schnell. Zudem bietet der Touran mehr Platz als vergleichbar lange Kombis – viel mehr Platz.
Spielfrei (28 Bilder)

(Bild: alle heise/Autos)
Mehr Platz
Der zweite Touran ist rund 11 cm länger als sein Vorgänger. Dieser Zuwachs wurde nahezu komplett in einen längeren Radstand investiert. Schon im Vorgänger herrschte wahrlich kein Platzmangel, und der Neue übertrifft ihn diesbezüglich noch einmal deutlich. Menschen mit langen Beinen werden registrieren, dass sie die Vordersitze ein paar Zentimeter weiter nach hinten schieben lassen. Ein Kollege von mir hat sich einen der letzten alten Touran gesichert, der Unterschied ist deutlich zu merken: Dort finde ich keine Sitzposition, die mich dauerhaft glücklich macht. Im Neuen ist das kein Problem. Die hinteren Sitze lassen sich ebenfalls in einem weiten Bereich verstellen. Mehr Platz bietet in dieser Klasse keiner, für ein deutlich größeres Raumangebot müsste man zu einem Bus wie dem T6 greifen.
Auch ansonsten finden sich einige Unterschiede zwischen neu und alt: Im aktuellen Modell ist die Gestaltung nicht mehr ganz so dröge, wobei sich VW auch hier optisch jeden Anflug von Pfiff verkniffen hat, sieht man einmal vom rahmenslosen Innenspiegel ab, der in dieser Umgebung ein höchst eleganter Fremdkörper ist. Das Display in der Mittelkonsole sitzt nun etwas höher, die Instrumente sind nach wie vor sehr gut ablesbar. Ein Display als Ersatz für das Kombiinstrument ist im Touran noch nicht zu haben, dürfte aber spätestens mit dem Facelift nachgereicht werden.
Mühelos
Wenn etwas beeindruckend am Touran ist, dann ist es die Mühelosigkeit der Bedienung. Egal ob Navigation Musikanlage oder Bordcomputer: Trotz zahlreicher Funktionen erschließt sich fast alles problemlos ohne Handbuch. Der CD-Spieler hat es im Touran wieder aus dem Handschuhfach geschafft, steckt nun allerdings hinter einer Klappe. Das ist zwar etwas besser als in diversen anderen Modellen, weil der CD-Schlitz nun höher ist, wirklich praktisch ist es aber trotzdem nicht.
Dabei ist der Spieltrieb der Ingenieure bin in Details zu merken. Die Leuchte im Außenspiegel, die vor Autos im toten Winkel warnt, lässt sich in der Helligkeit variieren. Der Ton der Einparkhilfe kann in Tonhöhe und Lautstärke geregelt werden – selbstverständlich jeweils getrennt für vorn und hinten. Der Bordcomputer hat drei Zähler: Ab Start, ab Tanken und Langzeit. Die ersten beiden stellen sich automatisch zurück. Das ist alles nicht neu und im Volkswagen-Konzern weit verbreitet, gefällt uns aber immer wieder.
Mitgedacht
Dieses Denken zeigt sich auch in kleinen Details. In den Gurt auf der Beifahrerseite wurde eine Schlaufe eingenäht, sodass die Schlosszunge nie an der B-Säule klappern wird. Hinten verhindert VW das, in dem ein Stück aus der Kunststoffverkleidung ausgespart wird – die Gurtzunge liegt dort auf Teppich. Unter der Mittelarmlehne ist ein Abfallbehälter untergebracht, der sich leicht entnehmen lässt. Im Touran gibt es auch nach wie vor einen einrastenden Blinkerhebel – mir gefällt das. In dieser so durchdachten Umgebung fallen Kleinigkeiten umso mehr auf. Der Kofferraumboden ist höhenverstellbar. Wird die tiefe Position gewählt, ist allerdings das Gepäcknetz im Weg, das dort verstaut wird. Und wie im Passat ist die hintere Verkleidung der Kopfstützen so griffsympathisch wie ein Abflussrohr. Wenigstens gab es hier keine größeren Schnitzer bei der Verarbeitung, sieht man einmal von ein paar schief sitzenden Verkleidungen ab.
