Israel: Sara Netanyahu setzt im Wahlkampf auf Verschwörungstheorie zum 7. Oktober - DER SPIEGEL
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Linker Politiker Yair Golan im Visier Sara Netanyahu setzt im Wahlkampf auf Verschwörungstheorie zum 7. Oktober

Der hochdekorierte israelische Oppositionspolitiker Yair Golan ist am 7. Oktober auf eigene Faust losgezogen und hat gegen Hamas-Terroristen gekämpft. Kurz vor der Parlamentswahl ätzt die Frau des Premiers nun gegen den Veteranen.
Sara Netanyahu
Sara Netanyahu

Sara Netanyahu

Foto: Oliver Contreras / AFP

Israel wählt im Herbst zum ersten Mal seit dem Hamas-Terrorangriff am 7. Oktober 2023 ein neues Parlament. Der Wahlkampf dürfte noch extremer werden als vorherige.

Eine, die nun mitmischt, ist Sara Netanyahu – die Frau von Benjamin Netanyahu. Und wie: mit einer Andeutung über mögliche Kenntnisse des Oppositionspolitikers Yair Golan zum Angriff der Hamas.

Sie deutete in einem Gespräch mit dem rechten Sender C14 an, der Linksliberale Golan könnte vorab Informationen über den Terrorangriff der Hamas gehabt haben.

Yair Golan

Yair Golan

Foto: Ilia Yefimovich / AFP

Golan gilt als Held des 7. Oktober 2023, weil er damals viele junge Menschen aus dem Kampfgebiet gerettet hatte. Der Ex-General war am Morgen des »Schwarzen Schabbats« auf eigene Faust nach Südisrael gefahren und hatte sich den Terroristen in den Weg gestellt. Ihr Mann habe an jenem frühen Morgen dagegen noch nichts von den Vorfällen gewusst, sagte Sara Netanyahu.

»Wenn du ein so hochrangiger Militär bist, der behauptet, dass du kämpfst, dass du am 7. Oktober schon am frühen Morgen dort warst, schon angezogen und bereit, zu einer sehr, sehr frühen Stunde, als andere noch nichts wussten, unter anderem der Regierungschef«, sagte Sara Netanyahu am Montagabend in dem TV-Interview .

Israelische Medien werteten die Aussagen als Unterstützung für Verschwörungstheorien, denen zufolge Mitglieder von Armee und der Geheimdienste angeblich von den Überfallplänen der palästinensischen Terrororganisation Hamas gewusst, Netanyahu aber nicht informiert haben sollen. Netanyahu weigert sich bis heute, Verantwortung für die Vorfälle vom 7. Oktober zu übernehmen. Bei dem Hamas-Angriff wurden rund 1200 Menschen in Israel getötet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt.

»Verrückte Verschwörungstheorie des Verrats, die keinerlei Faktenbasis hat.«

Gadi Eisenkot über Erklärung von Sara Netanyahu

Die Reaktionen fallen entsprechend aus:

  • Golan sprach nach dem Interview von Sara Netanyahu von »wilder Hetze« gegen seine Person und kündigte eine Klage gegen die Frau des Ministerpräsidenten an.

  • Auch Netanyahus Hauptrivale bei der Wahl am 27. Oktober, der ehemalige Militärchef Gadi Eisenkot , verurteilte die Äußerungen von Sara Netanyahu als »verrückte Verschwörungstheorie des Verrats, die keinerlei Faktenbasis hat«.

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Der Hamas-Überfall am 7. Oktober 2023 begann um 6.29 Uhr Ortszeit. Golan hatte in Interviews gesagt, er habe gegen acht Uhr oder etwas später seine alte Uniform angezogen, um sich in Richtung Süden zu begeben und dort zu kämpfen.

Laut Meinungsumfragen können bei der Wahl am 27. Oktober weder Netanyahus Lager noch das seiner Gegner mit einer absoluten Mehrheit rechnen. Golan hatte zuletzt gewarnt, Netanyahu könnte eine Sicherheitskrise herbeiführen, um die Wahl zu verzögern oder zu stören. Der rechtskonservative Regierungschef kenne keine rote Linie, wenn es darum gehe, die nationale Sicherheit für politische oder persönliche Zwecke zu benutzen, sagte Golan nach Angaben des Nachrichtenportals »ynet«.

Golans Einsatz wird als Heldengeschichte gefeiert

Über Golans Einsatz am 7. Oktober wurde vielfach positiv berichtet. Ein israelischer Journalist beschrieb etwa, wie der ehemalige Vize-Generalstabschef ohne zu zögern dabei half, seinen Sohn während des Angriffs von Terroristen auf das Nova-Musikfestival zu retten.

»Ich habe Yair Golan angerufen und ihn um Hilfe gebeten«, schilderte der Journalist Nir Gontarz die bangen Stunden, in denen sich sein Sohn vor den Terroristen verstecken und um sein Leben fürchten musste. Golan, den er zuvor nicht persönlich gekannt habe, habe nach dem genauen Standort seines Sohnes gefragt und sofort gesagt: »Ich hole ihn dir.« Wenig später sei Golan mit seinem Sohn im Auto aus der Gefahrenzone gefahren, habe ihn abgesetzt und sei direkt zurückgekehrt, um weitere junge Menschen in Sicherheit zu bringen.

col/dop/dpa

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