Charkiw: Russische Armee soll psychiatrisches Krankenhaus angegriffen haben - DER SPIEGEL
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330 Patienten Russische Armee soll psychiatrisches Krankenhaus angegriffen haben

Charkiw ist seit Tagen unter heftigem Beschuss, auch zivile Einrichtungen werden zum Ziel. Nun melden ukrainische Behörden einen Angriff auf eine Klinik für psychisch Erkrankte.
Menschen in Charkiw suchen Schutz vor russischen Angriffen in einer Metrostation
Menschen in Charkiw suchen Schutz vor russischen Angriffen in einer Metrostation

Menschen in Charkiw suchen Schutz vor russischen Angriffen in einer Metrostation

Foto: STRINGER / REUTERS

Russische Streitkräfte sollen in der ostukrainischen Stadt Charkiw ein psychiatrisches Krankenhaus beschossen haben. Das teilte der Regionalgouverneur, Oleh Synegubow, auf dem Nachrichtendienst Telegram mit. Demnach seien 330 Menschen in der Klinik gewesen.

Laut Synegubow sind unter den Patienten der Klinik 50 Personen bettlägerig, zehn weitere sitzen demnach im Rollstuhl. 73 Personen hätten bereits in eine benachbarte Schule gebracht werden können, die Zahl der Opfer werde noch ermittelt. Synegubow schreibt von einem »zynischen und brutalen Angriff auf Zivilisten«. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig verifizieren.

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Charkiw ist seit Tagen unter heftigem Beschuss. Laut Synegubow wurden Wohngebiete in der Region allein am Donnerstag 89-mal bombardiert. 48 Schulen der Stadt seien seit Kriegsbeginn vor zwei Wochen zerstört worden, berichtete zudem Charkiws Bürgermeister Igor Terechow. In der Stadt lebten zu Friedenszeiten 1,4 Millionen Menschen.

Angriffe auf Atomzentrum

Erst am Vormittag wurde bekannt, dass auch ein nukleares Forschungszentrum in der Stadt beschossen worden sein soll. Bereits am vergangenen Sonntag war die Einrichtung mit Grad-Raketen beschossen worden. Laut Behörden gibt es Schäden am Gebäude, es gehe jedoch keine akute Gefahr von ihm aus.

Russland hatte am 24. Februar einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine begonnen. Der Kreml spricht lediglich von einer »militärischen Operation« zum angeblichen Schutz der umkämpften prorussischen Gebiete Luhansk und Donezk in der Ostukraine. Russische Truppen rücken auf mehrere Großstädte vor; mit Ausnahme Chersons konnten die Einheiten jedoch noch keine Großstadt unter ihre Kontrolle bringen.

Russland und die Ukraine haben sich nach mehreren Verhandlungen auf die Einrichtung von Evakuierungskorridoren geeinigt. Nicht überall werden jedoch Feuerpausen eingehalten, die den Menschen eine sichere Flucht ermöglichen können. Die Ukraine wirft der russischen Armee vor, gezielt Zivilisten und zivile Einrichtungen anzugreifen.

mrc/Reuters