Grausamer Fall von Misshandlung Tausende demonstrieren in Bulgarien gegen Gewalt an Frauen
»Nicht eine einzige Frau mehr!«: Demonstration gegen häusliche Gewalt in Sofia nach einem grausamen Fall von Misshandlung
Foto: Nikolay Doychinov / AFPIn Bulgarien sind am Montag Tausende Menschen im ganzen Land auf die Straße gegangen, um gegen Gewalt an Frauen zu protestieren. Allein in der Hauptstadt Sofia versammelten sich mindestens 5000 Demonstranten. Sie forderten eine Reform des Justizsystems und einen besseren Schutz für Frauen. Sie trugen Plakate, auf denen unter anderem zu lesen war: »Nicht eine einzige Frau mehr!«
Anlass für die Proteste war der brutale Angriff auf eine junge Frau, der kürzlich das Land erschüttert hatte: Deren Ex-Freund hatte die 18-Jährige vor einem Monat hundertfach mit dem Messer verletzt und sie darüber hinaus grausam misshandelt.
Ein mit dem Fall befasstes Gericht hatte die Verletzungen der Frau zunächst als »leicht« bezeichnet und keine Festnahme des 26-Jährigen angeordnet.
»Wie kann es sein, dass ein solcher Sadismus als ›minderer Fall von Körperverletzung‹ bezeichnet werden kann? Die Einschätzung des Gerichts ist einfach nur schockierend«, sagte eine 39-jährige Demonstrantin, die in der Personalabteilung eines Unternehmens arbeitet, der Nachrichtenagentur AFP. Ein 33-jähriger Maler im Demonstrationszug sagte, die »traditionelle Toleranz gegenüber häuslicher Gewalt, das Versagen der Institutionen« müssten sich ändern.
Nach Polizeiangaben wurden in dem Balkanland in den ersten drei Monaten des Jahres landesweit 18 Frauen getötet – in den meisten Fällen kamen die Täter aus dem Umfeld der Opfer. Menschenrechtsaktivisten gehen jedoch von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. Die Aktivisten kämpfen schon länger für Gesetzesänderungen, die Frauen besser vor gewalttätigen Partnern oder Ex-Partnern schützen sollen.
Bulgarien hat Konvention gegen häusliche Gewalt nicht ratifiziert
Bulgarien hat bislang die Istanbul Konvention – das Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt – nicht ratifiziert. Die unterzeichnenden Länder verpflichten sich zu einem besseren Schutz von Frauen und Mädchen, etwa durch die strafrechtliche Verfolgung der Gewalttäter. Zudem umfasst sie gesonderte Schutzmaßnahmen für Migrantinnen und Asyl suchende Frauen.
Die Europäische Union hat die Konvention in diesem Jahr offiziell angenommen. Vorausgegangen war ein langer juristischer Streit, weil sich eine Reihe von EU-Ländern gegen eine Ratifizierung sperrten. 2021 war jedoch der Europäische Gerichtshof zu dem Schluss gekommen, dass die EU dem Abkommen auch ohne Zustimmung aller Mitgliedstaaten beitreten kann.
Den Text der Konvention können Sie hier nachlesen: Details of Treaty No.210
21 EU-Mitgliedstaaten haben die Konvention bisher ratifiziert, nicht getan haben dies neben Bulgarien: Tschechien, Lettland, Litauen, die Slowakei und Ungarn.