Die Neuerungen von Fedora 14
Die neuste Fedora-Version hat Cloud-Ambitionen, dekodiert Jpeg-Dateien schneller und bringt neben dem für die Virtualisierung von Desktop-PCs interessanten SPICE zahlreiche Verbesserungen für Entwickler mit.
- Thorsten Leemhuis
Knapp fünfeinhalb Monate nach der Vorstellung von Fedora 13 (Goddard) hat das Fedora-Projekt nun die Version 14 freigegeben. Die nach dem Physiker Robert B. Laughlin benannte Linux-Distribution besticht wie üblich durch eine recht aktuelle Ausstattung und ein großes Angebot an Open-Source-Software, bringt aber längst nicht so viele Neuerungen wie ihre Vorgänger.
Fedora 14 (Laughlin) (14 Bilder)

Standard-Desktop
Optimiert
Mit der Version 14 ersetzt das maßgeblich von Red Hat gesponserte Fedora-Projekt die Libjpeg durch Libjpeg-Turbo – ein Fork, der durch stärkere Nutzung von MMX- und SSE-Befehlen manche JPG-Dateien mehr als doppelt so schnell dekodieren soll als das Original. Davon profitieren zahlreiche in Fedora enthaltenen Anwendungen, da viele die Bibliothek zur Jpeg-Verarbeitung direkt oder indirekt (über andere Libraries) nutzen.
Das Buzz-Word Cloud-Computing macht auch vor der Community-Distribution nicht halt: Fedora 14 soll direkt zur Freigabe in Amazons Public-Cloud-Service EC2 verfügbar sein. Das Fedora-Projekt will auch zukünftige Versionen dort einpflegen; Hintergründe zu Fedoras Cloud-Ambitionen liefert ein Interview mit dem zuständigen Entwickler Justin Forbes im Fedora-Wiki sowie ein Artikel im News-Bereich von Red Hat.
Zur Desktop-Virtualisierung liefert Fedora 14 nun das ursprünglich von KVM-Macher Qumranet entwickelte SPICE mit. Dieses "Simple Protocol for Independent Computing Environments" bietet zahlreiche Funktionen zur effizienten Kommunikation zwischen virtualisierten Systemen und Rechnern, die den Desktop des Gastsystems ausgeben. Dadurch sollen etwa Thin Clients die Bedienoberfläche virtualisierter RHEL- und Windows-Systeme so performant darstellen, dass auch eine flüssige Wiedergabe von HD-Video und bidirektionale Audio- und Video-Kommunikation gelingen; zudem soll Mehrschirmbetrieb funktionieren und sich Client-seitig angesteckte USB-Geräte im Gastsystem nutzen lassen. Das wird als Hosted Virtual Desktop (HVD) oder Virtual Desktop Infrastructure (VDI) bezeichnet und ist Bestandteil von Red Hat Enterprise Virtualization (RHEV) for Desktops 2.3.
Zur Rechner-Wartung und -verwaltung per Intelligent Platform Management Interface (IPMI) liefert Fedora Ipmiutil mit. Neu dabei ist auch OpenSCAP – eine Open-Source-Implementation des auch von Windows 7 unterstützten Security Content Automation Protocol (SCAP), das eine Reihe von Sicherheitsstandards umfasst, mit denen sich das Sicherheitsmanagement vereinfachen lässt. Weitere Hintergründe zu OpenSCAP in Laughlin liefert ein Artikel bei Red Hat.
Zielgruppe Entwickler
Die vom Fedora-Projekt selbst gepflegte Liste der wichtigsten Neuerungen von Laughlin zählt gleich eine ganze Reihe Verbesserungen auf, die eher Programmierer ansprechen. So liegt jetzt etwa die "erste nützliche und benutzbare Perl-6-Distribution" Rakudo Star bei; auch Compiler und Toolkit zur Programmierung mit D gehören jetzt zum Lieferumfang. Bei der GNU Compiler Collection (GCC) vollzog Fedora den Sprung von Version 4.4.4 auf 4.5.1. Einen Generationswechsel gab es auch bei Eclipse, das in der auch als Helios bekannten Version 3.6 beiliegt; wer lieber mit Netbeans arbeitet, findet das in Version 6.9 vor.