Wer einen Touran mit dem kleinen Diesel ordert, sollte mit dem eingangs angedeuteten Thema Fahrdynamik weitgehend abgeschlossen haben. Der Basis-Selbstzünder leistet 110 PS und bietet 250 Nm, die hier schon leer auf 1539 Kilogramm treffen und mit deren Beschleunigung gut zu tun haben. Das ist jenseits der Stadtgrenzen zu spüren und wird vor allem auf der Autobahn überdeutlich. Spätestens ab Tempo 130 legt der Touran nur noch sehr zäh an Geschwindigkeit zu. Mit sehr viel Anlauf erreichte der Testwagen laut Tacho etwas mehr als 180 km/h.
Auf dem schmalen Grat zwischen genug und ein wenig zu wenig fällt der Touran mit dieser Maschine immer in die zweite Kategorie. Das unterscheidet ihn meiner Ansicht beispielsweise vom Superb mit dem 120-PS-Diesel. Auch der ist weit davon entfernt, ein Dynamiker zu sein, doch der Verzicht auf größere Maschinen ist dort nicht ganz so gravierend. Auch der ähnlich konzipierte BMW 216d Gran Tourer fährt sich agiler als dieser Touran.
Aufregende Überholmanöver
Etwas mehr Kraft würde Überholmanöver auf Landstraßen weniger aufregend machen. Der Touran des Kollegen fühlt sich mit dem 140-PS-Diesel sehr viel souveräner an, als es die Leistungsdifferenz vermuten ließe. Dazu tendiert die Schaltempfehlung zu einem gewissen Extremismus. Bei 70 km/h schlägt sie statt des fünften den sechsten Gang vor, was eine Drehzahlreduzierung von etwa 1600 auf 1200/min mit sich bringt. Dann brummt die kleine Maschine ziemlich vernehmlich. Bei gleichmäßigem Tempo auf der Landstraße ist von ihr kaum etwas zu hören, was im Vorgänger-Touran des Kollegen allerdings auch nicht anders ist.
VW verspricht im NEFZ einen Verbrauch von 4,4 Litern. Bei unserer Ausfahrt kamen wir insgesamt auf 5,8 Liter, minimal waren es 4,6 Liter. Der oben erwähnte Touran des Kollegen kam minimal auf 4,8 Liter. Hinzu kommt AdBlue. VW macht es im Touran ebenso richtig wie im Passat TDI: Der Einfüllstutzen für den Harnstoff sitzt hinter derselben Klappe wie der für den Kraftstoff. Damit lassen sich auch die Zapfsäulen für Lkw nutzen, was noch immer der mit Abstand preiswerteste Weg ist, AdBlue zu tanken.
Konflikte vorprogrammiert
Da nun immer mehr Autos diesen Zusatz benötigen, sind allerdings Konflikte vorprogrammiert, denn die Lasterlenker werden sicher nicht begeistert sein, wenn nun haufenweise Pkw-Fahrer dort die Tanksäulen blockieren. Zumal der Touran-Fahrer laut Anleitung nach dem Tanken noch mit eingeschalteter Zündung mindestens 30 Sekunden warten soll, damit das System den Tankvorgang erkennt. Aktuell sind die Preisunterschiede für AdBlue zwischen Zapfsäule, Nachfüllkanister und Händler so groß, dass sich die Lkw-Fahrer auf regen Besuch an ihrer Zapfsäule einstellen müssen.
Der AdBlue-Tank im Touran fasst 11 Liter, was je nach Fahrweise zwischen 6000 und 11.000 Kilometer ausreichen soll. Die große Spanne ergibt sich aus den unterschiedlichen Einsatzbedingungen: Wer ruhig über Landstraßen und Autobahnen fährt, wird weiter kommen als ein Fahrer, der den Touran ständig ausfährt.
