Abfällige Bemerkung über Nato-Partner Briten empört über Trumps »absolute Beleidigung« gefallener Soldaten
Das Foto, herausgegeben vom britischen Verteidigungsministerium, zeigt Soldaten des 42. Kommandos der Royal Marines bei einem Einsatz gegen Taliban in Barikjo
Foto: Leading Airman Gaz Faulkner / British Ministry of Defence / EPA / dpaDonald Trump hat mit abfälligen Bemerkungen über den Afghanistan-Einsatz der Nato eine Welle der Empörung in Großbritannien ausgelöst. Führende Politiker aller großen Parteien warfen dem US-Präsidenten vor, die Opfer britischer Soldaten zu verhöhnen und historische Fakten zu verdrehen.
Trump hatte in einem Interview mit dem Sender Fox News erklärt, Nato-Verbündete hätten sich während des Afghanistankrieges »ein wenig abseits der Frontlinien« aufgehalten. Zudem äußerte er Zweifel daran, ob das Bündnis den USA im Ernstfall beistehen würde.
Britische Politiker erzürnt über Trump
Die Reaktionen in London fielen ungewöhnlich geschlossen aus. Die konservative Parteichefin Kemi Badenoch sprach von »glattem Unsinn«. Britische, kanadische und andere Nato-Truppen hätten über zwei Jahrzehnte hinweg gemeinsam mit den USA gekämpft und ihr Leben verloren. »Das ist eine Tatsache, keine Meinung«, schrieb sie auf X.
Trump saying NATO allies “weren’t on the front line” in Afghanistan is flat-out nonsense. British, Canadian, and NATO troops fought and died alongside the US for 20 years.
— Kemi Badenoch (@KemiBadenoch) January 23, 2026
This is a fact, not opinion. Their sacrifice deserves respect not denigration. https://t.co/2faPuhjbEx
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Auch Ed Davey, Vorsitzender der Liberaldemokraten, wählte scharfe Worte. 457 britische Soldaten seien in Afghanistan getötet worden, während Trump sich mehrfach dem Militärdienst entzogen habe. »Wie kann er es wagen, ihr Opfer infrage zu stellen?«, fragte Davey, ebenfalls auf X .
Aus den Reihen der Labour-Partei sprach die Abgeordnete Emily Thornberry von einer »absoluten Beleidigung« der gefallenen Soldaten. Es handle sich nicht um einen bloßen Fehltritt, sondern um eine grundsätzliche Herabwürdigung des britischen Militärs, sagte sie der BBC. Auch der konservative Politiker Stuart Andrew nannte Trumps Aussagen »beschämend« und »entsetzlich«.
Britischer Regierungschef Starmer soll Trump rügen
Der britische Gesundheitsminister Stephen Kinnock wies Trumps Darstellung als realitätsfern zurück. Viele britische und europäische Nato-Soldaten hätten ihr Leben in von den USA geführten Missionen in Afghanistan und im Irak verloren. Wer diese Opfer kleinrede, liege »schlicht falsch«. Kinnock kündigte außerdem an, der britische Regierungschef Keir Starmer würde mit Trump über die Bemerkung sprechen. Starmer sei »unglaublich stolz auf unsere Armee, das wird er dem Präsidenten klarmachen«, sagte Kinnock dem Radiosender LBC.
Großbritannien beteiligte sich ab 2001 gemeinsam mit weiteren Verbündeten am Afghanistan-Einsatz der USA, nachdem die Nato nach den Anschlägen vom 11. September in New York den Bündnisfall ausgerufen hatte. 457 Angehörige der britischen Streitkräfte wurden im Verlauf des Krieges getötet.
»Donald, es reicht!« Lesen Sie in der SPIEGEL-Titelstory, was Europa tun kann, um sich gegen Trumps Machthunger zu wehren.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Textversion hieß es, Washington habe den Nato-Bündnisfall ausgerufen. Richtig ist, dass die Nato auf Bitten von Washington den Bündnisfall ausgerufen hat. Wir haben die Stelle korrigiert.