Erste TV-Debatte Biden nennt Trump einen "Clown" - der sät erneut Zweifel an der Wahl
Donald Trump (l.) und Joe Biden (r.)
Foto: Brian Snyder / REUTERSCorona, die US-Wirtschaft und das Oberste Gericht: Diese Themen waren für die erste TV-Debatte zwischen US-Präsident Donald Trump und Herausforderer Joe Biden verabredet gewesen. Doch zu einem sachlichen Gespräch kam es in den anderthalb Stunden in einem Auditorium in Cleveland nie - die Debatte war von Anfang an gekennzeichnet von persönlichen Attacken der beiden Kandidaten gegeneinander. Die Kritik am Niveau dieses Schlagabtausches fällt denn auch vernichtend aus.
Vor dem Duell schüttelten Trump und Biden einander nicht die Hände - wegen der Corona-Regeln. Im Publikum saßen nur wenige Dutzend Personen, darunter Trumps Ehefrau Melania.
Gleich zu Beginn lieferte sich Trump ein Scharmützel mit Moderator Chris Wallace. "Ich bin der Moderator der Debatte, und ich möchte, dass Sie mir erlauben, meine Frage zu stellen", sagte Wallace, als Trump ihm beim Thema Krankenversicherung immer wieder ins Wort fiel. Trump sagte an Wallace' Adresse: "Ich schätze, ich debattiere mit Ihnen, nicht mit ihm. Aber das ist okay, ich bin nicht überrascht."
Während Trump meist direkt zu Wallace oder Biden sprach, schaute Biden häufig in die Kamera und sprach zu den Wählern. Moderator Wallace hatte immer wieder Schwierigkeiten, das Gespräch zu ordnen.
Im Vorfeld waren sechs Themenfelder definiert worden, über die man jeweils 15 Minuten sprechen wollte - zunächst mit Statements der Kandidaten, dann in offener Diskussion:
Das Oberste Gericht: Moderator Wallace fragte nach der Nominierung von Amy Coney Barrett für den Supreme Court. Trump sagte, es sei sein gutes Recht als Präsident, die Nominierung noch vor der Wahl vorzunehmen. Biden kritisierte, man hätte mit der Nominierung bis nach der Wahl warten sollen, weil die Wähler so noch hätten Einfluss nehmen können.
Die Coronakrise: Biden kritisierte Trumps Corona-Management. Der Präsident habe von der tödlichen Gefahr des Coronavirus gewusst, es aber verharmlost, sogar die Einnahme von Bleichmittel empfohlen. "Das war sarkastisch", behauptete Trump. Man habe viel über das Virus gelernt und müsse nun keinen Shutdown mehr beschließen. Das aber sei das Ziel der Demokraten, so Trump.
Die Wirtschaft: Trump blieb bei seiner Kritik, Biden wolle das Land in den Lockdown schicken. Das würde der Wirtschaft aber schaden. Er stellte die haltlose Behauptung auf, mit einem Präsidenten Biden wären zwei Millionen Menschen an den Folgen des Virus gestorben. Er hingegen hätte die harte Entscheidung treffen müssen, eine Rekordwirtschaft zu schließen. Biden versprach mit seinem neuen Wirtschaftsprogramm Millionen neue Arbeitsplätze.
Das Verhältnis von Schwarz und Weiß und Proteste in den Städten: Biden ging Trump hart wegen dessen Haltung zu den rechtsextremen Aufmärschen in Charlottesville an: Der Präsident sei ein Rassist. Trump erwiderte, Biden habe schwarze Menschen in der Vergangenheit "super predators" (wörtlich: Superraubtiere) genannt. Biden warf Trump vor, "Öl ins Feuer zu gießen", der Präsident wolle gar nicht, dass sich die Unruhen in den Städten beruhigen. Trump distanzierte sich auf Nachfrage nicht eindeutig von Vertretern der angeblichen weißen Vorherrschaft und rechten Milizen. Er sagte, die meiste Gewalt ginge von Linksextremen aus.
Trumps und Bidens Errungenschaften: "Wer hat mehr erreicht als ich in drei Jahren?", fragte Trump in gewohnt großsprecherischer Weise. Biden sagte, Barack Obama und er als dessen Vizepräsident hätten Trump eine hervorragende Wirtschaft hinterlassen. Trump habe seitdem nicht viel Nennenswertes geleistet. Dazu sprach Wallace auch das Thema Klimawandel an, insbesondere mit Bezug zu den Waldbränden in Kalifornien. Trump machte vor allem schlechtes Management der Wälder für die Feuer verantwortlich. Biden plädierte für eine Rückkehr zum Pariser Abkommen, das die USA unter Trump verlassen hatten.
Integrität der Wahlen: Biden erklärte, die Wählerinnen und Wähler könnten der Briefwahl vertrauen. "Wenn ich gewinne, akzeptiere ich das, wenn ich verliere, akzeptiere ich das", sagte Biden. Trump tue das nicht. Der Präsident dagegen untermauerte seine haltlosen Befürchtungen von "einem Betrug, den man noch nicht gesehen habe". Stimmen würden bei der Briefwahl verloren gehen, das würde Betrug fördern.
Überlagert wurde das Duell von den ständigen persönlichen Attacken der beiden Kandidaten gegeneinander, oft war niemand mehr zu verstehen, weil beide einander ins Wort fielen. Noch während des Duells wurde Moderator Chris Wallace in den sozialen Medien scharf kritisiert. Er habe die Kontrolle verloren, schrieb die CNN-Kommentatorin und einstige republikanische Strategin Ana Navarro-Cárdenas. Wallace erlaube Trump, sich wie ein Schulhofschläger aufzuführen. Dies sei eine Respektlosigkeit gegenüber den Zuschauern zu Hause.
Oh my God.
— Ana Navarro-Cárdenas (@ananavarro) September 30, 2020
Chris Wallace has totally lost control of this thing.
He’s allowing Trump to behave like schoolyard bully, completely disrespecting the millions of Americans who tuned-in hoping to see a debate of ideas, and a plan to move America forward.
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Trump und Biden wurden auch oft persönlich, etliche der Attacken waren niveaulos. So bezeichnete Biden Trump als "Clown" und den "schlechtesten Präsidenten, den Amerika je gesehen hat". Trump sprach Biden auf das Drogenproblem seines Sohnes Hunter an. Biden schien aus der Fassung, erwiderte aber, sein Sohn habe das Problem überwunden.
Das Duell endete mit den Wahlaufrufen der Kandidaten. Trump sprach erneut von einem drohenden Betrug, Biden untermauerte sein Vertrauen in die Wahl.