Teurer Schein
Neu im Touran sind diverse Assistenten, unter denen allerdings nichts Bahnbrechendes ist. Der Abstandstempomat ist hier nicht so ruppig wie der im BMW X1, was gerade auf Landstraßen sehr angenehm ist. Die Macke, sehr langsam auf vor einem abbiegende Autos zu reagieren, hat aber auch der VW. Das adaptive Fahrwerk bietet spürbare Unterschiede, ich würde das viele Geld trotzdem in andere Extras stecken. In der "Normal"-Abstimmung bietet es ein guten Kompromiss aus fühlbarem Fahrbahnkontakt und Komfort, von der Härte eines BMW Gran Tourer ist der VW weit weg. Sparen kann man sich auch das gute, meines Erachtens aber vollkommen überteuerte Active Lighting System für knapp 2100 Euro. Die „normalen“ LED-Scheinwerfer kosten nicht einmal die Hälfte und leuchten kaum schlechter.
Ein paar Worte hat sich auch die Multimedia-Abteilung redlich verdient. Das in Trendline und Comfortline serienmäßige Radio mit Monochrom-Display hat nur vier Lautsprecher und einen SD-Leser. Für 205 Euro gibt es dann acht Boxen und einen farbigen Bildschirm. Wer 530 Euro investiert bekommt die Topanlage „Composition Media“ und damit endlich auch einen USB-Anschluss. Der Klang der serienmäßigen Lautsprecher ist okay, ein aufpreispflichtiges Soundsystem bietet VW derzeit nicht an.
Für diese Anlage lässt sich dann auch ein Navigationsmodul ordern, was VW mit 555 Euro in Rechnung stellt. Ähnlich wie bei der großen Navigations-Lösung für über 2500 Euro stellt sich nur die Frage, warum man das tun sollte. Sicher, die Sprachsteuerung sorgt mit einer Trefferquote von gefühlten 70 Prozent schon mal für mehr Komfort und auch die Bedienung ist sehr einfach. Doch Kartenupdates sind nur drei Jahre kostenfrei, danach verlangt VW dafür Geld. Und das in der Preisliste beide Systeme mit einem „TMC-Tuner für einen dynamische Zielführung“ beworben werden, wirkt angesichts von kostenlosen Angeboten wie Here, die tatsächlich aktuelle Straßendaten in Echtzeit auswerten, irgendwie hilflos. Hier kann nur geraten werden, diese Preispolitik nicht mitzumachen. Zu diesem Urteil kommen auch die Kollegen von TechStage, die sich mit dem teuren System intensiv beschäftigt haben.
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Viel Geld, wenig Reiz
Denn der Touran ist auch ohne solche Zusätze beileibe kein Schnäppchen. Schon der kleine Diesel kostet mit der Comfortline-Ausstattungslinie immerhin 29.075 Euro. Mit etwas Farbe, einem besseren Radio, LED-Scheinwerfern, Tempomat, Sitzheizung und ein paar Gimmicks kommen schnell noch ein paar Tausender dazu. Der Testwagen kam auf mehr als 40.000 Euro. Viel Geld für ein reizarmes Auto, das in der Vergangenheit seinen Mehrpreis gegenüber Konkurrenten zumindest teilweise mit stabilen Restwerten gerechtfertigt hat. Wie sich das künftig entwickeln wird, lässt sich aktuell kaum vorhersagen, hat VW doch einiges an Vertrauen verspielt. Wer das Thema ganz pragmatisch angeht, wird bei der Konkurrenz ähnliche Autos für weniger Geld bekommen. Doch das war bisher schon so und hat an der Vormachtstellung des Touran nichts verändert.
VW hat die Kosten für die Überführung übernommen, der Autor jene für den Kraftstoff.
