Donald Trump: Feministische 4B-Bewegung nach US-Wahl – ein Leben ohne Männer - DER SPIEGEL
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Keine Ehe, keine Kinder, kein Dating, kein Sex Feministische 4B-Bewegung gewinnt Anhängerinnen in den USA

Seit dem Wahlsieg Donald Trumps in den USA steigt die Gewalt gegen Frauen an, im Internet erfahren viele Bedrohungen. Da erscheint eine Bewegung aus Korea für viele attraktiv, die dem Sex mit Männern abschwört.
Washington, USA: Eine Frauenrechtlerin hält ein Schild hoch: »Donald Trump Is A Bitch«
Washington, USA: Eine Frauenrechtlerin hält ein Schild hoch: »Donald Trump Is A Bitch«

Washington, USA: Eine Frauenrechtlerin hält ein Schild hoch: »Donald Trump Is A Bitch«

Foto: Bryan Dozier / NurPhoto / IMAGO

Seitdem klar wurde, dass Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten wiedergewählt werden würde, ist das Interesse an der feministischen »4B«-Bewegung, die ihren Ursprung in Südkorea hat, in den USA stark angestiegen. Zuerst berichtete »CNN« .

Was ist die 4B-Bewegung?

Die feministische 4B-Bewegung, die mit dafür verantwortlich gemacht wird, dass die Geburtenrate in Südkorea dramatisch niedrig ist, ist unter jungen südkoreanischen Frauen populär. Die vier Bs stehen für folgende vier koreanische Wörter:

  • »bihon« (Nein zur Hetero-Ehe)

  • »bichulsan« (Nein zur Geburt)

  • »biyeonae« (Nein zu Dating) und

  • »bisekseu« (Nein zu Sex mit heterosexuellen Männern)

Die Bewegung entstand zwischen 2015 und 2016 vor allem unter jungen Frauen in den Zwanzigern. Im Jahr 2016 wurde eine Studentin nahe einer U-Bahn-Station in Seouls Ausgehviertel Gangnam ermordet. Der Täter gab den Grund an, er habe sich von Frauen ignoriert gefühlt. (Der SPIEGEL berichtete.) Der Femizid hat eine nie da gewesene öffentliche Debatte über die Frauenverachtung in der Gesellschaft ausgelöst.

Junge liberale Frauen diskutieren und teilen jetzt auch in den USA auf Social Media Informationen über die Bewegung. So weigern sich heterosexuelle Frauen, zu heiraten, Kinder zu bekommen, mit Männern auszugehen oder Sex mit ihnen zu haben – sie begeben sich gewissermaßen aus Protest in ein selbst gewählter Zölibat.

Warum? Aus Wut und Frust. Die Mehrheit der Männer hat für einen Präsidentschaftskandidaten gestimmt, der von einem Gericht des sexuellen Missbrauchs für schuldig befunden wurde und dessen Ernennung von drei konservativen Richtern am Supreme Court dazu führte, dass der nationale Schutz der Abtreibungsrechte (Roe v. Wade) gekippt wurde.

Als Reaktion darauf wollen mehr und mehr Frauen den Männern abschwören – und sie ermutigen andere im ganzen Land, sich ihnen anzuschließen. Die 36-jährige Ashli Pollard aus St. Louis sagte »CNN«: »Wir haben uns um die Sicherheit der Männer bemüht und gebettelt und alles getan, was wir tun sollten, und sie hassen uns immer noch. Wenn ihr uns also hassen wollt, dann werden wir tun, was wir wollen.«

Anstieg von Gewalt gegen Frauen im Internet

Ein Social-Media-Post des rechtsextremen Politikers Nick Fuentes ging mit dem Spruch »Your body, my choice. Forever« (übersetzt: »Dein Körper, meine Entscheidung. Für immer«) viral und löste viele Reaktionen aus. Einige Nutzer äußerten ihre Sorge, dass viele andere seiner Meinung sein könnten. Nach der Präsidentschaftswahl berichteten Frauen von einem Anstieg von Sexismus und Missbrauch im Internet.

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Das Institute for Strategic Dialogue (ISD ) verfolgte die Kommentare sowie andere frauenfeindliche Äußerungen wie »Zurück in die Küche« und »Abschaffung des Wahlrechts«. Solche Aussagen tauchten bereits im vergangenen Monat in einigen Beiträgen auf, stiegen aber nach dem 5. November sprunghaft an. Die Zahl der Erwähnungen von »Dein Körper, meine Wahl« stieg von weniger als 20 pro Tag auf fast 2.000. Laut Bericht wird jungen Mädchen dieser Ausdruck in der Schule nachgerufen, während innerhalb von 24 Stunden 52.000 Posts mit dem Begriff auf Facebook erschienen waren, so das ISD. TikTok-Nutzerinnen berichten zudem von Gewalt- und Vergewaltigungsdrohungen.

Obwohl die 4B-Bewegung in Südkorea in den vergangenen Jahren weitgehend aus den Schlagzeilen verschwunden ist, hat die US-Wahl das Interesse wieder geweckt. Zumindest hat sie viele Onlinediskussionen unter jungen Frauen in den USA ausgelöst, auch wenn abzuwarten ist, ob sich die Bewegung in den Staaten ernsthaft durchsetzen wird. Frauen, die online über 4B gesprochen haben, erzählen, dass die Art und Weise, wie einige Männer auf ihre Beiträge reagiert haben, ihnen bereits recht gebe.

lph