Israel-Gaza-Krieg: Uno zieht nach tödlichem Angriff Mitarbeiter aus Gazastreifen ab - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Israel-Gaza-Krieg Uno zieht nach tödlichem Angriff Mitarbeiter aus Gazastreifen ab

Ein Uno-Mitarbeiter stirbt bei einem Angriff im Gazastreifen. Die Vereinten Nationen machen Israel für den Beschuss verantwortlich und ziehen nun Konsequenzen.
Eine Schule der Vereinten Nationen in Gaza-Stadt
Eine Schule der Vereinten Nationen in Gaza-Stadt

Eine Schule der Vereinten Nationen in Gaza-Stadt

Foto: Jehad Alshrafi / AP / dpa

Die Vereinten Nationen ziehen etwa ein Drittel ihrer internationalen Mitarbeiter aus dem Gazastreifen ab. Das teilt ein Sprecher der Staatengemeinschaft mit. Damit reagiert die Uno auf einen getöteten Mitarbeiter.

Vergangene Woche hatte es im Israel-Gaza-Krieg einen Angriff auf das Gelände einer Uno-Mission im Gazastreifen gegeben. Dabei starb ein Uno-Mitarbeiter aus Bulgarien. Sechs weitere wurden schwer verletzt. Sie kommen aus Frankreich, Republik Moldau, Nordmazedonien, Palästina und Großbritannien.

Guterres: »Schwierige Entscheidung«

Generalsekretär António Guterres habe »die schwierige Entscheidung getroffen, die Präsenz der Vereinten Nationen in Gaza zu reduzieren«, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric. Etwa 30 der momentan 100 internationalen Mitarbeiter würden die Region vorerst verlassen, sagte der Sprecher.

Laut Dujarric gehen die übrigen Angestellten sowie die mehr als 10.000 lokalen palästinensischen Mitarbeiter des Hilfswerks UNRWA ihrer Arbeit aber weiterhin nach. Er betonte, dass die Uno den Gazastreifen nicht verlassen werde und verwies auf die große humanitäre Notlage.

Der Uno zufolge war der Angriff vergangene Woche durch einen israelischen Panzer verursacht worden. Sie fordert eine Untersuchung: »Die Israelis wussten genau, wo sich diese Uno-Einrichtung befand – und sie wurde von einer Granate aus einem ihrer Panzer getroffen«, sagte der Sprecher.

Mehr zum Thema

Israel hatte die Vorwürfe vergangene Woche dementiert: Entgegen den Berichten habe die israelische Armee kein Uno-Gebäude angegriffen. Man rufe die Medien zu Vorsicht mit Blick auf unbestätigte Berichte auf.

In einem anderen Fall räumt das israelische Militär mittlerweile ein, ein Gebäude einer Hilfsorganisation attackiert zu haben: Nach eigenen Angaben habe man ein Gebäude des Roten Kreuzes in der südlichen Stadt Rafah im Gazastreifen beschossen. Der Angriff sei erfolgt, nachdem die Streitkräfte Verdächtige identifiziert und eine Bedrohung wahrgenommen hätten. Nach einer Untersuchung habe sich herausgestellt, dass die Identifizierung falsch gewesen sei. »Der Eigentümer des Gebäudes war den Streitkräften zum Zeitpunkt des Schusses nicht bekannt«, teilt die Armee mit.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz teilt mit, dass niemand verletzt worden sei. Der Angriff habe jedoch direkte Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit der Organisation gehabt.

Erstmals seit Beginn einer Waffenruhe vor rund zwei Monaten hatte die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Dienstag vergangener Woche wieder verstärkt Ziele im Gazastreifen bombardiert. Dabei wurden laut der Gesundheitsbehörde der islamistischen Terrormiliz Hamas mehr als 400 Menschen getötet, darunter viele Minderjährige und Frauen.

tin/dpa