Datenblatt
| Motorart | Tubrodiesel mit Commonrail-Einspritzung |
| Zylinder | 4 |
| Ventile pro Zylinder | 4 |
| Hubraum in ccm | 1598 |
| Leistung in PS | 110 |
| Leistung in kW | 81 |
| bei U/min | 3200 bis 4000 |
| Drehmoment in Nm | 250 |
| bei U/min | 1500 bis 3000 |
| Antrieb | vorn |
| Gänge | 6 |
| Getriebe | Schaltgetriebe |
| Spurweite vorn in mm | 1569 |
| Spurweite hinten in mm | 1542 |
| Wendekreis in m | 11,5 |
| Lenkung | elektromechanische Servolenkung |
| Länge in mm | 4527 |
| Breite in mm | 1829 (2087 mit Außenspiegeln) |
| Höhe in mm | 1659 |
| Radstand in mm | 2791 |
| Leergewicht in kg nach EU inklusive 68 kg Fahrer und 7 kg Gepäck | 1539 |
| Zuladung in kg | 696 |
| Kofferraumvolumen in Liter | 834 (hintere Sitze ganz nach vorn geschoben) |
| Maximales Kofferraumvolumen in Liter | 1980 |
| Anhängelast, gebremst in kg | 1500 |
| Dachlast in kg | 75 |
| Tankinhalt in Liter | 58 (+ 11 Liter AdBlue) |
| Höchstgeschwindigkeit in km/h | 187 |
| Beschleunigung 0-100 km/h in Sekunden | 11,9 |
| EG-Gesamtverbrauch in Liter/100 km | 4,4 |
| EG-Verbrauch innerorts in Liter/100 km | 5,2 |
| EG-Verbrauch außerorts in Liter/100 km | 3,9 |
| Testverbrauch Minimum in Liter/100 km | 4,6 |
| Testverbrauch Gesamt in Liter/100 km | 6,2 |
| Schadstoffklasse | Euro 6 |
| Modell | VW Touran 1.6 TDI |
Preisliste
| Lederausstattung | 2405 |
| Tempomat | 215 |
| Parkpilot | 570 |
| adaptive Fahrwerksregelung | 1035 |
| Digitalradio (DAB+) | 240 |
| LED-Scheinwerfer | 985 |
| Active Light System | 2015 |
| Schlüsselloses Zugangssystem | 385 |
| Parkpilot | 570 |
| adaptive Fahrwerksregelung | 1035 |
| Digitalradio (DAB+) | 240 |
| LED-Scheinwerfer | 985 |
| Active Light System | 2015 |
| Schlüsselloses Zugangssystem | 385 |
| Modell | VW Touran 1.6 TDI Comfortline |
| Automatikgetriebe | 1900 (7-Gang-DSG) |
| Parkpilot | 570 |
| adaptive Fahrwerksregelung | 1035 |
| Digitalradio (DAB+) | 240 |
| LED-Scheinwerfer | 985 |
| Active Light System | 2015 |
| Schlüsselloses Zugangssystem | 385 |
| Parkpilot | 570 |
| adaptive Fahrwerksregelung | 1035 |
| Digitalradio (DAB+) | 240 |
| LED-Scheinwerfer | 985 |
| Active Light System | 2015 |
| Schlüsselloses Zugangssystem | 385 |
| Parkpilot | 570 |
| adaptive Fahrwerksregelung | 1035 |
| Digitalradio (DAB+) | 240 |
| LED-Scheinwerfer | 985 |
| Active Light System | 2015 |
| Schlüsselloses Zugangssystem | 385 |
| Navigationssystem | ab 1085 (inklusive Radio Composition Media) |
| Seitenairbags hinten | 370 |
| Leichtmetallfelgen | Serie |
| Schiebedach | 1400 |
| Währung | Euro |
| VW Touran 1.6 TDI Trendline | 26.625 |
| Klimaautomatik | 510 |
| Parkpilot | 570 |
| adaptive Fahrwerksregelung | 1035 |
| Digitalradio (DAB+) | 240 |
| LED-Scheinwerfer | 985 |
| Active Light System | 2015 |
| Schlüsselloses Zugangssystem | 385 |
| Parkpilot | 570 |
| adaptive Fahrwerksregelung | 1035 |
| Digitalradio (DAB+) | 240 |
| LED-Scheinwerfer | 985 |
| Active Light System | 2015 |
| Schlüsselloses Zugangssystem | 385 |
| Manuelle Klimaanlage | Serie |
| Xenon-Scheinwerfer | - |
| Metallic-Lackierung | 560 |
| Grundpreis | 29.075 |
| CD-Player | 205 |
(mfz)