Konflikt mit Eliteuni Trump deutet Deal mit Harvard an
Donald Trump vor Reportern auf dem Gelände des Weißen Hauses: Angeblicher Deal mit Harvard
Foto: Jim Lo Scalzo / EPAIst es ein Deal oder doch noch keiner? US-Präsident Donald Trump ist zumindest der Auffassung, dass seine Regierung nach monatelangen Verhandlungen mit der Eliteuniversität Harvard einen entscheidenden Schritt vorangekommen ist.
»Ich glaube, wir haben heute eine Einigung mit Harvard erzielt, also werden wir sehen, wie das läuft – Sie müssen nur alles richtig zu Papier bringen, Linda«, sagte Trump zu Bildungsministerin Linda McMahon im Oval Office. McMahon antwortete: »Ja, Sir.«
Dem US-Präsidenten zufolge wird Harvard rund 500 Millionen Dollar zahlen und Berufsschulen betreiben. »Dort werden die Menschen lernen, wie man KI und viele andere Dinge einsetzt, Motoren, viele Dinge«, sagte Trump.
Von der Eliteuni gab es zunächst keine Stellungnahme zu den Äußerungen des US-Präsidenten. Einzelne Vertreter der Hochschule äußerten sich zurückhaltend: »Ich habe diesbezüglich keine Informationen. Aber der Konsens in der Hochschullehrerschaft ist: Dies ist nicht glaubwürdig«, sagte Ryan Enos dem SPIEGEL. Der Professor für Politikwissenschaft war einer der Initiatoren von Harvards Widerstand gegen Trumps Versuche, die Eliteuniversität gleichzuschalten. Enos fügte hinzu: »Wir haben intern nirgends gehört, dass eine Einigung bevorstehen könnte. Aber natürlich können wir falschliegen.«
Es gab schon einmal eine angebliche Einigung
Trump hatte schon einmal eine Einigung mit Harvard in den Raum gestellt. Am 20. Juni behauptete er auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social, eine Abmachung könne »in der nächsten Woche oder so« verkündet werden. Diese blieb in den folgenden drei Monaten danach aber aus.
»Trump hat in den vergangenen Monaten schon öfter was in dieser Art angekündigt. Schauen wir mal, ob diesmal was dran ist«, sagte Karl Molden, Mitbegründer der Widerstandsgruppe Students for Freedom, dem SPIEGEL. »Klar ist: Er will unbedingt versuchen, einen Deal zu machen, der nach außen für ihn gut aussieht.« Schließlich ist Harvard eine der letzten Institutionen im Land, die sich dem Präsidenten noch offen widersetzt. Mit einer Einigung wäre Trump dieses Problem los.
Am Wochenende waren die Mitglieder der Harvard Corporation, des obersten Leitungsgremiums der Universität, erstmals seit dem Ausbruch des Konflikts zusammengekommen. Anschließend sagte Gremiumsleiterin Penny Pritzker der Unizeitung »Harvard Crimson«: »Ich habe absolut keine Ahnung, wie sich das entwickeln wird. Wirklich nicht.« Das klang nicht nach einem bevorstehenden Deal.
Zuletzt hat die US-Regierung ihren Konflikt mit Harvard weiter eskaliert. Sie will die Finanzen der Ivy-League-Universität stärker prüfen und droht mit Sanktionen, sollte diese keine weiteren Daten zu ihren Zulassungspraktiken vorlegen.
Bildungsministerin Linda McMahon erklärte, das Ministerium unterstelle Harvard einer »verstärkten Finanzkontrolle«. Einer Mitteilung zufolge zwingt diese die Universität, finanzielle Hilfen für Studierende entgegen bisheriger Praxis nun erst mal aus eigenen Mitteln zu zahlen, bevor sie Zugang zu Töpfen des Bildungsministeriums erhält.
Das Bildungsministerium fordert von Harvard außerdem eine Bürgschaft in Höhe von 36 Millionen US-Dollar. Die Universität solle beweisen, dass sie ihre finanziellen Verpflichtungen erfüllen könne. Die Finanzen von Harvard werden derzeit einer neuen Prüfung unterzogen.
Kampf gegen die Unabhängigkeit der Hochschulen
Trumps Regierung wirft der Universität und anderen Hochschulen im ganzen Land vor, ihre jüdischen Studierenden während der propalästinensischen Proteste nicht ausreichend zu schützen. Harvard hat die Vorwürfe zurückgewiesen.
Die US-Regierung führt einen beispiellosen Kampf gegen die Unabhängigkeit der Hochschulen im eigenen Land. Harvard hat dabei kleinere Anpassungen im Sinne der Regierung vorgenommen, ist aber nicht umfassend eingeknickt – anders als etwa die New Yorker Columbia Universität.
Harvard verfügt über ein Stiftungsvermögen von 53 Milliarden Dollar, das größte aller Universitäten. Die Trump-Regierung hatte der Universität Forschungsgelder aus Bundesmitteln in Höhe von mehr als zwei Milliarden Dollar gekürzt. Harvard hatte sich zuvor geweigert, den Forderungen der Regierung nach umfassenden Änderungen ihrer Verwaltungs- und Disziplinarpolitik für Studierende nachzukommen.