Nationalgarde in Washington Neue Ordnung
Das Stadtbild in der US-Hauptstadt Washington, D.C., hat sich im August enorm verändert: Etwa 800 Mitglieder der Nationalgarde sind auf den Straßen im Einsatz, mobilisiert von Präsident Donald Trump. Er begründet den Einsatz mit einem angeblichen Sicherheitsnotstand – die Stadt müsse vor »Verbrechen, Blutvergießen, Chaos, Elend und Schlimmerem« bewahrt werden.
Bürgermeisterin Muriel Bowser weist die Begründung zurück: Die Kriminalität befinde sich auf einem 30-Jahres-Tief. Das Vorgehen sei ein »Schritt in Richtung Faschismus«, sagt die Politikerin, die der Demokratischen Partei angehört. Auch zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner kritisieren die Übernahme der Polizeigewalt durch die militärischen Reservekräfte scharf. Offizielle Statistiken widerlegen die dramatischen Darstellungen des Präsidenten, weshalb Kritiker den Einsatz als politische Machtdemonstration werten, die von anderen innenpolitischen Problemen ablenken solle.
Vor Ort ist unklar, welche Aufgaben die Truppen überhaupt erfüllen sollen. Zwar patrouillieren sie rund um Denkmäler und touristische Hotspots, wie hier in der Nähe der Union Station, doch so richtig viel zu tun haben sie offenbar nicht. Dennoch entsenden mehrere Bundesstaaten weiteres Personal: Im September beordert Trump Mitglieder der Nationalgarde auch ins ebenfalls von Demokraten regierte Memphis, Tennessee.