Nach einer Phase der Entspannung schnellen die Zahlen wieder hoch. Die Corona-Infektionen sind in den USA auf Rekordstand. Doch für den Präsidenten ist die Pandemie offenbar beendet, also soll auch weniger getestet werden.
Donald Trump, US-Präsident, 26.Juni 2020
"Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle. Wir haben Fälle, weil wir testen. Die Zahl der Toten geht runter. Wir haben eine der niedrigsten Sterblichkeitsraten."
Das Land verzeichnet am selben Tag rund 40.000 gemeldete Neuinfektionen - der höchste Tageswert seit Beginn der Pandemie. Wie hieß sie doch gleich?
Donald Trump, US-Präsident, 26.Juni 2020
"Ich könnte 19 oder 20 Namen dafür nennen. Wuhan – der war ziemlich gut. Coronavirus. Kung Flu!"
Ein Rückblick auf "Kung Flu" – und wie der US-Präsident sie bislang gemeistert hat – zumindest verbal:
Donald Trump, US-Präsident, 10. Februar 2020
"Viele sind der Meinung, dass das Virus im April durch die Hitze verschwinden wird. Üblicherweise wird es im April verschwinden."
Donald Trump, US-Präsident, 27. Februar 2020
"Es ist wie ein Wunder, irgendwann wird es einfach verschwinden."
Und ganz nebenbei: "Kung Flu" ist zwar chinesisch böse, doch eigentlich auch eine Erfindung der Demokraten im Wahlkampf.
Donald Trump, US-Präsident, 28. Februar 2020
"Sie versuchten es mit dem Impeachment-Schwindel. Das Virus ist ihr neuer Schwindel. Ich habe kürzlich von einer Zahl erfahren, von der vorher niemand gewusst hat. sie hat mich schockiert. 35.000 Menschen sterben durch die Grippe. Bis hin zu 100.000 Menschen sterben daran. Bisher ist in den USA kein einziger Mensch durch das Coronavirus gestorben."
Donald Trump, US-Präsident, 29. Februar 2020
"Zu diesem Zeitpunkt haben wir 22 Patienten in den USA, die am Coronavirus erkrankt sind. Leider ist einer in der Nacht gestorben."
In New York gab es bis zum 1. März genau einen gemeldeten Infektionsfall. Laut einer aktuellen Studie
waren aber bereits 10.000 Menschen in der Stadt zu diesem Zeitpunkt mit dem Virus infiziert. Der Präsident zeigt sich immerhin interessiert.
Donald Trump, US-Präsident, 6. März 2020
"Ich mag diese Themen. All die Ärzte fragen – wieso kennen sie sich so gut damit aus? Vielleicht bin ich ein Naturtalent. Vielleicht hätte ich das tun müssen anstatt für die Präsidentschaft anzutreten."
Am 13. März rief der selbsternannte Virologe den nationalen Notstand aus, zwei Tage nach dem die Weltgesundheitsorganisation Covid-19 als Pandemie eingestuft hatte. Wenige Tage darauf verblüfft Trump mit dieser Aussage:
Donald Trump, US-Präsident, 17. März 2020
"Ich hatte bereits das Gefühl, dass es eine Pandemie ist bevor man es Pandemie nannte. Man musste sich nur andere Länder ansehen."
Am 23. März: Es sind 43.845 bestätigte Infektionsfälle, die Zahl der Toten wird am Folgetag die 1000er-Marke überschreiten.
Donald Trump, US-Präsident, 23. März 2020
"Ich bin stolz, ihr Präsident zu sein, das kann ich sagen. Wir sind voller Hoffnung, wenn wir in die Zukunft blicken. Wir fangen an, Licht am Ende des Tunnels zu sehen."
Anfang April: Die Zahl der bestätigten Infektionen in den USA hat die Marke von 200.000 überstiegen. Die Zahl der Toten kletterte auf beinahe 7.000.
Donald Trump, US-Präsident, 01. April 2020
"Amerika führt weiterhin einen totalen Krieg, um das Virus zu besiegen – dieses fürchterliche Virus. Man sieht, wie schrecklich es ist, wenn man sich die Zahlen von gestern anschaut."
Was Präsident Trump inmitten der Pandemie wirklich wichtig ist – wurde allerdings schnell klar:
Donald Trump, US-Präsident, 8. April 2020
"Es wäre schön, mit einem großen Knall zu öffnen."
Am 17. April verkündet Trump einen Lockerungsplan, über den die Gouverneure selbständig entscheiden sollen. 37.621 Menschen sind bislang gestorben.
Knapp sechs Wochen später, nach langer Funkstille, dann ein Tweet:
"Wir haben gerade einen sehr traurigen Meilenstein bei der Zahl der Toten durch die Corona-Pandemie erreicht: 100.000 Tote."
Der Präsident spricht Familien und Angehörigen sein Beileid aus. Gott möge mit ihnen sein.
Kurz darauf haben wieder andere Dinge Priorität:
Donald Trump, US-Präsident, 6. Juni 2020
"Wir werden ein phänomenales nächstes Jahr haben. Wir werden tolle Monate vor den Wahlen am 3. November haben. Ein sehr wichtiges Datum, eine sehr wichtige Wahl. "
Eine Wahlkampf-Massenveranstaltung soll her, in Oklahoma – Bedenken: null. Knapp 28.000 Neuinfektionen wurden an diesem Tag gemeldet:
Reporterin
"Die Fallzahlen steigen in 22 Bundesstaaten, auch in Oklahoma, wo sie eine große Veranstaltung planen. Machen Sie sich nicht Sorgen, dass Menschen sich anstecken?"
Donald Trump, US-Präsident
"Nein, weil wenn Sie schauen, sind die Zahlen sehr winzig verglichen zu was vorher war. Es stirbt aus."
Am Tag der Wahlkampfveranstaltung, spricht der Präsident so etwas wie einen Nachruf auf die Pandemie aus:
Donald Trump, US-Präsident, 20. Juni 2020
"Es war eine interessante Zeit, es war schrecklich, so viele Leben sind verloren gegangen, wir werden diese unglaublichen Menschen nie vergessen. Aber sie werden nicht umsonst gestorben sein. In unserem Land wird es weitergehen und wir werden stärker als je zuvor sein."
Egal was die Statistik zeigt, der Präsident beschwört wieder und wieder eine schnelle Wende.
Donald Trump, US-Präsident, 23. Juni 2020
"Ich glaube, wir werden bald ganz tolle Lösungen haben. Ihr werdet eine große Überraschung erleben, eine schöne Überraschung – schneller, als ihr denkt."
Derweil steigt die Zahl der gemeldeten Infektionen in den USA auf mehr als 2,4 Millionen. Experten schätzen die Dunkelziffer auf das Zehnfache.