Gefangen in Belarus Lukaschenko begnadigt inhaftierten Deutschen Rico K.
Belarus' Machthaber Alexander Lukaschenko
Foto: Contributor / Getty ImagesDas Todesurteil gegen den in Belarus inhaftierten Deutschen Rico K. wird offenbar doch nicht vollstreckt. Machthaber Alexander Lukaschenko begnadigte K. laut einer Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur Belta nach vorherigen Beratungen. Auch der Telegram-Kanal Pul Perwogo, eine Art Pressestelle Lukaschenkos, berichtete über die Begnadigung. K. hatte Lukaschenko zuvor um eine Begnadigung ersucht.
Der 30-Jährige aus Hildesheim wurde bereits am 24. Juni in der belarussischen Hauptstadt Minsk wegen angeblichen Terrorismus und Söldnertums verurteilt, doch der Schuldspruch wurde erst in der vergangenen Woche bekannt. Rico K. drohte die Hinrichtung durch Erschießen.
Das Auswärtige Amt hatte die Todesstrafe gegen K. verurteilt und mitgeteilt, dass der deutsche Staatsbürger konsularisch betreut werde. Der Umgang mit dem Mann sei »unerträglich«. Wie K. in Belarus landete, ist unklar.
Die Hintergründe des Falls werfen indes weiterhin Rätsel auf. Laut Urteil, das dem SPIEGEL vorliegt, sitzt der Deutsche seit 6. Oktober 2023 in Belarus in Haft. Der recht allgemein formulierten Gerichtsentscheidung zufolge soll K. »Explosionen« herbeigeführt haben. Viel spricht dafür, dass damit ein Vorfall am späten Abend des 5. Oktober 2023 im Minsker Außenbezirk Oserischtsche gemeint ist. Bewohner berichteten damals unabhängigen Medien zufolge von Detonationen an einem Bahngleis. Einen Tag danach sollen laut Belpol ein Deutscher und zwei Belarussen festgenommen worden sein.
In einem Beitrag des Staatsfernsehens hatte Rico K. Lukaschenko zuletzt angefleht, ihm zu verzeihen. Mehrmals wird er in dem Propagandavideo mit der Aussage eingeblendet, dass die Bundesregierung nichts für ihn tue, nicht mit Minsk verhandeln wolle, nur seine Familie für ihn kämpfe. Lukaschenkos Regime versuchte auf perfide Weise, den Druck auf Berlin zu erhöhen.
Belarus vollstreckt als letztes europäisches Land noch Todesurteile
Vermutet wurde, dass Belarus mit der Inhaftierung K.s womöglich versucht, in Deutschland und anderen westlichen Staaten gefangen gehaltene belarussische oder russische Staatsbürger freizupressen. Lukaschenko regiert seit 1994 autokratisch in Minsk und ist ein enger Verbündeter von Russlands Präsident Wladimir Putin.
Es ist das einzige europäische Land, in dem die Todesstrafe noch verhängt und vollstreckt wird. Laut Amnesty International wurden seit Anfang der Neunzigerjahre bis zu 400 Menschen hingerichtet – allerdings nur selten ausländische Staatsbürger.