Alexej, Nawalny, Kreml-Kritiker:
»Euer Ehren, ich schicke Ihnen meine persönliche Kontonummer, damit Sie Ihr riesiges Bundesrichtergehalt verwenden können, um mein persönliches Konto aufzufüllen. Denn mir geht das Geld aus, und dank Ihrer Entscheidungen wird es noch schneller passieren. Schicken Sie es also rüber.«
Ein Scherz – beim letzten Auftritt von Alexej Nawalny in der sibirischen Strafkolonie.
Am Tag darauf die lapidare Mitteilung der Gefängnisbehörde: Der inhaftierte russische Oppositionsführer Alexej Nawalny sei tot, heißt es dort. Nawalny habe sich nach einem Spaziergang am Freitag »unwohl gefühlt« und habe »fast sofort das Bewusstsein verloren«. Es sei medizinisches Personal gerufen worden, das jedoch nicht in der Lage gewesen sei, Nawalny wiederzubeleben.
Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow beteuerte in einer ersten Erklärung Journalisten gegenüber, dass derzeit »alle Ermittlungen und Abklärungen nach den bestehenden Regeln« durchgeführt würden. Auf die Nachfrage nach einer Todesursache - zuckt er mit den Schultern. Nein, das wisse er nicht, das sollen die Ärzte herausfinden.
Der 47-Jährige Nawalny war zu insgesamt mehr als 30 Jahren Haft verurteilt worden. Er war das berühmteste Gesicht der russischen Opposition – und einer, den der Kreml wohl am meisten fürchtete. Erst im Dezember war Nawalny in das Straflager »Polarwolf« nach Sibirien verlegt worden. Die Haftanstalt gilt als eine der härtesten in Russland. Immer wieder hatte Nawalny, Ehemann und Vater von zwei Kindern, fehlende medizinische Hilfe, Schikane und sogar Folter im Straflager beklagt.
Seinen trotzigen Kampf gegen das System wollte er in Russland selbst führen – und nicht vom Ausland aus. Die Entscheidung, im Januar 2021 aus Deutschland in die Heimat zurückzukehren, war Ausdruck davon. An der Berliner Charité hatte er sich zuvor von einem Mordanschlag mit dem Nervengift Nowitschok behandeln lassen. Nach seiner Rückkehr wurde er umgehend festgenommen.
Nawalny hatte Putin stets als »Mörder« bezeichnet. In Berlin äußerte sich der Ukrainische Präsident Selenskyj zur Nachricht von Nawalnys Tod - mit einem ähnlichen Vorwurf:
Wolodomyr Selenskyj, Präsident Ukraine:
»Offensichtlich wurde Alexej Nawalny von Putin getötet, wie Tausende andere, die wegen dieser einen Person gequält und gefoltert wurden.«
Aus dem Straflager heraus prangerte Nawalny seit Beginn von Putins Überfall auf die Ukraine immer wieder russische Kriegsverbrechen an. Er warnte vor allem vor einer bevorstehenden Wiederwahl Putins.