Gericht verurteilt Großbritannien zu Entschädigungszahlungen an Nigeria - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Nigeria Gericht verurteilt Großbritannien zu Entschädigungszahlungen für Kolonialverbrechen – London schweigt

Unter britischer Herrschaft protestierten Bergleute in Nigeria für bessere Arbeitsbedingungen – und wurden erschossen. Ein Gericht hat nun eine Strafsumme festgelegt, die es in sich hat.
Der Sitz des britischen Premierministers in der Downing Street in London
Der Sitz des britischen Premierministers in der Downing Street in London

Der Sitz des britischen Premierministers in der Downing Street in London

Foto: NEIL HALL / EPA

Die britische Regierung muss den Familien von nigerianischen Bergarbeitern, die während der Kolonialherrschaft getötet wurden, 420 Millionen Pfund zahlen. Das urteilte ein nigerianisches Gericht am Freitag, berichten staatliche Nachrichtenagenturen. Die 21 Bergleute wurden 1949 in der Iva Valley Kohlemine im Bundesstaat Enugu getötet, als sie gegen die harten Arbeitsbedingungen protestierten. An jede Familie soll die britische Regierung nun 20 Millionen Pfund zahlen – umgerechnet etwa 23 Millionen Euro.

Die Bergleute hatten die Mine besetzt, als die Polizei das Feuer auf sie eröffnete. Viele weitere Arbeiter wurden dabei verletzt.

Das Urteil ist der Höhepunkt einer jahrzehntelangen Kampagne für Entschädigungen, die in Nigeria als einer der Auslöser für die Unabhängigkeitsbestrebungen angesehen werden. Nigeria erlangte elf Jahre später, im Jahr 1960, seine Unabhängigkeit von Großbritannien.

In seinem Urteil befand der Richter vom Obersten Gerichtshof in Enugu die britische Kolonialverwaltung für die Tötungen verantwortlich und entschied, dass die britische Regierung sich auch offiziell bei den Opfern entschuldigen müsse. »Diese wehrlosen Bergarbeiter forderten bessere Arbeitsbedingungen, sie unternahmen keine gewalttätigen Aktionen gegen die Behörden, wurden aber dennoch erschossen«, sagte der Richter. Er entschied außerdem, dass die nigerianische Regierung ihrer verfassungsmäßigen Pflicht, Wiedergutmachung für die Opfer zu leisten, nicht nachgekommen sei.

Die britische Regierung lehnte eine Stellungnahme ab. Das Vereinigte Königreich war in dem Gerichtsverfahren nicht vertreten.

fwu/AP