Boost wurde auf Version 1.44.0 aktualisiert, Erlang auf R14. Einige Änderungen an den .debug-Dateien beschleunigen den GNU Debugger (GDB). Neue Funktionen in GDB erleichtern das Aufspüren von Code-Bereichen in Programmen oder Libraries, die verschwenderisch mit dem Speicher umgehen; Hintergründe zu diesen und anderen Verbesserungen rund um GDB liefern ein Artikel und ein Video-Interview mit einem Entwickler auf der News-Seite von Red Hat. Die Entwicklungsumgebung GNUstep findet sich nun ebenfalls in den Paket-Depots von Fedora. Außerdem sind Python 2.7, Perl 5.12 und Ruby 1.8.7 enthalten
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Desktop
OpenOffice liegt in Vorabversion der in Kürze erwarteten Version 3.3 bei, die in Tests zuverlässig arbeitete. Als Standard-Desktopumgebung setzt Fedora auf das im September erschienene GNOME 2.32. Sie stellt den letzten große Versionssprung der 2er-Reihe dar, der vergleichsweise wenig Neuerungen brachte, weil viele Entwickler schon an GNOME 3 arbeiteten – das hatte eigentlich im September erscheinen sollen, wurde dann aber um ein halbes Jahr verschoben. Als einer der Hauptbestandteile von GNOME[ ]3 ist die GNOME-Shell vorgesehen, die schon früheren Fedora-Versionen zu Testzwecken beilag; die mit Laughlin ausgelieferte Version hängt der Entwicklung allerdings mehrere Monate hinterher.
Für KDE-Fans liefert Fedora den Plasma Desktop in Version 4.5.2 mit, der Qt 4.7 verwendet. Die aus dem OLPC-Umfeld hervorgegangene Sugar-Lernoberfläche liegt in der Version 0.90 bei. Keine größeren Versionssprünge gab es bei LXDE und XFCE. Wie bei Fedora üblich gibt es Spins mit den fünf genannten Desktop-Oberflächen.
In den Paket-Depots finden sich auch die von Moblin bekannte und auf Netbooks abgestimmte Desktop-Oberfläche. Ursprünglich hatte sie durch die "Netbook User Experience (UX)" vom Moblin-Nachfolger MeeGo 1.0 ersetzt werden sollen, dieser Plan scheiterte jedoch; auch ein Netbook-Spin kam nicht zustande.
Innerstes
Testareal
Das Fedora-Projekt wird maßgeblich von Red Hat gesponsert, denn Teile der vom Projekt erstellten Distributionen dienen als Basis und Testareal für Komponenten, die das Unternehmen in Red Hat Enterprise Linux und anderen Produkten einsetzt. Das in den kommenden Wochen erwartete Red Hat Enterprise Linux 6 wird allerdings nicht auf Fedora 14, sondern weitgehend auf Fedora 12 und Teilen von 13 basieren, denn die Entwicklung der kurz meist RHEL6 genannten und eher auf Unternehmenskunden ausgerichteten Distribution lief bereits vor Monaten an. Vermutlich sind aber auch einige kleine Teile von Fedora 14 in RHEL 6 enthalten sein; weitere dürften in überarbeitete RHEL-6-Varianten wie die vermutlich im nächste Jahr erscheinende Version 6.1 einfließen.
Der Kernel von Fedora fußt nicht auf der kürzlich freigegeben Linux-Version 2.6.36, sondern auf 2.6.35.6, dessen Basis aus dem August stammt. Im Vergleich zu anderen Distributionen haben die Fedora-Entwickler nur wenige Änderungen integriert, die nicht Bestandteil von Linux-Kernel-Versionen der 35er-Serie sind. Zu den größeren Patches im Fedora-Kernel zählen ein aktualisierter Nouveau-Treiber und das seit langem außerhalb des Kernels gewartete Userspace-Tracing-Framework Utrace; zudem haben die Entwickler zahlreiche der in 2.6.36 eingeflossene Änderungen zur besseren Unterstützung von IR-Fernbedienungen und anderer IR-Hardware aufgenommen.
