Britische Medienberichte Will Johnson auch wegen seiner Hochzeitspläne Regierungschef bleiben?
Boris und Carrie Johnson (Archiv)
Foto: Kirsty Wigglesworth / APNach seinem Rücktritt als Chef der konservativen Tories muss sich der britische Premierminister Boris Johnson möglicherweise einen neuen Ort für seine Hochzeitsfeier suchen: Johnson und seine Frau Carrie hatten im Mai 2021 im kleinen Kreis geheiratet – wegen der Coronabeschränkungen konnten sie nur 30 Gäste zu einer Gartenparty in die Downing Street einladen. Für den 30. Juli ist nun eine große Party in Chequers, dem offiziellen Landsitz des britischen Premierministers, geplant.
Am Donnerstag kündigte Johnson an, noch so lange Regierungschef zu bleiben, bis ein neuer Parteichef gewählt ist – möglicherweise also bis zum Parteitag im Oktober. Der »Daily Mirror«, der »Guardian« und andere britische Medien berichten nun, der Zeitplan hänge vor allem mit Johnsons Hochzeitsplänen zusammen – die Einladungen nach Chequers seien bereits verschickt.
Auch ein Versprecher deutet darauf hin, dass Johnson in seiner Rücktrittsrede das Herrenhaus aus dem 16. Jahrhundert im Sinn hatte: Als er vor seinem Amtssitz in der Londoner Downing Street seinen Rücktritt bekannt gab, bedankte er sich bei seinen »wunderbaren Mitarbeitern hier in Chequers«.
Londons Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labourpartei kommentierte die Vorwürfe ironisch: »Auch wenn wir alle gern ein rauschendes Hochzeitsfest auf Kosten des Steuerzahlers in Chequers haben würden, wird er das nicht tun können, weil die britische Öffentlichkeit es abscheulich finden wird«, sagte Khan im Sender LBC Radio.
Er sei »traurig«, dass er »den besten Job der Welt« aufgeben müsse, hatte der 58-jährige Johnson an diesem Donnerstag nach insgesamt drei turbulenten Jahren im Amt, die vom Brexit, der Coronapandemie, Russlands Angriff auf die Ukraine und einer Rekordinflation geprägt waren, gesagt. Am Abend kündigte er an, »größere Haushaltsentscheidungen« seinem Nachfolger zu überlassen.
Derweil mehrten sich schon die Stimmen für einen schnelleren Abschied Johnsons aus der Downing Street. Laut einer Umfrage von YouGov sind 56 Prozent der Briten dafür. »Zum Wohle des Landes sollte Johnson nicht länger als nötig in der Downing Street bleiben«, erklärte der britische Ex-Premier John Major, der von 1990 bis 1997 regierte.
Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon kritisierte in der BBC, Johnson werde »zweifellos noch mehr Chaos anrichten als bisher«, wenn er bis zum Herbst im Amt bleibe.
Oppositionschef Keir Starmer forderte einen »Neustart für Großbritannien«. Was das Land jetzt brauche, sei »kein Wechsel an der Spitze der Tories. Wir brauchen einen echten Regierungswechsel«, forderte der linksgerichtete Labourpolitiker.
Irlands Premierminister Micheal Martin erklärte, Johnsons Rücktritt als Parteichef biete »die Möglichkeit, den Geist der Partnerschaft und des gegenseitigen Respekts wiederzufinden«.