Spiritus rector der Siedlerbewegung Radikaler Rabbiner Druckman an Corona gestorben
Chaim Druckman
Foto: Kobi Gideon / picture alliance / dpaDer einflussreiche israelische Rabbiner Chaim Druckman ist am Sonntag im Alter von 90 Jahren in Jerusalem an den Folgen einer Coronainfektion gestorben. »Das Hadassa-Krankenhaus gibt mit Trauer den Tod des Rabbiners Chaim Druckman bekannt«, erklärte das Krankenhaus am Sonntag. Zuvor hatte die Klinik Druckmans Corona-Erkrankung bekannt gegeben. Der orthodoxe Rabbiner galt als wichtigster Vertreter der Strömung des religiösen Zionismus und als Mentor des Chefs der gleichnamigen ultrarechten Partei, Bezalel Smotrich.
Druckman sei »einer der spirituellen Giganten seiner Generation«, ein »Gerechter und ein Erzieher« gewesen, sagte der rechtsextreme Politiker, dem in der am weitesten rechts stehenden nächsten Regierung von Benjamin Netanyahu das Finanzressort und die Verantwortung für die Siedlungen im besetzten Westjordanland übertragen werden sollen. Der designierte israelische Ministerpräsident Netanyahu sagte, der Staat Israel habe »einen großen spirituellen Führer« und er selbst »einen persönlichen Freund« verloren.
Drukman wurde 1932 in Polen geboren. Während des Zweiten Weltkrieges entging er der Deportation, 1944 wanderte er in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina ein. Er war Schüler des Gelehrten Zwi Jehuda Kook, dem geistigen Vater des religiösen Nationalismus, aus dem 1967 nach dem Sechstagekrieg im besetzten Westjordanland die ideologische Siedlungsbewegung »Gusch Emunim« hervorging. Dieser »Block der Getreuen« war die treibende Kraft hinter der Besiedlung des palästinensischen Westjordanlandes und der übrigen palästinensischen und arabischen Gebiete, die Israel 1967 erobert hatte.
1977 betrat Druckman als Mitglied der nationalreligiösen Partei die politische Bühne und blieb 14 Jahre lang Abgeordneter der Knesset, des israelischen Parlaments. 1993 wurde er bei einem Anschlag verletzt. Für seinen Beitrag zur Gesellschaft wurde der Rabbiner 2012 mit dem renommierten Israel-Preis ausgezeichnet.