Boris Johnson über seinen Abschied: »Werde bald erhobenen Hauptes gehen« - DER SPIEGEL
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Boris Johnson über seinen Abschied »Ich werde bald gehen, erhobenen Hauptes«

Seine Zeit in 10 Downing Street war von Skandalen geprägt, dennoch empfindet Boris Johnson »Stolz« auf seine Amtsführung. Der Kampf um seine Nachfolge tobt weiter, Favoriten zeichnen sich ab.
Britischer Premier Boris Johnson
Britischer Premier Boris Johnson

Britischer Premier Boris Johnson

Foto: Toby Melville / REUTERS

Das Rennen um die Nachfolge des scheidenden britischen Regierungschefs Boris Johnson ist eröffnet. Die möglichen Nachfolgerinnen und Nachfolger des Premiers müssen sich am Nachmittag in einer Abstimmung innerhalb der Konservativen Partei behaupten. Bei einem ersten Votum am Dienstag waren bereits drei der elf Kandidaten ausgeschieden. Nun wird der Ton unter Tories rauer.

Kulturministerin Nadine Dorries bezichtigte das Team um Ex-Finanzminister Rishi Sunak  etwa »schmutziger Tricks«, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Sunak-Unterstützer, so der Vorwurf, hätten Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt Stimmen geliehen, um einen leicht zu schlagenden Kandidaten in die Endrunde zu bringen.

Ranghohe Tories verbünden sich gegen Sunak

Brexit-Staatssekretär Jacob Rees-Mogg griff Sunak ebenfalls an. Der Ex-Finanzminister habe »wirtschaftlich schädliche« Steuererhöhungen durchgesetzt, sagte Rees-Mogg dem Sender Sky News. Sunaks Steuerpolitik hatte er zuvor sogar mit Sozialismus – einem Schimpfwort unter britischen Konservativen – verglichen. Sowohl Dorries als auch Rees-Mogg gelten als treue Johnson-Unterstützer. Beide sprachen sich für Außenministerin Liz Truss als dessen Nachfolgerin aus.

Sunak wird vorgeworfen, Johnson in seiner Zeit als Finanzminister in den Rücken gefallen zu sein. Sunak hatte in der vergangenen Woche beinahe zeitgleich mit Gesundheitsminister Sajid Javid seinen Rückzug aus dem Kabinett verkündet und damit eine Rücktrittswelle unter Regierungsmitarbeitern ausgelöst, die Johnson einen Verbleib im Amt schließlich unmöglich gemacht hatte. Medien spekulierten, Johnson-Getreue arbeiteten daher daran, den bisherigen Favoriten Sunak zu Fall zu bringen.

Johnson beschwört Geschlossenheit

Öffentlich beschwor Johnson am Mittwoch dagegen Geschlossenheit: Die Konservativen würden hinter dem Sieger des Auswahlverfahrens stehen, sagte Johnson laut der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem versuchte der scheidende Regierungschef, seine Amtszeit in ein gutes Licht zu rücken: »Ich werde bald erhobenen Hauptes gehen«, sagte Johnson demnach. Auf seine Amtsführung sei er »stolz«.

Ebenfalls noch im Rennen sind Handels-Staatsekretärin Penny Mordaunt, Chefjustiziarin Suella Braverman, der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses, Tom Tugendhat, Ex-Gesundheitsminister Jeremy Hunt, der von Johnson nach Sunaks Abgang zum Finanzminister berufene Nadhim Zahawi und die Abgeordnete Kemi Badenoch.

Umfrage sieht Mordaunt vorne

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov unter 879 Tory-Mitgliedern sieht im Kampf um die Johnson-Nachfolge derzeit Penny Mordaunt vorne. Sie würde der Umfrage zufolge alle anderen Kandidaten in einem direkten Duell klar besiegen. Sunak könnte dagegen nur gegen Hunt klar bestehen, in einem Zweikampf gegen Truss würde er demnach sogar verlieren.

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fek/slü/dpa/Reuters