Nach regierungskritischer Doku Indische Ermittler durchsuchen mehrere BBC-Büros
Büroräume der BBC in Mumbai
Foto: FRANCIS MASCARENHAS / REUTERSVor einigen Wochen hatte die BBC einen kritischen Dokumentarfilm über den indischen Premierminister Narendra Modi ausgestrahlt. Nun kam es überraschend zu Razzien an mehreren Standorten des britischen Senders. In Neu-Delhi und Mumbai durchsuchten indische Steuerermittler laut übereinstimmenden Berichten Büroräume. Der genaue Anlass? Unklar.
Die Einkommensteuerbehörde beschlagnahme unter anderem »alle Telefone«, sagte ein BBC-Journalist der Nachrichtenagentur AFP. Auch in Mumbai soll es Razzien gegeben haben. Das bestätigte ein BBC-Angestellter aus dem dortigen Büro. In Neu-Delhi hinderte die Polizei die Angestellten zudem am Betreten und Verlassen des BBC-Büros im Zentrum der Hauptstadt. Die BBC erklärte am Vormittag, sie sei sehr kooperationsbereit und hoffe darauf, dass sich die Situation so schnell wie möglich kläre.
Ein Vertreter der indischen Regierung bestätigte die Durchsuchungen. Die Einkommensteuerbehörde selbst äußerte sich bislang nicht.
Die BBC hatte in ihrer Dokumentation im vergangenen Monat etwa unter Berufung auf bislang unveröffentlichte Berichte thematisiert, wie Modi im Jahr 2002 als Ministerpräsident des Bundesstaates Gujarat die Polizei anwies, bei tödlichen Auseinandersetzungen zwischen Hindus und Muslimen ein Auge zuzudrücken. Bei den Unruhen starben mindestens tausend Menschen, die meisten davon waren Muslime.
Die indische Regierung hatte zuletzt versucht, die Verbreitung der für Modi unvorteilhaften Doku einzuschränken: Videos und Tweets mit Links zu dem Film wurden blockiert. Kurz nach seiner Veröffentlichung bezeichnete Regierungsberater Kanchan Gupta ihn als »feindliche Propaganda« und »Müll«.
Studierendengruppen organisierten in den vergangenen Wochen trotz des Verbots geheime Vorführungen des Films, woraufhin die Polizei zwei Dutzend von ihnen festnahm.
Aktivisten zufolge ist Pressefreiheit in Indien seit dem Regierungsantritt Modis im Jahr 2014 zusehends unter Druck geraten. In der Weltrangliste der Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen rutschte Indien im Jahr 2022 um zehn Plätze auf Rang 150 von 180 ab.