Wie in früheren Fedora-Versionen lassen die Entwickler die meisten Treiber aus dem Staging-Zweig des Kernels außen vor. In diesem für unfertige oder minderwertige Treiber gedachten Bereich des Kernels liegen mehrere WLAN-Treiber, daher kommt Fedora von Haus aus nicht mit einigen WLAN-Bausteinen zurecht, die OpenSuse oder Ubuntu unterstützen. So fehlen etwa die Treiber für die Realtek-WLAN-Chips 8187SE, 8192SU, RTL8192E und RTL8192U, die sich häufig in Netbooks und günstigen Notebooks finden; dort finden sich häufig auch die Ralink-Chipsätze RT2860, RT2870 oder einer ihrer Nachfolger, für die der Hersteller Open-Source-Treiber entwickelt hat, die Fedora ebenfalls außen vor lässt. Sie lassen sich über RPM Fusion nachinstallieren. Dort gibt es auch ein Treiber-Paket mit einigen der Staging-Treiber – darunter einige mit den Herstellertreibern von Ralink verwandte Treiber sowie solche für die erwähnten WLAN-Chipsätze von Realtek.
Laughlin enthält genau wie seine Vorgänger Unterstützung für das noch in Entwicklung befindliche und als "Next Generation File System for Linux" angedachte Dateisystem Btrfs; wer es bereits während der Installation nutzen möchte, muss den traditionellen Installer verwenden und den Boot-Parameter "btrfs" übergeben. Dem Fedora-Kernel fehlt weiterhin Unterstützung zum Betrieb als Xen-Host (Dom0). Als Standard-Boot-Manager setzt Fedora weiter auf eine Variante von Grub 0.97; eine Vorabversion des bei Ubuntu eingesetzten Grub2 findet sich in den Paket-Depots von Fedora.
Um die Darstellung der grafische Bedienoberfläche kümmert sich ein X-Server auf Basis der im August freigegebenen Version 1.9. Wie üblich befinden sich die proprietären Treiber von AMD und Nvidia nicht im Lieferumfang von Fedora. Der von Nvidia lässt sich über auf Fedora abgestimmte Add-On-Depots wie RPM Fusion nachinstallieren; allerdings ist das Einspielen selbst auf diesem Weg um ein Vielfaches komplizierter als etwa bei Ubuntu.
[pagebreak Update-Policy, Fazit]
Wichtiger Nebenschauplatz
Mit Laughlin bekommen Fedora-Anwender in den nächsten Wochen und Monaten die Auswirkungen der Updates Policy stärker zu spüren, die das Fedora Engineering Steering Committee (FESCo) vor einigen Wochen beschlossen hat. Über dieses nicht gerade kurze Dokument regelt das Projekt, wie die Betreuer der in Fedora paketierten Software bei der Pflege vorgehen sollen.
Eine der Kernaussagen: Die Paket-Betreuer sollen normalerweise keine neuen Software-Versionen mit größeren Änderungen ("Major Updates") als Update an die Nutzer von "Stable Releases" (derzeit: Fedora 12, 13 und 14) herausgeben; vielmehr soll derart aktualisierte Software normalerweise nur in Entwicklerzweige wie "Rawhide" einfließen, aus denen neue Fedora-Version hervorgehen. Diese Vorgehensweise sollen die Paket-Betreuer nach Möglichkeit auch bei Sicherheitsupdates einhalten. Hauptziel des Ganzen: Die Gefahr minimieren, dass die in Fedora enthaltenen Software nach dem Einspielen von Fedora-Updates nicht mehr funktioniert.
