Georgien plant Anti-LGBT-Gesetz nach russischem Vorbild - DER SPIEGEL
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Regierung auf antiwestlichem Kurs Georgien plant Anti-LGBT-Gesetz nach russischem Vorbild

Jüngst boxte Georgiens Regierung ein umstrittenes Überwachungsgesetz gegen große Teile der Bevölkerung durch. Nun folgt ein Dekret mit queerfeindlichem Anstrich. Kritiker fürchten um den EU-Beitritt des Landes.
Georgische Polizisten umringen eine LGBTQ-Demonstration in Tiflis: »Einschränkung der Propaganda gleichgeschlechtlicher Beziehungen« geplant
Georgische Polizisten umringen eine LGBTQ-Demonstration in Tiflis: »Einschränkung der Propaganda gleichgeschlechtlicher Beziehungen« geplant

Georgische Polizisten umringen eine LGBTQ-Demonstration in Tiflis: »Einschränkung der Propaganda gleichgeschlechtlicher Beziehungen« geplant

Foto: Vano Shlamov / AFP

Gerade erst wurde das umstrittene »Agentengesetz« verabschiedet, trotz wochenlanger Massenproteste auf den Straßen. Nun bringt Georgiens Regierungspartei »Georgischer Traum« das nächste Gesetz nach russischem Vorbild auf den Weg: Die Partei möchte »LGBT-Propaganda« verbieten.

Der georgische Parlamentspräsident und hochrangige Parteifunktionär Schalwa Papuaschwili kündigte am Dienstag an, die Partei werde ein Gesetz zum »Schutz von Minderjährigen und Familienwerten« ins Parlament einbringen. Der Vorschlag betreffe die »Einschränkung der Propaganda gleichgeschlechtlicher Beziehungen und Inzests in Bildungseinrichtungen und Fernsehsendungen«, erklärte Papuaschwili.

Der Parlamentspräsident hatte erst am Montag ungeachtet der Massenproteste und internationaler Kritik das umstrittene Gesetz zur »ausländischen Einflussnahme« in Kraft gesetzt. Kritiker sehen in dem Gesetz eindeutige Parallelen zum 2012 in Russland verabschiedeten Gesetz gegen »ausländische Agenten«, das es den dortigen Behörden ermöglicht, massiv gegen regierungskritische Medien und Organisationen vorzugehen.

Kreml-Parallelen im LGBTQ-Gesetz

Auch das neue Gesetzesvorhaben hat Kreml-Parallelen: Moskau verabschiedete bereits vor zehn Jahren ein Gesetz gegen »homosexuelle Propaganda«, das unter dem Vorwand des Kinderschutzes Inhalte mit »nichttraditionellen« Beziehungen verbietet. Russland weitete das Gesetz 2022 aus, um letztendlich jegliche Darstellung von Mitgliedern der LGBTQ-Community in der Öffentlichkeit zu ächten. Die englische Abkürzung LGBTQ steht für lesbisch, schwul, bisexuell, transgender und queer.

Nachdem die Partei »Georgischer Traum« nach ihrer Machtübernahme im Jahr 2012 zunächst eine liberale, prowestliche politische Agenda verfolgt hatte, hat sie in den letzten zwei Jahren ihre antiwestliche und antiliberale Rhetorik und Haltung verschärft.

Georgien ist seit Dezember offiziell EU-Beitrittskandidat. Der EU-Beitritt ist in der Verfassung des Landes verankert und wird laut Meinungsumfragen von mehr als 80 Prozent der Bevölkerung unterstützt. Der aktuellen Regierung wird jedoch vorgeworfen, die ehemalige Sowjetrepublik wieder an Moskau annähern zu wollen. Ein Großteil der Menschen im Land ist mit dem gegenwärtigen Regierungskurs unzufrieden, EU-Flaggen werden auf den Massendemos geschwenkt.

mrc/AFP