Israel: Gericht ordnet Ende des Generalstreiks nach Tod von sechs Geiseln an - DER SPIEGEL
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Demonstration für Geiseldeal Gericht ordnet Ende des Generalstreiks in Israel an

Israels Armee hat sechs Geiseln tot geborgen. Es folgten Massenproteste für einen Deal mit der Hamas. Auch Israels größter Gewerkschaftsbund schloss sich an. Ein rechtsextremer Minister wehrte sich vor Gericht – mit Erfolg.
Menschen demonstrieren in Tel Aviv für die Freilassung der Geiseln
Menschen demonstrieren in Tel Aviv für die Freilassung der Geiseln

Menschen demonstrieren in Tel Aviv für die Freilassung der Geiseln

Foto: Jack Guez / AFP

Das Arbeitsgericht in Tel Aviv hat angeordnet, dass der Generalstreik um 14.30 Uhr (Ortszeit, 13.30 Uhr MESZ) enden muss. Das geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Israels größte Gewerkschaft Histadrut rief nach dem Gerichtsbeschluss zu einem Ende des Streiks auf. Sie hatte zu dem Arbeitsausstand aufgerufen, um den Druck auf Ministerpräsident Benjamin Netanyahu für ein Abkommen mit der Hamas zur Freilassung der verbliebenen Geiseln zu erhöhen. Zwischenzeitlich war der Flugbetrieb am Flughafen in Tel Aviv ausgesetzt, Demonstranten blockierten wichtige Straßen.

»Wir erlassen eine landesweite Anordnung, um den begonnenen Streik zu verbieten«, hieß es in dem Gerichtsentscheid, der auf einen Antrag des rechtsextremen Finanzministers Bezalel Smotrich erfolgt war. Der Streik müsse »heute« beendet werden.

Massenproteste nach Bergung sechs getöteter Geiseln

Smotrich war juristisch mit dem Argument gegen den Generalstreik vorgegangen, der Streik sei politisch motiviert und habe nichts mit einem Tarifkonflikt zu tun.

Mitarbeiter von Verwaltung, Krankenhäusern und Verkehrsbetrieben im ganzen Land waren seit 6.00 Uhr (Ortszeit, 5.00 Uhr MESZ) aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen. Geschäfte, Restaurants, Märkte und Schulen sollten geschlossen bleiben.

Nach der Bergung von sechs von der Hamas getöteten Geiseln am Wochenende im Gazastreifen sollte mit dem Streik der Druck auf die Regierung verstärkt werden, ein sofortiges Abkommen zur Freilassung der noch lebenden Geiseln durchzusetzen. Die sechs getöteten Geiseln waren in einem Tunnel bei Rafah im Süden des Gazastreifens gefunden worden.

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Nach Angaben des israelischen Gesundheitsministeriums waren die vier Männer und zwei Frauen laut Obduktion »ungefähr 48 bis 72 Stunden« vor der gerichtsmedizinischen Untersuchung am Sonntag »von Hamas-Terroristen mit mehreren aus nächster Nähe abgefeuerten Schüssen ermordet worden«.

Nach Bekanntwerden ihrer Tötung kam es in weiten Teilen des Landes zu Massenprotesten mit Zehntausenden Teilnehmern, darunter in Tel Aviv. Das Forum der Geiselangehörigen rief zum Generalstreik auf, Oppositionsführer Yair Lapid schloss sich den Forderungen an.

Nach Angaben der Histadrut sollte »die gesamte israelische Wirtschaft in einen vollständigen Streik treten«. Die in den Gazastreifen Verschleppten dürften nicht länger »im Stich gelassen« werden, erklärte Histadrut-Chef Bar David. Knapp elf Monate nach dem Hamas-Großangriff auf Israel befinden sich nach israelischen Angaben noch immer 97 Geiseln in der Gewalt der Hamas und anderer militanter Palästinensergruppen, 33 von ihnen sind demnach vermutlich tot.

lpz/AFP/Reuters