Afghanistan: Taliban führen verschärften Sitten-Kanon in Afghanistan ein - DER SPIEGEL
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Verschleierung, Bartpflicht Taliban führen verschärften Sittenkanon in Afghanistan ein

Seit die Taliban die Macht in Afghanistan wieder übernommen haben, leiden vor allem Mädchen und Frauen. Durch ein neues Gesetz kann die Sittenpolizei künftig noch härter durchgreifen.
Verschleierte Frauen in Kandahar: Härteres Durchgreifen der Sittenpolizei
Verschleierte Frauen in Kandahar: Härteres Durchgreifen der Sittenpolizei

Verschleierte Frauen in Kandahar: Härteres Durchgreifen der Sittenpolizei

Foto: Qudratullah Razwan / EPA

Seit drei Jahren herrschen die radikalislamischen Taliban wieder in Afghanistan, unterdrücken Frauen, verfolgen Andersdenkende, verbrennen Musikinstrumente. Mit einem neuen »Tugend«-Gesetz verschärfen die Islamisten nun erneut Sittenregeln im Land.

Das Gesetz, das unter anderem Verschleierungsvorschriften für Frauen und ein Verbot von Homosexualität enthält, wurde vom obersten Anführer der Taliban, Hai­batullah Akhundzada, bestätigt, wie das Justizministerium am Mittwoch mitteilte. Es war bereits Ende Juli im Amtsblatt veröffentlicht worden.

Mit dem Gesetz wird die Sittenpolizei im Land gestärkt und kann härter durchgreifen. Die Verhaltensrichtlinien bedienen sich einseitig an der Scharia, der Sammlung aller religiösen und rechtlichen Normen im Islam. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass »muslimische Frauen verpflichtet sind, ihr Gesicht und ihren Körper zu bedecken«, wenn sie sich in Gegenwart von Männern befinden, die nicht direkt mit ihnen verwandt sind.

Männer müssen demnach mindestens knielange Hosen anziehen. Zudem müssen sie einen Bart tragen, der nicht zu kurz sein darf. Homosexuelle Beziehungen, Ehebruch und Glücksspiel sind verboten, ebenso wie die Herstellung und das Ansehen von Videos oder Bildern, die Lebewesen zeigen. Versäumte Gebete und Ungehorsam gegenüber den eigenen Eltern können ebenfalls bestraft werden. Medien dürfen dem neuen Gesetz zufolge keine Inhalte verbreiten, die »die Gesetze der Scharia und der Religion« missachten und »Muslime beleidigen«.

Uno berichtet von Klima der Angst

Die Sittenpolizei kann Verstöße mit Verwarnungen, Drohungen, Geldstrafen, einer Untersuchungshaft von bis zu drei Tagen oder weiteren Sanktionen bestrafen. Im Wiederholungsfall können die Beschuldigten vor Gericht gestellt werden.

Die Uno-Unterstützungskommission für Afghanistan (Unama) hatte den Sittenwächtern bereits in der Vergangenheit vorgeworfen, ein »Klima der Angst« in Afghanistan zu schaffen.

Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die radikalislamischen Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und ein sogenanntes islamisches Emirat ausgerufen. Seither setzen sie ihre strenge Auslegung des Islams mit drakonischen Gesetzen durch und beschneiden insbesondere Frauenrechte. International bleiben die Taliban auch weiterhin isoliert. Bislang hat kein Staat die islamistischen Machthaber als formale Regierung Afghanistans anerkannt.

mrc/AFP

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