Updatefülle
Einen ähnliche, allerdings noch etwas strengere Herangehensweise fahren OpenSuse oder Ubuntu schon immer. Bei Fedora war es in den letzten Jahren anders, denn nicht wenige Paket-Betreuer verteilten neue Versionen einer Software über die Updates an Fedora-Nutzer. Das mit KDE 4.3.2 ausgelieferte Fedora 12 erhielt etwa im Rahmen der System-Aktualisierung mehrere neue Versionen der Desktop-Umgebung und ist kurz vor Lebensende jetzt bei KDE 4.4.5 angelangt. Selbst beim Kernel gab es häufig Sprünge: Fedora 13 erschien mit Linux 2.6.33.3 und nutzt nach dem Einspielen aller Updates den Kernel 2.6.34.7. Es lassen sich hunderte weitere Beispiele für solche Versionssprünge finden. Manche Paket-Betreuer haben aber schon bisher eine eher konservative Update-Strategie genutzt, wie sie die Policy nun vorgibt. Bei Firefox, Thunderbird, OpenOffice, X-Server oder den Bestandteile des GNOME-Desktops etwa gab es bislang meist nur "Minor Version Updates" – das mit Firefox 3.5.4 ausgelieferte Fedora 12 erhält beispielsweise derzeit die Version 3.5.15 über die Fedora-Updates nachgereicht, aber kein Update auf einen Firefox-Browser der 3.6er-Generation.
Ein Teil der in Fedora enthaltenen Anwendungen war dadurch häufig auf einem recht aktuellen Stand; das galt auch noch für Fedora 13, denn die Policy wurde erst kürzlich etabliert. Die kommenden Wochen und Monate müssen zeigen, wie strikt sich die Paket-Betreuer an die Policy halten werden. Zudem plant das Projekt wohl auch Ausnahmen und will vermutlich eine größere Aktualisierung von KDE erlauben.
Positiv machten sich die Versionssprünge bei Fedora vor allem beim Kernel bemerkbar, denn der Wechsel auf neuen Major-Versionen brachte neben zahlreichen neuen Funktionen auch hunderte neue und verbesserte Treiber mit – darunter häufig viele für Hardware, die in den Wochen und Monaten kurz vor und nach der Freigabe der jeweiligen Fedora-Version auf den Markt kam. Der Hardware-Support von Fedora 13 ist dadurch heute besser als zu Anfang. Die Versionssprünge beim Kernel bringen allerdings sehr viel Änderungen mit sich, daher blieb es nicht aus, dass manche Systeme mit den aktualisierten Fedora-Kerneln schlechter liefen als mit dem bei der Veröffentlichung mitgelieferten.
Fazit
Allein schon durch die aktualisierte Software-Ausstattung und den in sieben Monaten auslaufenden Support für den Vorgänger ist Laughlin für Neuinstallationen von Fedora nun erste Wahl. So manchen Fedora-Anwender dürfte auch ein Update reizen, da viele Anwendungen bei Version 14 in frischeren Versionen beiliegen. Die bringen hunderte von Verbesserungen oder Fehlerkorrekturen mit, die in diesem Text nicht explizit Erwähnung finden – die Neuerungen von OpenOffice 3.3 sind nur eines von vielen Beispielen. Nüchtern betrachtet bringt Laughlin allerdings deutlich weniger Verbesserungen als seine Vorgänger. Daran dürfte die Endphase der Entwicklung vor Red Hat Enterprise Linux 6 Schuld sein, die in den vergangenen Monaten viele Fedora-Entwickler beschäftigte, die bei Red Hat in Lohn und Brot stehen.
Fedora 15 entsteht bereits
Parallel zur Fertigstellung von Fedora 14 arbeiteten die Entwickler bereits seit August im fast täglich aktualisierten Entwicklerzweig Rawhide an Fedora 15. Diese unter dem Namen "No Frozen Rawhide" eingeführte Parallelentwicklung nutzt das Fedora-Projekt seit Fedora 13.
