Donald Trump – Wolodymyr Selenskyj: Internationale Medien besorgt über Eskalation - DER SPIEGEL
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Pressestimmen zum Eklat im Weißen Haus »Wir Europäer stehen auf dem Speiseplan der imperialistischen Mächte«

Mit Entsetzen blicken internationale Medien auf die Eskalation zwischen US-Präsident Trump und dem ukrainischen Staatschef Selenskyj. Die Sorge vor den Folgen für Europa ist groß. Die Übersicht.
Gespräch zwischen den Präsidenten Selenskyj und Trump mit US-Vizepräsident Vance (r.) im Weißen Haus
Gespräch zwischen den Präsidenten Selenskyj und Trump mit US-Vizepräsident Vance (r.) im Weißen Haus

Gespräch zwischen den Präsidenten Selenskyj und Trump mit US-Vizepräsident Vance (r.) im Weißen Haus

Foto: Brian Snyder / REUTERS

Der Eklat im Weißen Haus zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump, Vizepräsidenten J.D. Vance und dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj beschäftigt weltweit die Medien. Einige Kommentatoren werfen Selenskyj fehlendes Verhandlungsgeschick vor. Die Schuld für die Eskalation des Gesprächs schreiben sie jedoch übereinstimmend der US-amerikanischen Seite zu. Der Kommentator der »New York Times« spricht von einem »Tag amerikanischer Schande«.

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  • Die spanische Zeitung »El País« sieht in dem Schlagabtausch der beiden Präsidenten »das beeindruckende Symbol für das Ende einer Ära«. Es handele sich um die »brutale Bestätigung des abrupten Kurswechsels der USA, sowohl inhaltlich als auch in der Form, im Vergleich zu den vergangenen 80 Jahren«. Die Bedeutung sei klar: »Wir erleben nicht nur eine amerikanische Abkehr von Europa, eine Kluft bei den Interessen und Werten.« Die Europäer seien mit der Bereitschaft der USA konfrontiert, ihnen im Einvernehmen mit anderen imperialistischen Mächten großen Schaden zuzufügen. »Wir Europäer stehen auf dem Speiseplan der imperialistischen Mächte.«

  • Die »Washington Post« schreibt über Trump, Verbündete weniger freundlich zu behandeln als Gegner, zeuge von »Naivität hinsichtlich der Bedrohung, die ein revanchistisches Russland für die westliche Welt« darstelle. Wenn Trump einen dritten Weltkrieg vermeiden wolle, solle er die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg beherzigen. »Diktatoren zu beschwichtigen, funktioniert nicht.« Putin reagiere auf »Härte, nicht auf Zittern«, er respektiere »Gewalt, nicht Schmeichelei«: »Der US-Präsident sollte versuchen, Putin gegenüber so unhöflich zu sein wie am Freitag gegenüber Selenskyj.«

»Die Masken sind gefallen, es gibt keine Illusionen mehr«

  • Für die polnische »Gazeta Wyborcza« zeigt der Eklat, dass Trump »entgegen seinen Versprechen nicht in der Lage ist, Frieden zu schaffen. Nicht in einem Monat, nicht in sechs Monaten, sondern überhaupt nicht.« Ein Vermittler müsse fair und unparteiisch sein. Trump und sein Vize J.D. Vance hätten sich im Oval Office »nicht wie Staatsmänner, sondern wie Mafiabosse« verhalten. Sie seien nur daran interessiert gewesen, die ukrainischen Ressourcen zu plündern. »Es ist klar, auf wessen Seite der US-Präsident steht. Die Masken sind gefallen, es gibt keine Illusionen mehr.«

  • Die »Financial Times« schreibt, Kyjiw habe »die Rücksichtslosigkeit Trumps« unterschätzt, möglichst viel aus dem Rohstoffabkommen herauszuholen, während er »der Ukraine im Gegenzug so wenig wie möglich von dem gab, was sie wollte«. Selenskyj fehle gleichzeitig das diplomatische Talent von europäischen Staats- und Regierungschefs wie Emmanuel Macron und Keir Starmer. Diese hätten bei ihren erfolgreichen Besuchen eine gewisse Beziehung zu Trump aufbauen können. Selenskyj dagegen scheine »von einem Weißen Haus überfallen worden zu sein, das ihn am Ende demütigte«. Drei Jahre nach der Invasion Russlands in die Ukraine sei »der Kampf um die Souveränität des Landes in seine prekärste Phase eingetreten«.

»Ist nun die atlantische Achse an der Reihe?«

  • Die italienische Zeitung »Corriere della Sera« schreibt, jedes Land habe das Recht zu hinterfragen, ob Selenskyj die Hilfsgelder gut ausgegeben hat. Dieser sei »kein Heiliger«. »Aber Trumps Umgang mit ihm ist betäubend, nicht zuletzt, weil er nach einer Prozession europäischer Staats- und Regierungschefs ins Weiße Haus kam«. Sie alle hätten Trump angefleht, der Ukraine eine Sicherheitsgarantie zu geben, und versuchten auf verschiedene Weise, ihn an die Nato zu binden. »Das Ergebnis ihrer Bitten ist, nach dem großen Finale vom Freitag zu urteilen, ein Fiasko für die Ukraine.« Das Land laufe Gefahr, seinen wichtigsten Verbündeten zu verlieren. »Europa sieht seine schlimmsten Befürchtungen wahr werden: Allianzen sind für Trump austauschbar. Nachdem er Kyjiw seinem Schicksal überlassen hat, ist nun die atlantische Achse an der Reihe?«

  • Die »New York Times« kommentiert, Selenskyj sei ins Weiße Haus mit der Bereitschaft gekommen, »alles abzutreten, was er Präsident Trump anbieten konnte, außer Freiheit, Sicherheit und gesundem Menschenverstand für sein Land«. Dafür sei er »mit einer Standpauke über Manieren vom verlogensten, vulgärsten und unfreundlichsten Gastgeber belohnt« worden, der je im Weißen Haus gewohnt habe. »Was auch immer man über Selenskyjs ungeschicktes Taktieren sagen mag – sei es, dass er sich nicht mit der von Trump geforderten Unterwürfigkeit aufführte oder angesichts der unaufrichtigen Provokationen von J.D. Vance nicht die Fassung bewahrte –, dies war ein Tag amerikanischer Schande.«

  • Die ukrainische Nachrichtenseite »The Kyiv Independent« schreibt, Selenskyj sei im Weißen Haus in eine Situation gebracht worden, die er nur habe verlieren können. »Wenn er Trump und Vance – und anscheinend braucht es zwei, um eine Auseinandersetzung gegen einen Nichtmuttersprachler zu gewinnen – ungehindert ihre verbalen Angriffe auf die Ukraine hätte fortsetzen lassen, würde er sowohl im Inland als auch im Ausland als schwach angesehen werden. Schwäche ist etwas, das ein Land im Krieg nicht ausstrahlen kann.«

  • In einem Bericht des Trump-nahen Nachrichtensenders Fox News heißt es: »Die Welt fragt sich nun, wie es mit den Verhandlungen weitergeht und ob die beiden Staatsoberhäupter ihre Beziehungen so weit verbessern können, dass die USA den Frieden vermitteln können. Einige sagen, Europa müsse sich einschalten, um die Feindseligkeiten zu beenden, während andere meinen, Selenskyj müsse entweder Schadensbegrenzung betreiben oder zurücktreten.«

msk/dpa