Muhammad Amdad Hossain / NurPhoto / picture alliance
Im Süden Bangladeschs ziehen Einheimische im September in schmalen Booten zur Ernte von roten Seerosen aus. Die Pflanzen – auf bengalisch »Shapla« genannt und in der weiß blühenden Variante im Staatswappen verewigt – wachsen reichlich in dem von Flüssen durchzogenen Land. Der Verkauf der als Dekoration oder zum Kochen genutzten Blüten ist für viele Menschen in den ländlichen Regionen eine wichtige Einnahmequelle. Doch das idyllische Blütenpflücken fernab der Städte täuscht leicht über die dramatischen Ereignisse hinweg, die den Staat mit rund 170 Millionen Einwohnern noch wenige Wochen zuvor erschütterten.
Studenten hatten die Aufhebung einer Quotenregelung gefordert, die Angehörige ehemaliger Unabhängigkeitskämpfer bei der Vergabe von Jobs im öffentlichen Dienst bevorteilte. Die autokratisch regierende Premierministerin Sheikh Hasina ließ die Proteste gewaltsam niederschlagen, Hunderte Menschen wurden getötet. Die Krise verschärfte sich immer weiter: Am 5. August erstürmten Demonstranten Hasinas Residenz. Das Militär übernahm die Kontrolle. Kurz darauf wurde eine Übergangsregierung unter Führung des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus gebildet.