Als "so gut wie sicher" für die Version 15 gilt der in Rawhide bereits vollzogenen Umstieg von OpenOffice auf dessen Ende September vorgestellten Fork LibreOffice. Als Sicher gilt auch der Einsatz der SysV-Init- und Upstart-Alternative Systemd, die ursprünglich bereits Bestandteil von Fedora 14 werden sollte und der Distribution als "Technical Preview" beiliegt. Einige weitere Neuerungen von Fedora 15 sind bereits in Planung oder Umsetzung; so wollen die Entwickler das Setuid-Bit bei allen Anwendungen entfernen, um in Zukunft Probleme wie die kürzlich bekannt gewordene Sicherheitslücke in der Glibc zu vermeiden.
Über einen Namen für Fedora 15 wird derzeit abgestimmt; zur Auswahl stehen Asturias, Blarney, Lovelock, Pushcart und Sturgis. Nach den derzeitigen Planungen soll Fedora 15 Anfang Mai nächsten Jahres erscheinen – also einige Wochen nach der Ubuntu-Version 11.04.
Zu diesem Zeitpunkt wird Fedora 14 bereits knapp die Hälfte seiner Lebensdauer hinter sich haben, denn das Fedora-Projekt betreut eine Fedora-Version nur bis ungefähr einen Monat nach Erscheinen der übernächsten Version; das ist in diesem Fall Fedora 16, das in ungefähr einem Jahr erscheinen dürfte. Eine Long Term Stable release, wie Ubuntu es anbietet, wurde im Fedora-Projekt schon mehrfach diskutiert, aber nie angegangen. So manche Fedora-Anwender setzen daher bei konservativ gewarteten Systemen auf Red Hat Enterprise Linux oder dessen kostenlose Nachbauten wie CentOS. Die Distributionen sind eng mit Fedora verwandt, werden mindestens sieben Jahre gepflegt und bekommen im Rahmen der ein bis zwei Mal pro Jahr erscheinenden "Minor Releases" einige Verbesserungen sowie aufgefrischte Treiber-Ausstattung nachgereicht; durch Letzteres arbeiten ein an der Basis ein Jahr oder mehr altes RHEL erheblich besser mit moderner Hardware zusammen als ein vergleichbar altes Debian oder Ubuntu LTS.
[pagebreak Bezugsquellen, Ausbau und Spins]
Anhang
Einige weitere Informationen zu Laughlin sowie Fedora im Allgemeinen:
Bezugsquellen und weitere Informationen
Über die Haupt-Download-Seite oder eine Seite mit einer Übersicht über die wichtigsten Downloads sind ISOs mit dem traditionellen Installer sowie die Spins mit den bekanntesten Desktop-Oberflächen erhältlich. Bei Auswahl über diese Seite erfolgt der Download normalerweise über einen nicht allzu weit vom Anwender entfernen Spiegel-Server, sofern denn ein solcher verfügbar ist; alternativ kann man auch Bittorrent zum Download nutzen. Weitere Spins sind über eine andere Webseite erhältlich, die auch Hintergründe zur Ausstattung und Zielgruppe der Spins liefert.
Über die Fedora-Homepage und einer Subdomain mit Dokumentation zu Fedora finden sich zahlreiche weitere Informationen und Anleitungen zu Fedora 14. Die auf der Dokumentationswebseite erhältlichen Release Notes etwa geben einen Überblick über die wichtige Neuerungen und einige mit ihnen in Verbindung stehenden Detailaspekte. Eine deutsche Version der Release Notes gibt es bislang aber ebensowenig wie vom "Installation Guide". Im englischen Bereich des Projekt-Wikis pflegen die Fedora-Entwickler eine Liste mit häufiger anzutreffenden Problemen von Fedora 14.
Im nebenstehenden Text sind viele Webseiten mit weiteren Informationen zu den angesprochenen Neuerungen bereits verlinkt. Es gibt aber noch weitere – in den "Fedora 14 one page release notes" etwa gibt das Projekt einen hübsch aufbereiteten kurzen Überblick über die wichtigsten Neuerungen, während die Fedora 14 Talking Points und das Release Announcement einen solchen in etwas textlastigerer Form geben. Im Fedora-Wiki finden sich zudem Interviews mit einigen Entwicklern, die Hintergründe zu einigen neuen Funktionen liefern.
Vielfach unvermeidbarer Ausbau
Genau wie seine Vorgänger enthält Fedora 14 von einigen Firmware-Dateien abgesehen nur Software, die unter einer der vom Fedora-Projekt anerkannten Open-Source-Lizenzen steht; Lizenzen, die etwa eine Nutzung der Software im kommerziellen Umfeld verbieten oder die Weitergabe der Software durch Dritte untersagen, schaffen es nicht auf diese Liste. Ferner lässt das Fedora-Projekt auch Software außen vor, die bekanntermaßen durch Patente geschützte Techniken nutzt.
Das alles soll Anwender sowie Dritte, die die Linux-Distribution in modifizierter oder unmodifizierter Form separat oder zusammen mit Hardware vertreiben wollen, vor Ansprüchen durch die Copyright- und Patenthalter schützen. Durch diese Herangehensweise fehlen Fedora 14 jedoch einige Funktionen, auf die viele Anwender im Alltag wert legen. Das beginnt beim Adobe Flash-Player oder den proprietären Grafiktreiber für Nvidia-Grafikchips und macht auch vor Software zur Wiedergabe vieler gängiger Audio- und Video-Formate nicht halt – Letzteres schließt die Unterstützung zum Abspielen von MP3s ein, da die Patentverwertungsfirma Sisvel bekanntermaßen Ansprüche der Rechteinhaber des Formats geltend macht.
Auf Notebooks oder Desktops ist eine Fedora-14-Installation daher erst nach Aktivieren von Paketdepots wirklich einsatzbereit, über die sich so manche der vom Fedora-Projekt ausgeklammerte Software nachinstallieren lässt. Die wohl bekanntesten und meist genutzte Repository für Fedora dürfte die Depots "Free" und "Nonfree" von RPM Fusion sein, die sich nach der Installation mit wenigen Handgriffen aktivieren lassen.
Benötigen auf Gstreamer aufsetzenden Anwendungen wie Totem nach der Konfiguration ein Fedora nicht beiliegendes Plug-in, das RPM Fusion anbietet, dann spielt PackageKit diese nach der Bestätigung einiger Dialoge automatisch ein. Die Installation der proprietären Grafiktreiber von Nvidia erklärt das Projekt in einem Howto.
In RPM Fusion finden sich zwar viele der gängigen und von Fedora ignorierten Anwendungen und Treiber, aber keineswegs alle. Den Adobe Reader oder das Adobe Flash-Plugin etwa bietet das Projekt nicht an, weil die Lizenz der Programme das verbietet; man bezieht sie am besten über das von Adobe selbst gepflegte Paketdepot. Auch Google pflegt ein eigenes Depot, über das man Picasa (nur x86-32), Chrome und den Google Desktop erhält. Einige andere nicht in Fedora oder RPM Fusion enthaltene Software findet sich zudem in andere auf Fedora abgestimmten Paketdepots.
Spins, Remixe und Co.
In den Paket-Depots von Fedora 14 finden sich weit über fünfzehntausend Pakete, die das Fedora-Projekt zu unterschiedlichen Varianten der Distribution kombiniert.
Die umfangreichste Software-Ausstattung und den größten Einfluss auf die Installation bieten die "traditionellen" Installationsmedien, die das Projekt als CD- oder DVD-ISO für x86-32 und x86-64-Systeme zum Download anbietet; eine abgespeckte Variante dieser ISOs ermöglicht ähnlich wie die über boot.fedoraproject.org erhältlichen Boot-Images eine Netzwerkinstallation. Der Anwender kann bei all diesen Varianten die Paketauswahl beeinflussen und etwa zwischen GNOME und KDE wählen; nicht ganz so gängige Anwendungen oder Desktop-Umgebungen wie LXDE oder XFCE sind allerdings nicht auf den CDs und DVDs enthalten, aber direkt während der Installation auswählbar, wenn man die Online-Depots als Installationsquelle aktiviert.
Ferner bietet das Projekt noch verschiedene "Spins" an – als Live-Medien nutzbare ISOs, die auf unterschiedliche Benutzerkreise abgestimmte Software-Zusammenstellungen enthalten. Ähnlich wie eine Installations-CD von Ubuntu eignen sich Spins nicht nur zum gefahrlosen Ausprobieren von Fedora, sondern auch zur Installation auf Festplatte. Anders als beim traditionellen Installer oder bei der Ubuntu-Installations-CD kann man bei dieser Methode allerdings das Dateisystem für die Root-Partition nicht beeinflussen, sondern muss das Standard-Dateisystem Ext4 nutzen – dafür ist diese Installationsmethode mit einem schnellen Quellmedium rasend schnell.
Der dem Projekt wichtigste Spin ist der mit Gnome ausgestattete Desktop-Spin, denn ihm räumt die Haupt-Download-Seite von Fedora den prominentesten Platz ein; die Spins mit KDE, LXDE und XFCE finden sich auf einer Unterseite. Alle vier sind genau wie die Paket-Depots und die ISO-Images der traditionellen Installationsmedien über hunderte von auf der Welt verteilten Spiegel-Server erhältlich.
Über eine dritte Webseite sind weitere Spins verfügbar – etwa der Fedora Design Suite, Security Spin, Sugar on a Stick oder der auf Spiele fokussierten Games Spin. Letztgenannter füllt eine DVD, die meisten anderen Spins passen auf eine CD.
Die ISO-Dateien von Spins lassen sich mit Programmen wie "dd" auch auf einen USB-Stick übertragen und anschließend booten. Wer einen der Fedora-Spins dauerhaft von USB-Stick betreiben möchte, transferiert diese besser mit dem für Linux und Windows erhältlichen und schon für ältere Fedora-Versionen verfügbaren liveusb-creator auf das USB-Speichermedium. Bei dieser Methode lässt sich nämlich einen beim Start des Spins automatisch eingebundenen Speicherbereich anlegen, auf dem die Distribution alle während des Betriebs geschriebenen Daten ablegt – etwa Dokumente sowie nachinstallierte oder aktualisierte Software.
Mit den Programmen im Paket "livecd-tools" und passenden Kickstart-Dateien lassen sich Distributionen auf Basis der in Fedora enthaltenen Pakete relativ einfach selbst erzeugen. Wer solch eine Distribution weiterverbreiten möchte, darf jedoch die geschützten Fedora-Markenzeichen nicht verwenden; das lässt sich durch Austausch dreier Pakete recht einfach umsetzen. Die Namensregeln des Projekts verbieten zudem, solch selbst erstellte Distributionen bei der Weiterverbreitung als Spin zu bezeichnen. Statt dessen legt das Projekt die Bezeichnung "Fedora Remix" nahe, um die Abstammung der Distribution aufzuzeigen, gleichzeitig aber eine Verwechslung mit den verschiedenen Distributions-Varianten des Fedora-Projekts zu vermeiden.
Nur mit den traditionellen Installationsmedien sind voll- oder teil-automatische Installation via Kickstart oder eine Netzwerkinstallation möglich. Mit ihnen gelingt auch die Aktualisierung älterer Fedora-Installationen; ein Update via PreUpgrade dürfte für die meisten Anwender alledings die bessere Lösung sein, denn dieser Weg ist komfortabler, schneller und aktualisiert auch Pakete, die nicht auf den Medien enthalten sind.
Alle Fedora-14-Varianten und üblicherweise auch die Remixe nutzen zur Nachinstallation von Software die gleichen Paket-Depots. Daher kann man auch beim GNOME-Spin die den Plasma Desktop des oder andere Pakete des KDE-Spins nachinstallieren und umgekehrt. Über diese Depots lässt sich auch das bei vielen Spins aus Platzgründen nicht enthaltene OpenOffice nachinstalliert – etwa über folgenden, als root auszuführenden Kommandozeilenbefehl:
yum install \
openoffice.org-{calc,draw,graphicfilter,impress} \
openoffice.org-{writer,xsltfilter,langpack-de}
(thl)